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Patrick Wolf: München
Monday, 05 October 2009 00:26

Patrick Wolf: Dandy, Multi-Instrumentalist und UnterhosenmodelEinsamer Wolf? Böser Wolf? Patrick Wolf ist für extravagentes Auftreten, emotionale Ausbrüche und aufsehenerregende Live-Performances bekannt. Welche seiner vielen Seiten das Münchner Publikum im Ampere zu sehen bekam, weiß LAXMag-Redakteurin Tina.

 

So voll hat man das kleine Ampere lang nicht mehr gesehen - und das, obwohl zeitgleich nebenan in der Muffathalle Emiliana Torrini spielt. Während Patrick Wolf sich wohl Backstage gerade in sein erstes Bühnenoutfit wirft, eröffnen die Schweden Deer Tracks den Abend. Zwei Mädels und ein Junge, die die Klamottenkisten ihrer Mütter und die Spielzeugkisten ihrer kleinen Geschwister geplündert haben und in lustigen Outfits experimentelle Musik machen. Bei den ersten drei Songs ist das durchaus noch unterhaltsam, danach wird die Sache aber eher schwerfällig und langweilig.

 

Patrick Wolf lässt sich ordentlich Zeit und zeigt sich erst nach über 45 Minuten Pause. Das Warten hat sich aber allemal gewohnt. Mit enger schwarzer Hose, hohen Reiterstiefeln, weißem Hemd und schwarzem Gehrock stolziert der Engländer auf die Bühne. Patrick Wolf gibt den Dandy und inszeniert seine Show wie ein vergessenes Drama von Oscar Wilde.

 

Am Anfang stehen ruhigere Songs wie Blue Bells oder Libertine, die Wolf mit großen Gesten unterstreicht. Mühelos wechselnd zwischen Geige, Keyboard und Gitarre gibt er das verkannte Wunderkind, das seinem Weltschmerz durch die Musik Ausdruck verleiht. Die Songs werden im Verlauf des Konzerts immer härter und rockiger, während Patrick Wolf sich nacheinander diverser Kleidungsstücke entledigt, bis er schließlich nach Battle mit weit geöffnetem Hemd die Bühne verlässt.

 

Nach einem ausgiebigen Instrumentalteil kehrt der Sänger im goldenen Flash-Gordon-Outfit zurück und scheint plötzlich wie ausgewechselt. Mit dem strengen Anzug scheint er auch seine distanzierte Kühle abgelegt zu haben. Patrick Wolf scheint plötzlich in Redelaune, lässt sich sogar mit einer Zuschauerin in eine kleine Diskussion über England und Europa ein. Doch während er beim Singen selbstsicher und unnahbar wirkt, erscheint er im Gespräch mit dem Publikum nahezu schüchtern, streicht sich ständig durch die Haare und zupft an seinem etwas widerspenstigen Kostüm.Mehrfach bedankt er sich beim Publikum und erklärt seine Liebe zu Deutschland und speziell München. Besonders das Oktoberfest hat es ihm angetan: "Leder und Bier - das ist doch fantastisch!"

 

Musikalisch geht es weiter mit The Bachelor und Hard Times vom aktuellen Album. Die im ersten Showteil dominante Melancholie ist nun gänzlich abgelegt, Patrick Wolf gefällt sich in der Rolle des androgynen Rockers. Seine Perfomance wird zunehmend expliziter und er ergeht sich in sexuellen Andeutungen. Trotz eines mehr als anzüglichen Exkurses zum Thema "Würstchen" betont er stets: "Mehr Sex gibt es hier heute nicht!" Nach Magic Position, dem "wirklich letzten letzten Song heute" verabschiedet sich Patrick Wolf noch einmal mit großen Dankesworten vom begeisterten Münchner Publikum.

 

Doch dieses hat noch lang nicht genug. Nach minutenlangem Applaus erscheint die Band also wieder auf der Bühne. Patrick Wolf hat den goldenen Glitzeranzug gegen knappe weiße Shorts mit schwarzem T-Shirt eingetauscht. Als Zugabe gibt es Bloodbeat und Vulture zu hören. Letzteres gipfelt in einer In-Promptu-Version von Madonnas Like A Virgin, zu der Patrick Wolf schließlich auch noch sein weißes Höschen fallen lässt und seinem Ruf als Provokateur somit völlig gerecht wird. Er singt den Song in einem schwarzen Lederslip zu Ende, der vor allem auf der Hinterseite mehr zeigt als verhüllt, und verschwindet  dann endgültig von der Bühne. Mehr Sex gibt es hier heute wirklich nicht. Bettina Koch

 

(04.10.09)

 




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