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Silvester: Same procedure as every year?
Thursday, 29 December 2011 16:50

img_2584-header.jpgAlternativen für das alljährliche Raclette, Bleigießen und Dinner for One gesucht? So klein die Welt in der Ära von Internet und Billigflügen geworden sein mag, auch hinter den nächsten Landesgrenzen gibt es andere Bräuche, mit denen das neue Jahr eingeläutet wird. Wir haben für euch die besten Tipps von Nah und Fern für einen guten Rutsch gesammelt.

 

 

 

 

 

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The place to be

Je nach dem, ob das aktuelle Jahr verkürzt oder verlängert werden sollte, stehen 39 Zeitzonen zur Verfügung (den Viertel- und Halbstundzonen sei Dank). Während viele Europäer noch schlafen, feiert die zur Republik Kiribati gehörende Insel Kiritimati als erster Ort auf der Erde den Beginn des Neuen Jahres mit einem Zeitvorsprung von 14 Stunden vor Greenwich. Die erste Großstadt ist Gisborne in Neuseeland, knapp 500 km von der International Date Line entfernt. Jedoch erst in Sidney, Australien, wird daraus mit zwei Feuerferkshows ein echtes Spektakel gemacht, Family Fireworks um 21 Uhr und zum entscheidenden Glockenschlag die Midnight Fireworks. Es soll eine der besten und beliebtesten Shows der Welt sein - vor Ort auf der Harbour Bridge allein sehen es jährlich eine Million Menschen, viele weitere verfolgen die Sendung im Fernsehen.

Etwas näher sind die Feten am Brandenburger Tor in Berlin, an der Puerta del Sol in Madrid oder am London Eye in London. Dort wurde das Feuerwerk in 2010 erstmals zu einem Soundtrack synchronisiert, in dem britische Größen wie Blur, the Beatles und Queen nicht gefehlt haben. Erwähnenswert sind auch die Feierlichkeiten am Times Square in NYC, im kalifornischen Disneyland, an den kanadischen Niagara Falls und am Capocabana-Strand in Rio de Janeiro. Das Schlusslicht bilden die Baker- und die Howlandinsel im Pazifik, die als letztes den Jahresbeginn erleben. Wahrscheinlich will kein Mensch so lange im alten Jahr bleiben, denn beide Inseln sind unbewohnt.

 

Fallen lassen

Fallen lassen

Die Dänen sammeln alte Teller, um sie am letzten Tag des Jahres Freunden an die Haustür zu knallen. Was auf den ersten Blick gewalttätig erscheint, ist ein Zeichen von Zuneigung, denn wer auf seiner Fußmatte viele Scherben findet, soll viele Freunde haben. Italiener warfen früher Gegenstände, die mit schlechten Erinnerungen behaftet waren, einfach aus dem Fenster - so wollten sie sich von diesen trennen. Allerdings wird der Brauch heutzutage nicht mehr praktiziert und so ließen sich bestimmt schon viele Verletzungen vermeiden. Für schlechte Ereignisse haben Mexikaner eine bessere Lösung: Erinnerungen werden in Listen zusammengestellt, die Guten im Kopf und die Schlechten auf Papier. Um die letzteren loszuwerden, wird der Zettel vor Mitternacht noch verbrannt, um mit positiven Gedanken das neue Jahr anzufangen. Was sonst noch fallen gelassen wird, ist der Times Square Ball - ein 5 Kilo schwerer, leuchtender Zeitball aus Glas. Dieser fällt innerhalb von 60 Sekunden aus 23 Metern Höhe, um bei punkt Zwölf Uhr am Boden aufzukommen und damit das Neue Jahr einzuläuten.

