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Lambchop: Dachau
Friday, 10 July 2009 16:02
lambchop in dachauBei trockener aber doch recht kühler Witterung lud die Stadt Dachau zum bestuhlten Open Air Konzert von Gemma Ray und Lambchop in die malerische Altstadt ein. Tine vom LAXMag war dabei und hat sich die akustisch einwandfreien Konzerte angehört.

Gemma Ray legt viel Wert auf die richtige Aussprache ihres Namens: Dschemma. Im Hawaiikleid mit Blumen im Haar spielt die Engländerin auf ihrer roten E-Gitarre und nippt an einem gelben Cocktail. Sie hat Songs ihrer beiden Alben mitgebracht, auch die Single-Auskopplung 100mph (in the 2nd gear). Mal alleine, mal in Begleitung ihrer Band macht sie viel Show. Da wird in wilder Rock’n Roll Manier die Gitarre mit dem Messer bearbeitet, leider oft zum Leidwesen ihrer stimmlichen Intonation. Das Publikum ist nur mäßig begeistert, unterhalten sich doch viele, anstatt ihrem Auftritt zu lauschen.

Ganz anderes bei Lambchop. "Hallo, wir sind Lammkotelette" begrüßen sie ihr Publikum. Das bis zu 18-köpfige Kollektiv aus Nashville, Tennesse tritt am heutigen Abend in rein männlicher Besetzung zu siebt auf. Kurt Wagner, Kopf und Stimme des Ganzen betritt rauchend die Bühne. Die Zigarette findet ihren Platz am Mikrofonständer, denn er braucht beide Hände zum Gitarre spielen. Mit Cap und Brille ist es schwer, sich ein Bild von ihm zu machen, aber wen interessieren schon Äußerlichkeiten, wenn seine unverwechselbar tiefe, sonore Stimme ertönt. Er klingt wie ein Märchenonkel wenn er singt und dabei Gitarre spielt.

Nach jedem Stück stellt er ein anderes Bandmitglied vor. Neben Tony Crow am Flügel begleiten ihn vier Bass- und Gitarrenspieler, Schlagzeug und Keyboard. Streicher haben sie keine dabei. Routiniert macht er Smalltalk mit seinen Bandkollegen, auch der ein oder andere Scherz über Keyboarder und Gitarristen Ryan Norris fällt, der kein eigenes Mikrofon hat. Sie freuen sich, in Dachau zu sein, "the city of love and romance" und bedanken sich für die Gastfreundlichkeit. Das Gefühl haben wohl an diesem Abend alle im Publikum. Die Atmosphäre der Bühne in der Altstadt vor dem Rathaus umringt von bunten Häusern unter einem dunklen Himmel hat etwas sehr beruhigendes und verstärkt die Stimmung, in die Lambchop einen mit ihrer Musik, einer Mischung aus Alternative und Country, versetzen.

Nach Slipped, Dissolved And Loosed des neuen Albums Ohio beginnt die Kirchturmglocke zu läuten. Erst vier Mal für die volle Stunde, dann endlose zehn Mal, was sowohl auf als auch vor der Bühne mit Lachen quitiert wird wird. Zehn Schläge können sich ewig ziehen, wenn man eigentlich weiter spielen möchte.

Neben Stücke aus dem aktuellen Album haben sie viel aus früheren Jahren dabei. Dafür legt Wagner die Gitarre beiseite und nun zeigt sich eine ganze andere Seite: Aus dem freundlichen Märchenonkel wird nun ein manischer Priester, der, mit Zigarette in der Hand, wilde Tiraden ins Publikum predigt und dabei Rauch ausbläst wie eine Lokomotive. Rockiger werden die Stücke. Dem Publikum gefällt das sehr.

Und so werden Lambchop zwei Mal zurück auf die Bühne geklatscht. Vor der letzten Zugabe war bereits Musik aus der Konserve zu hören, aber Vollblutmusiker geben ihren Fans, was diese wollen. Und auch der Himmel hat eine Überraschung parat: Für das letzte Stück The One, als ob es abgestimmt wäre, fällt dann doch der befürchtete Regen. Schirme und Kapuzen werden sichtbar, die Menschen rücken enger zusammen, um ein letztes Mal Wagners Stimme zu genießen. Dann ist der Guss zuende und damit auch der Konzertabend.

Mit diesem Konzert hat die Stadt Dachau eindrucksvoll bewiesen, dass sie eine kleine aber ernst zunehmende Konkurrenz zur bayerischen Konzertmetropole München ist. Christine Bulla

(09.07.09)


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