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Full Metal Village in der Filmkritik
Friday, 03 August 2007 10:05
Full Metal VillageWacken - ein beschauliches Dorf in Norddeutschland, wo die Welt noch in Ordnung ist: rote Reetdachhäuser, mehr Kühe als Einwohner und genau ein Supermarkt im Zentrum der Gemeinde. Oder anders gesagt: In Wacken liegt der Hund begraben.

 

So verwundert es nicht, dass sich einst die jungen Wilden des Dorfes zum Gitarre schrammen auf Nachbars Acker verabredet haben. Mit der Zeit sind noch ein paar Gleichgesinnte zu dem Treffen hinzugekommen. Und seither wird Wacken mit seinen 1.800 Einwohnern, seinen Milchkühen, seinen Feldern und seinem Supermarkt immer im August zum Zentrum der Heavy Metal Welt und Pilgerstätte für 40.000 Headbanger.

 

Full Metal Village ist keine Doku über das Open Air an sich, sondern über die Menschen des Dorfes. Die Regisseurin Sung-Hyung Cho trifft Bauer Trede, der seine Kühe blind am Euter erkennt. Sie trifft die 16jährige Katrin, die mit ihrer Freundin im Schuppen rhythmische Sportgymnastik übt und gern Model werden möchte. Und sie trifft Bauer Plähn, wohl der Liebling der Kinogänger, der mit einer unglaublichen Ruhe und Zigarette rauchend wartet, dass seine Frischmilch auf 40 Grad erhitzt ist. Hier kommen die Wackener zu Wort, die Festivalbesucher äußern sich nur in Form von „WACKEN!!", wahlweise auch „Wacken rulez!"

 

Full Metal Village ist keine Doku über Generationenkonflikt und Kulturkontrast - womit selbst die Regisseurin nicht gerechnet hat. Denn neben all den Bauernweisheiten, Mädchenträumen und Alltagssorgen gibt es eines, was alle Dorfbewohner verbindet: der in vorm eines Tiefladers voller Dixiklos jährlich wiederkehrende Wahnsinn des Heavy Metal Festivals. Dann heißt es anpacken und mithelfen! Jeder, der noch auf zwei Beinen stehen kann, taugt auch zum Parkplatzeinweiser und fehlende Englischkenntnisse sind auch kein Problem, versichert der Polizeihauptkommissar den freiwilligen Helfern: „Egal, einfach mal probieren und drauf losreden."

 

Full Metal Village ist ein Heimatfilm der Koreanerin Sung-Hyung Cho, in dem Landidyll und Festivalrausch in bizarr-beschaulichen Bildern aufeinander treffen. Sung-Hyung hat selbst 6 Wochen in Wacken gelebt und lebt Wacken mit diesem Film. Und jeder, der diesen Film gesehen hat, möchte auch einmal in Wacken leben und mit Bauer Plähn Zigarette rauchend darauf warten, dass die Frischmilch auf 40 Grad erhitzt ist, denn „So macht Landwirtschaft Spaß!" Full Metal Village ist die witzigste Doku ever. Und Wacken rulez! (Eva Deinert)

 




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