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Rock-A-Field: Luxemburg
Tuesday, 30 June 2009 01:28

Das Feld rockenEs waren einmal 17.000 Musikfans, die es an einem Junitag hinauszog, nach Roeser, Luxemburg, ein verwunschenes, im Wald verstecktes Feld zum Leben zu erwecken. Zum ersten Mal in der vierjährigen Geschichte des Tages-Festivals Rock-A-Field war die Veranstaltung ausverkauft. Kein Wunder mit einem so unglaublichen Lineup, bei dem quasi jede der internationalen Bands als Headliner bezeichnet werden kann. Als wäre das noch nicht genug, präsentierte sich die geballte Musikpower der recht Männerlastigen Bands mit hohem Eyecandy-Anteil auch noch bei fast ungebrochenem Sonnenschein (mitgetragene Gummistiefel waren völlig überflüssig). Die Reise lohnte sich nicht zuletzt ebenso für das breite Nebenprogramm von Luxemburger Bands, die während der Umbauphasen auf der Mainstage zu hören waren. LAX-Redakteurin Mirjam berichtet.

 

Luxemburg an sich ist schon eine aufregende Mischung der Kulturen und Stile, aber wenn es darum geht ein Rock-Programm zusammenzustellen, erwartete die Besucher des diesjährigen Rock-A-Field-Festivals die absolute Superlative. Die Anreise in der Luxemburger Bahn - mit übrigens den aus Deutschland bekannten blau-mit-blauen-Quadraten-Bezügen - und der Überlandfahrt im überfüllten Shuttle-Party-Bus (im Radio: The Ting Tings) war schon ein kleines Abenteuer für sich, aber dann hieß es am Waldrand den nie enden wollenden Nordic Walking Track zu erklimmen. Immer tiefer in den dichten Wald, bis endlich eine versteckte Lichtung in Sicht kam. Das hatte schon etwas Märchenhaftes, wenn auch der recht düstere Rückweg noch romantischer war.

 

Der tapfere Wanderer wurde mittags dann von den gut gelaunten Virgins aus U.S.A. empfangen, die mit viel Elan Teen Lovers und andere gut durchdachte Songs vortrugen, allerdings nicht ganz gegen die Vorfreude auf die Folgebands anspielen konnten. Die bei weitem populäreren Ting Tings hatten es schon um einiges besser. Vor einer mehr als ansehnlichen Menge zeigten Jules De Martino und Sängerin Katie White einmal mehr, welche musikalische Power ein Duo auf die Bühne bringen kann und das mit einem sehr breiten Sortiment an Rhythmusgeräten. Von We walk bis zu Great DJ und Fruit Machine ließen sie keinen ihrer großen Songs aus und lieferten mit That’s not my Name eine wirklich sehr spannend umgesetzte Liveversion, die fast schon wieder neu klang.

 

Der Wechsel zu Papa Roach war ein merklich härterer Bruch. Auf den stylischen Elektro-Pop hin wurde nun doch recht viel geflucht. Aber die Alternative-Rocker mit der fiesen Attitüde haben – neben ihrem ungebrochenen Willen, die Tattoo-Industrie am Leben zu erhalten - eben diesen einen Song (Last Resort von 2000), der einfach zur Festivalstimmung gehört. Nicht ganz so bitter-ernst meinten es die amerikanischen Kollegen von Eagles of Death Metal in Folge. So erschien Sänger Jesse „The Devil“ Hughes im schwarzem Ting Tings Shirt auf der Bühne und hatte neben sehr guter Laune, I only wanted you, Cherry Cola und Wannabe in LA auch ein paar der besten Sprüche dabei.

Peter Fox löste dann die Rocker mit deutschen Texten, Affen-Alter-Ego und einem überwältigenden Aufgebot an Begleit-Musikern ab, alle natürlich eingereiht in aparter Fashion und passender Choreographie. „Opulent“, kann man da nur sagen. Hier lässt sich einer die Show nicht stehlen und könnte mit Rhythmusgefühl, Hüftschwung und Charisma ganz sicher auch allein die große Bühne füllen. Bei Fieber, Schwarz zu Blau und Alles neu nahm auch der nicht deutschverständige Publikumsteil das Partyfeeling dankend an. Und so holte der Mann aus Berlin noch das Letzte aus der ihm zugewiesenen Stunde raus.

