| Fan-Liebe: Wie lange sollte man einer Band treu bleiben? |
| Thursday, 30 June 2011 16:43 | |||
Wie lange sollte man einer Band nachtrauern, die man jahrelang verehrt und die einem schöne Stunden oder Tage beschert hat? Wie lange hält das magische Band zwischen Fan und Musiker, wenn Letztere einfach nicht mehr das machen, was man will?Machen wir keinen Hehl daraus: Musik-Fans sind käuflich. Bands bezahlen uns mit der Währung "Lieblingslied". Hat eine Gruppe viele davon, stürzen wir uns in eine Art Abhängigkeit. Wir saugen jeden Ton auf, lesen jedes Interview, verschlingen alle News, besuchen Konzerte, kaufen T-Shirts und quasseln uns dumm und dusselig, bis der beste Freund auch angefixt wird von der Band, deren Sklave man selbst geworden ist.
Es ist eine schöne Sklaverei, die ewig andauern darf. Wir lassen uns immer wieder bezahlen durch neue Hymnen, die uns ständig im Ohr herumsummen. Je mehr harte Währung, desto dicker das Liebhaber-Konto der Band, desto größer unsere Leidenschaft. Doch was, wenn die Musiker es nicht mehr bringen?
Was, wenn die Band immer mehr verwässert, den Geschmack nicht mehr trifft, sich dem Mainstream verschrieben hat oder eine ganz andere Richtung einschlägt? Dann schwindet das Guthaben. Je dicker das Polster war, desto länger verzeiht man Fehltritte, bis man es eines Tages nicht mehr erträgt, sich gewissermaßen freikauft - schließlich hat die Band kein Geld mehr, um dich zurück zu gewinnen.
Eine Metapher, die jeder Musik-Fan kennt. Aktuell sind es Incubus, die mit ihrer Scheibe If Not Now, when? das achte Album auf den Markt bringen. Man muss kein Hellseher sein, um zu erahnen: Sklaven, oder besser gesagt Fans der ersten Stunde, dürften Probleme mit der Platte haben. Denn Incubus haben sich in den 16 Jahren Bandkarriere von einer groovenden, verkifften Hippie-Metal-Gang zu einer schicken Band entwickelt, die Charts und Maistream-Radios pop-rockt.
Die Herren sind erwachsen geworden, man kann es ihnen nicht übel nehmen, dass sie nun eher mit ruhigeren Songs berühren, anstatt wie eine gute Mischung aus KORN und den alten Red Hot Chili Peppers die Alternative-Clubs der Stadt auf den Kopf zu stellen.
Die oben vorgetanzte Rechnung kann jeder einfach durchkalkulieren, wenn man die Platten von Incubus durchgeht und den Geldbeutel befüllt - oder leert: Fungus Amongus, S.C.I.E.N.C.E, Make Yourself und Morning View - allesamt ein "Like" oder ein "+1". Ab dann ging es abwärts: A Crow Left of the Murder, Light Grenades und Monuments. Alle nicht schlecht, aber wer gewissermaßen bei der Geburt der Band dabei war muss Punkte abziehen: Dreimal -1. Noch haben die Herren aus Kalifornien demnach Einen gut, aber vermutlich ist nach If Not Now,When? das Konto komplett leer. Schade, denn dann werden wir endgültig aus der Sklaverei entlassen. Dominik Hoferer
Wer sich ein Bild von der neuen Incubus machen will, findet hier den Link zum Album-Stream->
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