Underwear

Kleiderordnung

Wie der kleine Prinz schon sagte: Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar (zumindest solange die Nacht jung ist). Es ist die Unterwäsche, die zählt: Rote Dessous, bestenfalls neue, sind in Spanien und Italien ein Muss, denn sie bringen Liebe im neuen Jahr. Brasilianer(innen) haben zudem die Wahl zwischen grün für Gesundheit, weiß für Seelenfrieden, Gelb für Wohlstand und lila für Inspiration - Hauptsache, etwas weißes kommt darüber. Philippinos schwören hingegen auf runde Muster wie zum Beispiel Polka Dots, da diese an Münzen erinnern. In Mexiko haben sogar Häuser eine eigene Kleiderordnung. So werden diese rot geschmückt, um dem (Liebes-)Leben nachzuhelfen, gelb für Verbesserung am Arbeitsplatz, weiß bringt Gesundheit und grün sorgt dafür, dass es in der Haushaltskasse klingelt.

 

Kuchen

Verpflegung

Überall wird Silvester mit Familie und Freunden gefeiert, bloß das Verhältnis variiert je nach Region, Altersgruppe und Freundeskreis. Vor der Party unter Freunden ist ein festliches Abendessen mit der Familie beliebt. Statt Fondue und Raclette kommen oft Linsen auf den Teller, da ihre runde Form an Münzen erinnert. In Estland kommt es nicht auf die Art der Speise an, sondern auf ihre Anzahl - 7, 9 oder 12 sollen es sein, da dies die 3 Glückszahlen sind. Das Essen selbst darf allerdings nicht ganz aufgegessen werden. Neben Weintrauben ist Marzipan der weltweit beliebteste Snack zum Jahreswechsel. Anders als im Falle des guten alten Glücksschweinchens wird die süße Mischung in anderen Formen und größeren Mengen verzehrt. Das überragendste Beispiel liefern die Dänen und Norweger mit Kransekage, einem aufwendig verzierten Ringkuchen aus Marzipan. In Bulgarien und Mexiko backt man süßes Brot und versteckt eine Münze darin. Den Finder soll im neuen Jahr vom Glück begleitet werden. Holländer essen gerne Oliebollen, was wortwörtlich übersetzt Ölbälle bedeutet, von denen das Fett nur so tropft.
Getrunken wird so gut wie alles, das schäumt - bevorzugt Champagner, aber auch Sekt, Cava oder Cider kommen gut an. Die Neuseeländer müssen allerdings darauf verzichten, nach heftigen Randalen wurde dort der Konsum und Besitz von Alkohol an öffentlichen Stellen verboten, auch an Silvester.

 

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Massenmedien

Kaum zu glauben, aber es gibt noch etwas außer dem schwarz-weißen Klassiker Dinner for One. Gemeint ist nicht das farbige Remake, sondern Alternativen, mit denen sich der Rest der Welt begnügt. In Kanada unterhält die Comedy-Truppe Royal Canadian Air Farce schon seit Jahren mit ihrer Satire-Sendung Year of the Farce, auch nach der offiziellen Auflösung in 2008. Etwas weiter südlich quasselt American Idol-Moderator Ryan Seacrest die amerikanische Bevölkerung in Dick Clark's New Year's Rockin' Eve ins neue Jahr hinein. In der kommenden Sendung wird unter anderem Florence + the Machine auftreten, während Justin Bieber und Lady Gaga in NYC performen werden, mit dem Times Square Ball (siehe Fallen lassen) im Hintergrund.
Wer einen Monarchen im Land hat, kann es mit seiner Rede zum Jahresende ernster angehen. Besonders in Dänemark ist der Vortrag der Königin sehr beliebt, dem Präsidenten hört jedoch nur ein Bruchteil der Bevölkerung zu. Mehr Glück haben die Regierungschefs in Russland und Italien. Berlusconi hat allerdings nie eine Reder halten dürfen, denn zum Glück macht das schon immer der Präsident Napolitano.

 

Countdown

3, 2, 1... Happy New Year!

Der Moment, an dem auch wirklich jeder Mensch die Uhrzeit weiß, ist der Mitternachtscountdown. In Russland dauert dieser 12 Sekunden, in denen es komplett still wird und jeder Wünsche für das neue Jahr macht. Die Dänen hingegen stellen sich auf Stühle, zählen von Zehn runter, schreien und springen in das Neue Jahr hinein - kann man das noch als einen guten Rutsch bezeichnen? In Japan schlagen die buddhistischen Tempelglocken 108 mal; Philippinos lassen Münzen fallen (für Reichtum), springen hoch (für körperliche Größe) oder schlagen auf Töpfe ein (um Geister zu vertreiben), während viele hispanischen Nationen >Trauben essen. Der Rest der Welt begnügt sich mit bloßem Sekttrinken, Küssen und Umarmen.

