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Howling Bells: Ohne Geld im Privatjet
Sunday, 30 August 2009 20:41

howlingbells.jpgIm Jahre 2005 benannte sich die australische Band Waikiki in Howling Bells um und zog nach London, um sich dort ganz der Musik zu widmen. Heute spielen sie im Vorprogramm von Coldplay vor 15.000 Zuschauern. Sängerin Juanita Stein und Bassist Brendan Picchio erklärten uns nach dem Konzert unter anderem, warum sie überhaupt nicht nervös waren und wieso man auf Tour mitunter vergisst, dass man für manche Dinge bezahlen muss.


Das war heute doch sicher eines der größten Konzerte in eurer Karriere. Wie war es für euch?

Juanita: Fantastisch!


Brendan: Wie viele Leute sind heute hier? 15.000?


Juanita: In Toronto haben wir sogar mal vor 25.000 Leuten gespielt!

Seid ihr vor solchen Konzerten nervöser als vor Clubshows im kleinen Rahmen?

Juanita: Lustig, dass du das fragst. Wir haben uns da vorhin erst darüber unterhalten. Je mehr Leute da sind, desto weniger nervös bin ich, weil ich mich dann nicht mehr so auf die Leute konzentrieren kann. Es sind einfach zu viele.

Brendan: Ja, aus unserer Sicht ist das dann einfach zu groß. Ich war gar nicht nervös.

Bei kleinen Shows versuchst du immer, eine Bindung zum Publikum aufzubauen erzählst kleine Geschichten. Ist das auf so einer großen Bühne überhaupt noch möglich?

Juanita: Ich habe das Gefühl, dass ich da sogar noch mehr rede! Menschen, die bei öffentlichen Auftritten nervös sind, haben oft Angst, wenn sie vor fünf Leuten sprechen, haben aber kein Problem damit, vor großen Menschenmengen zu stehen. Ich fühle mich dann auch sicherer und erzähle eher mal Geschichten, als wenn ich jede einzelne Person sehen kann, denn dann frage ich mich immer "Was denkt er oder sie jetzt wohl gerade?". Vor so vielen Menschen fällt mir das leichter.

Im Schlussteil von Radio Wars hast du mit sichtlicher Begeisterung auf eine Trommel eingedroschen. Verarbeitest du da deine Aggressionen?

Juanita: Absolut! Ich verarbeite da nicht nur meine Aggressionen, sondern bin auch mit sehr viel Leidenschaft dabei. Ich könnte das den ganzen Tag über machen! (lacht)

Ihr habt aber schon einen Schlagzeuger in der Band.

Brendan: Ach, den könnte sie schon ersetzen!

Erzählt uns doch bitte etwas über euer neues Album Radio Wars. Wo liegt für euch der größte Unterschied zu eurem Debüt-Album?


Juanita: Wir haben es an einem anderen Ort aufgenommen ...


Brendan:
... mit anderen Leuten, anderen Klamotten, anderem Essen ...


Juanita: Nein, jetzt mal ernsthaft: Der größte Unterschied ist, dass wir diesmal alle zusammen Songs geschrieben haben und nicht jeder für sich. Wir haben zusammen Ideen entwickelt und an den Songs gearbeitet, und Radio Wars ist ein echtes Team-Album geworden.

Werden wir euch denn auch bald endlich wieder auf deutschen Bühnen sehen können? Zu Radio Wars gab es bisher ja leider keine Tour.

Juanita: Ich denke, wir werden erst mal alle wieder nach Australien gehen und da an unserem nächsten Album arbeiten. Dann kommen wir sicher wieder!

Brendan: Wir hätten auch wirklich gern eine Tour in Deutschland gemacht, aber die Umstände waren gegen uns.

Juanita: Ja, es ist mir sehr wichtig, dass die Leute wissen, dass wir wirklich nach Deutschland kommen wollten. Wir haben einige Shows in Europa gespielt und wollten auch nach Deutschland, aber es hat aus verschiedenen Gründen leider nicht geklappt. Das ist sehr schade, denn Deutschland ist ein wichtiger Markt und wir haben tolle Fans hier. Nächstes Jahr wollen wir unbedingt eine Deutschland-Tour machen!

Ihr kommt eigentlich aus Sydney, lebt aber jetzt alle in London. Seid ihr nur wegen der Musik dorthin gezogen?

Juanita:
Ja, das war nicht so ein Lifestyle-Ding, sondern wir sind wirklich dorthin gezogen, weil wir Musik machen wollten.

Brendan: Wir sind sicher nicht wegen dem schönen Wetter oder dem Essen da ...

Hat sich dieser Schritt für euch gelohnt?

Juanita: Definiv! In Australien hatten wir einfach die Grenzen erreicht.

Juanita, nachdem sich Oasis gerade wieder nach einem Bruderstreit getrennt haben, muss ich dich natürlich fragen, wie es für dich ist, mit deinem Bruder zusammen in einer Band zu spielen. Macht das manche Dinge einfacher oder eher komplizierter?


Juanita:
Das ist für mich wirklich überhaupt kein Thema. Ich denke da nie drüber nach. Ich denke, dass ich alle Leute in der Band gleich behandle und allen die gleichen Gefühle entgegenbringe. Zumindest hoffe ich das. Brendan, hast du schon gehört, dass sich Oasis wieder getrennt haben?

Brendan: Ja, weiß ich. Ich habe Liam Gallagher übrigens mal kennengelernt. Ich fand, dass er ein sehr netter Typ ist und konnte gar nicht glauben, dass er für all das verantwortlich sein soll, was die Medien schreiben.

Juanita: Vielleicht ist das bei denen ja auch alles nur Show?

War war denn das Lustigste, was euch je auf Tour passiert ist? Euer bewegendster Moment mit den Howling Bells?

Juanita: Wir haben ständig viel Spaß, aber eine besondere Geschichte fällt mir da gerade nicht ein.

Brendan: Hmmm, lass mich mal überlegen...

Juanita: Uns passieren jede Menge seltsame Dinge.

Brendan: Jetzt fällt mir eine Sache ein, über die ich sehr lachen musste. Wir haben ja vor zwei Tagen in Düsseldorf gespielt, und Coldplay haben uns dann eingeladen, mit ihnen in ihrem Privatjet nach London zu fliegen. Wir sind dann also alle zusammen nach London geflogen, und als wir angekommen sind, habe ich festgestellt, dass ich nicht mal mehr Geld für den Bus oder ein Taxi in der Tasche habe. Ich meine, seit Tagen gibt es für uns überall Essen und
Getränke umsonst, wir werden mit diesen schicken Autos abgeholt und zum Flughafen gefahren, und da gewöhne ich mich gleich so daran, dass ich nicht mal mehr Geld mitnehme. Da musste ich wirklich über mich selbst lachen, weil das so absurd war!

Gibt es etwas, das unsere Leser unbedingt noch über Howling Bells wissen sollten?

Juanita:
Nur, dass wir eine sehr, sehr authentische Band sind. Mir ist es wichtig, dass die Leute wissen, dass es noch Bands gibt, die hundert Prozent hinter dem stehen, was sie tun. Wir sind eine davon.

Bei Juanita Stein und Brendan Picchio von Howling Bells bedankt sich für das Interview: Bettina Koch



(2009)




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