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The Offspring: München
Wednesday, 02 September 2009 13:08

OffspringJeder ist irgendwann schon mindestens einmal in seinem Leben - sei es damals als Teenie im Jugendzentrum gewesen oder bei diversen Partys unter der Woche in der Studienzeit - so richtig zu The Offspring abgegangen als gäb's kein Morgen mehr und als würde man die Anwesenden nie wieder sehen. Was für Menschen gehen also auf ein The Offspring-Konzert, wo die Band doch (noch) gar kein neues Album draußen hat? Doch wohl nur Leute, die vor 15 Jahren jung waren, oder?

 

Und tatsächlich: Schon an der S-Bahn-Haltestelle grölt ein bebrillter Mittdreißiger, vermutlich Grundschullehrer, den ankommenden Massen verzweifelt entgegen: "Hat irgendwer noch eine Karte für Offspring?!?" Denn, man mag es kaum glauben, aber das Konzert in der Münchner Tonhalle ist ausverkauft! Wer schon befürchtet hat, allein vor der Bühne zu Self Esteem seinen in die Jahre gekommenen Körper noch einmal alles abverlangen zu müssen, als hätte es das Abitur, die fünf Jahre Studium, die anschließende Weltreise und diverse Jobs und Liebschaften, nie gegeben, konnte nun beruhigt werden:

 

Rund 3.000 andere suchten ebenfalls den Flashback in die Vergangenheit. Darunter jede Menge Familienväter mit ihrem Nachwuchs ("Schau, das waren Papas wilde Zeiten"), 14-jährige Teenies, die noch gar nicht auf der Welt waren, als Smash rauskam, Alt-Rocker, die anhand ihrer Tattoos berechnen können, wieviele Jahre zwischen heute und dem letzten Konzert liegen und Yuppies mit Protzkarren, die wahrscheinlich genau das geworden sind, was sie in ihren Punkrock-Zeiten sich geschworen haben niemals zu werden. Eine bunte Mischung also, die sich da schon teilweise zwei Stunden vor dem Einlass eingefunden hat, um Dexter Holland und seinen Kollegen engegenzupogen.

 

Doch vor dem Mainact ernten Broadway Calls mit ihrem melodischen, energischen Pop-Punk viel Respekt vom Publikum, sind sie doch eine Band, die den Brückenschlag zwischen der alten Punk-Generation a la Green Day und neuen Strömungen bestens umzusetzen versteht. Ihr neues Album Good Views, Bad News kann sich Papa im Anschluss ans Konzert vom Sohnemann ausleihen, wenn sich dieser dafür die Offspring-Klassiker Crash und Americana aus dem Plattenschrank nehmen darf.


Mit den alten Krachern setzten sie dann auch kraftvoll und kräftezehrend ein: Stuff Is Messed Up, Bad Habit, You're Gonna Go Far, Kid. Schon nach den ersten Songs verwandelte sich die Tonhalle in ein Tropenhaus. Wasser und andere Dinge tropften von der Decke, der Sauerstoff wurde knapp, Männer zogen ihre Oberteile aus und drückten ihre nassen Körper durch Menge, die Hitze war unerträglich. So unterbrachen The Offspring - man wird ja auch nicht jünger, das Haar verliert die Naturfarbe, der Bauchansatz gestaltet das Gitarre spielen zunehmend zu einem Kraftakt - mehrmals die Show für kleine Verschnaufpausen hinter der Bühne (Sauerstoffzelt?) und schickten stattdessen einmal sogar einen Bayern in der Krachledernen maßkrugschwänkend auf die Bühne. Eine Show-Einlage, die Fragezeichen auf der Stirn hinterließ. Andererseits galt es auch Energie zu tanken für Hits wie Kristy, Are You Doing Okay?, Why don't You Get A Job, Pretty Fly (for a White Guy) und The Kids Aren't Alright, die auf keinen Fall fehlen durften. Das Publikum grölte jeden Song aus vollem Halse mit, so dass es nicht weiter auffiel, dass Dexters Stimme gegen Ende des Konzertes etwas dünn wurde.

 

Nach einem laaaangen Break gab es als Zugabe noch Hammerhead und Want You Bad. Der Rausschmeißer war dann natürlich Self Esteem, bei dem die Tonhalle noch einmal bebte. Vom Familienpapa über die Herren Alt-Rocker bis zum Punk-Rookie bewegten sich alle springender Weise in die Höhe, bevor Band wie Publikum völlig verausgabt und klatschnass von oben bis unten in die Nacht hinaus bewegten. Auch wenn der Atem knapp wurde hier und da und die Regenerationsphasen während des Konzertes inzwischen länger dauern als früher, The Offspring machen weiter. So soll es wohl demnächst noch was Neues von ihnen geben ... Eva Deinert

 

 

(01.09.2009)

 




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