 

Feuerwerk

Der Knaller

Trotz aller Unterschiede ist eins überall auf der Welt gleich: die Vorliebe für Feuerwerk. Kurz nach Weihnachten hört man die ersten Kracher steigen und ihre tägliche Zunahme würde sich anhand einer Exponentialfunktion darstellen lassen. Nur auf Malta fehlt an Silvester der Enthusiasmus für Raketen, der sonst zu genüge vorhanden ist, während er in Chile per Gesetz gedämmt wurde - seit 2000 ist der Verkauf von Feuerwerkskörpern verboten, ebenso in vereinzelten Großstädten und besonders trockenen Gebieten auf der Welt. Dort können die bunten Farben und Formen nur noch auf Leinwänden betrachtet werden.



Trauben

Trauben

Sieben oder zwölf Stück sollen es sein! Den Ursprung hat die Tradition vor über hundert Jahren, als die Bauern von Alicante zu viele Weintrauben ernteten, die sie nicht verkaufen konnten. Da dachten sie sich ein glücksbringendes Ritual aus, bei dem um Mitternacht eine Traube pro Glockenschlag gegessen werden soll. Das geht viel schneller, als man denkt und schon ab dem 9. Stück besteht Erstickungsgefahr. Trotzdem bürgerte sich der Brauch nicht nur in Spanien ein, sondern auch in Mexiko, Chile (eine Traube für jeden Monat), Guatemala und Costa Rica (eine Traube für einen Wunsch). Auch in Brasilien werden die Früchte gegessen, allerdings nur 7 Stück und die Kerne müssen unbedingt aufbewahrt werden. Eine Abwandlung dieser Tradition praktizieren junge Spanier schon zwei Wochen vorher (>Random facts).

 

Gummibärchen

Random facts

Weil einmal nicht genug ist, feiern die spanischen Studenten gleich zweimal Silvester. Bevor alle für Weihnachten in ihre Heimatdörfer einkehren, wird am letzten brauchbaren Donnerstag mit den Uni-Freunden die Nochevieja Universitaria gefeiert. Der Unterschied: Weintrauben sind out, Gummibärchen sind in. Als Pilgerort für Studenten wird Salamanca bezeichnet, eine lebhafte Universitätsstadt, in der sich in 2011 ganze 40.000 junge Menschen versammelten.
Eine andere Kuriosität am 31. Dezember ist die costaricanische Tradition, mit Gepäck durch die Stadt zu laufen. Dadurch sichert man sich Reisen und Abenteuer im kommenden Jahr. Bemerkenswert ist auch der kostenlose Bus-Service in Belgien, der das angeschwipste Partyvolk am Neujahrstag sicher nach Hause bringt.

 


Headache

Ausnüchtern!

Wenn die Sonne aufgeht und die letzten Gäste die Discos verlassen, findet man Spanier in den vielen Chocolaterias. Am vollsten ist stets das beliebte San Gines in Madrid, nur wenige Minuten von der Puerta del Sol entfernt. Dort macht man, wie nach vielen anderen Feiernächten auch, gerne Halt für Churros. Ähnlich wie die holländischen Oliebollen sind das in heißem Fett gebratene, langgezogene Krapfen, die in dickflüssige, heiße Schokolade getunkt werden. Durch ihren überragenden Fettgehalt machen sie für gute paar Stunden satt.
Nach dem Ausschlafen geht man in Argentinien gerne schwimmen, einige tapfere Holländer machen das auch - in der kalten Nordsee. In London steigt die New Year's Day Parade und in Russland wartet man auf den Besuch. Wenn der erste Gast ein Mann ist, wird das Jahr gut.
Während die Welt entspannt den ersten Tag des neuen Jahres verbringt, beginnt in Japan gerade die Party. Dort ist der 31. Dezember zum Putzen und Ordnung schaffen bestimmt, gefeiert wird erst einen Tag später...

Edyta Sikorska


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