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The Felice Brothers: München
Friday, 16 October 2009 15:50
felicebrothers_muenchen.jpg„Wo ist jetzt der Dicke mit der Quetschkommodn?", will einer der eng zusammengedrängten Besucher im seit über einem Monat ausverkauften Atomic Café wissen, während die Felice Brothers sich auf der Bühne formieren. Es ist das deutsche Tour-Debüt der Folkbrüder aus Upstate New York, auch wenn sie sich bereits 2007 beim 5. Bavarian Open Festival im Funkhaus des BR dem Münchner Publikum empfohlen.

Vielleicht auch deshalb ist die Erwartungshaltung schon recht eindeutig: Man freut sich, die raubeinigen, bärtigen Hinterwälder zu erleben, wie sie mal so richtig einen drauf machen mit jeder Menge Geklampfe, Gefiedel und Whiskey auf der Bühne. Und soviel sei verraten, die Brüder Ian und James (der mit der Quetschkommodn) und ihre Mitstreiter Christmas und Greg tun dem enthusiastischen Atomic-Publikum, das an diesem Abend augenscheinlich über dem Altersdurchschnitt von 30 liegt, den Gefallen und bringen beispielsweise ihren Saufklassiker Whiskey In My Whiskey, der dem Publikum der vorherigen Konzerte in Berlin und Köln vorenthalten blieb.

Überhaupt kommt das Konzert dank älterer Songs wie Murder By Mistletoe, Love Me Tenderly und Greatest Show On Earth schon mal gut in Schwung. Doch die Felice Brothers können auch anders: „Wir spielen viel lauter als früher, wir haben nämlich neue Gitarren und Amps", sagte James zuvor im Interview mit Laxmag. Akustikgitarren sind von der Bühne verbannt, James holt häufig breite Orgel- und Piano-Sounds aus seinem Nord-Keyboard und David Turbeville, der Simone Felice nach dessen Ausstieg am Schlagzeug ersetzte, liefert einen dichteren, wuchtigeren Schlagzeugsound.

Bei den Songs des aktuellen Albums Yonder Is The Clock kommt dies zur Geltung, so bei Chicken Wire und andererseits auch beim elegischen Cooperstown, das Ian zunächst ganz allein auf der Bühne eröffnet, sich über das Mikrophon gekrümmt in freien Assoziationen von einem Gospelgottesdienst im Georgia der Jahrhundertwende bis zu Ty Cobb, Detroits Baseballlegende der 20er Jahre, und zur in der titelgebenden Stadt ansässige Baseball Hall Of Fame hangelt, während er aus seiner halbakustischen Gitarre tiefe, bebende Tremolotöne (die neuen Amps machens möglich) holt, bevor nach und nach die ganze Band einsteigt.

Das Publikum will mehr vom neuen Album hören und fordert Run Chicken Run. „Scheiß auf das neue Album", tönt es dagegen, und die Band scheint den Rat zu beherzigen, zelebriert mit großer Publikumsunterstützung erst mal Felice-Brothers-Klassiker wie Frankie's Gun und Take This Bread. Vor allem Fiddle- und Washboard-Spieler Greg bemüht sich um Publikumsinteraktion und das im authentischen Hip-Hop-Gestus komplett mit New-York-Yankees-Cap und Goldkettchen, was dem biederen Folkpuristen sauer aufstoßen mag. Mit Roll On Arte beschließt die Band das Set und schmettert als Zugabe schließlich Run Chicken Run. So bekommt am Ende doch noch jeder die Felice Brothers, die er gern hätte. (Christian Schober)

(15.10.09)

 




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