Die Hochkultur der Subkultur.
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Spezial: Applaus, bitte.
Tuesday, 31 July 2007 00:05

Auch im Kino müsste man klaschen Die Beatles wie auch die Beach Boys haben es als Stilelement verwendet: Das Klatschen. Doch ist Klatschen lange nicht mehr einfach nur eine Klanggestik als Schlagzeug-Ersatz.

 

 

 

 

Während unserer Kindheit versuchte man uns mit diesem Zusammenschlagen unserer Handflächen ein Gefühl für Rhythmus und Musik zu vermitteln. Aber konnte man damals ahnen, welch weite Kreise der persönlichen Entwicklung und des Gliedmaßen-Missbrauchs diese Übungen mit sich ziehen würden?

War das Klatschen üblicherweise dem Beifall großer Künstler oder dem Warnsignal in der Kindererziehung vorbehalten, so werden wir heute in allen noch so gewöhnlichen Lebenslagen mit diesem Geräuschpegel konfrontiert.

Das neuste Phänomen trägt sich in Räumen zu, die zwar Emotionen erzeugen, sie aber nicht zwangshaft in die Öffentlichkeit tragen müssten. Das Kino – ein Saal gefüllt mit Menschen, die scheinbar nicht verstanden haben, dass es sich beim vorgeführten Werk um eine abgeschlossene Produktion handelt. Sicherlich trägt Applaudieren auch hier zum allgemeinen Zusammengehörigkeitsgefühl bei, doch reicht es mir für gewöhnlich, die Luft meines Nebensitzers zu recyclen.

Bei näherer Betrachtung muss man jedoch feststellen, dass die Anwandlung des aufsässigen Gute-Laune-Verbreitens immer weitere Kreise zieht. So spendet man seinen Beifall nicht mehr nur herausragenden Kunstwerken, sondern auch pummelig-peinlichen Mädchen bei Schönheitswettbewerben und gelben Comicfiguren. Blanker Irrsinn, der es verdienen würde im Abspann des nächsten Matt-Groening-Films auf die Schippe genommen zu werden.

Vor einigen Jahren führte der Trend hin zum Flugzeug-Klatschen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob es diese Anwandlung von Peinlichkeit nur in Deutschland gibt, oder ob es sich hierbei um ein internationales Phänomen handelt. Man klatscht wenn das Flugzeug - in das man letztlich nur eingestiegen ist, weil man sich sicher ist, heil am Ziel anzukommen - gelandet ist. Man dankt dem Piloten nach einem Turbolenzen freien Flug dafür, dass er seinen Job getan hat. Klatschen diese Menschen auch, wenn der Bäcker ihres Vertrauens ihnen morgens ihre Brötchen in die Tüte packt?

Es sind Sockenbügler und Nordic Walker. Es ist die Sorte Mensch, die bereits bei der Ankunft im Urlaubsressort die ersten Zimmerbeschwerden parat hat und mit Pumps an den Strand geht, um die faltigen Schenkel zu straffen. Oder Menschen, die bereits einen Flugzeugabsturz überlebt haben. Doch besteht im Flugzeug immernoch die Möglichkeit, dass der Pilot sich auf das Getöse in der Business Class Erfolgs-bedingten Orgasmen hingibt - wohingegen kein Regisseur der Welt das Publikum im Kinosaal hören kann.

So sind das alles keine Argumente, seine Mitmenschen mit Diven-artigem Applaus zu belästigen. Wie ungesund unnötiges Klatschen sein kann, bestätigt ein frischer Fall aus China. Zhang Quans Klatschen erreicht 107 Dezibel Lautstärke, das von den chinesischen Behörden nun als Lärmbelästigung eingestuft wurde. Das ist ungefähr so laut wie rotierende Hubschrauberblätter und mein Beweis dafür, dass klatschen ungemein gefährlich sein kann.

Ich klatsche inzwischen garnicht mehr. Es wirkt arrogant, steht aber für vertraute Anerkennung höchster Stufe, ohne oberflächliche lautstarke Dankesbekenntnisse. Kenner werden es zu schätzen wissen. (Nina-Carissima Schönrock)




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