 

Daraufhin ging es weiter zu den großen Dreien des Tages. Angefangen mit Razorlight, die erstmal mit unglaublicher Coolness das Klima etwas dämpften. Zum Einstieg gab es die altbekannten Songs Back to the Start und In the Morning. North London Trash vom aktuellen Album haben sie dann aber vielleicht doch schon 1-2x zu oft gespielt, Sänger Johnny Borrell wirkte jedenfalls enttäuschend unüberzeugt, ganz weit versteckt hinter seiner Sonnenbrille. Doch schnell machte er diesen Ausrutscher mit der Intensität von Before I fall to Pieces und Wire to Wire wieder wett, da fiel nämlich auch die Sonnenbrille und die Coolness schmolz dahin (Borrell hatte ab hier ganz offensichtlich noch Spaß am Auftritt). Bei In the City hängten sich die Herren von der Insel noch mal richtig rein, um mit dem sehr gefühlvollen Hostage of Love zu Enden, das noch lang in Erinnerung bleiben wird.

 

Die Show von Franz Ferdinand war da im Ganzen deutlich glatter, ganz die Profis eben mit ihren Auftritten so nah an den Studioversionen und dem Publikum völlig unter Kontrolle. Auch hier vertraute man am Anfang auf Altbewährtes, in diesem Fall Matinee, um zum aktuellen Hit No you Girls zu springen. Damit bewiesen die Schotten, selbst wenn die neue Platte Tonight vielleicht nicht so umwerfend gelungen ist, in der Konzertmischung sind die einzelnen Songs (wie auch Turn it on oder Bite Hard) eine optimale Ergänzung zu den Klassikern. Doch trotz der Auflockerung durch die instrumentalen Rhythmuseinlagen gegen Schluss, fehlte noch etwas. Und das etwas kam dann mit Einbruch der Dunkelheit mit Kings of Leon, die vom Publikum bereits eindeutig in den Rang der Götter befördert wurden. Die Followill-Brüder nutzen diese angespannte Energie wirklich geschickt aus. Ihr 1 ½ Stunden-Programm beinhaltete die ganze Gefühlspalette mit Rock lastigeren Stücke wie Molly’s Chamber und Sex on Fire bis zu den Gänsehautsongs wie On Call und versetzte (nicht nur die Damen) in einen emotionalen Taumel. „Legendär“, raunte man sich höchst ergriffen in der Menge zu.

 

Eine Fahrt zu den Nachbarn oder zumindest ein Blick über die musikalischen Grenzen in Richtung Westen (und nicht gleich bis rüber in die USA) lohnt sich also mehr denn je. Und daher hier noch ein kleines Update, was die aktuelle Luxemburgische Musikszene angeht: Für etwas mehr Hard-Core-Feeling stehen die Metaler von Everwaiting Serenade ein. Echten Lux-Hip-Hop sollte man sich von De Läb, mit dem Gefühl für Takt und Party, holen, auch wenn man nur sporadisch mal Sinn aufschnappt. Für mit diversen Fremdsprachen unterlegten Elektrosound und absolut genial-skurrile Bühnenshows und überhaupt auch so sollte man Minipli am besten nicht mehr aus den Augen lassen. Und last but not least, sind die absoluten Favoriten des Tages die Jungs von Mutiny on the Bounty: laut und Ziel gerichteter Rock, mit Humor, guten Einfällen und dem richtigen Enthusiasmus, dafür ohne überflüssige Indie-Schnörkel. Anspieltipp: 1,2,3,4 I Declare a Thumb War. Aber Vorsicht, they are out to kick your ass!

 

Michael Jackson wurde nicht erwähnt. Mirjam Miethe

 

(28.06.09)




madaleine 2009-07-20 18:49:13

der artikel ist gut geschrieben und fängt die stimmung des tages und die
auftritte der einzelnen bands sehr gut ein.
hab nur eine ganz kleine anmerkung:
das lied von kings of leon heißt "sex on fire" auch wenn er "your
sex is on fire" singt ;-)
Upss!
Dominik 2009-07-21 01:08:58

Wie konnte das passieren ;-) Danke auf jeden Fall für den Hinweis. Haben das
natürlich sofort geändert und uns schon mal zum Schämen in die Ecke gestellt
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