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Muse: München
Saturday, 21 November 2009 18:21

muse.jpgGigantisch, gigantischer, Muse. Mit ihrem aktuellen Album The Resistance haben Matt Bellamy und Co. bereits Mut zum Größenwahn bewiesen. Mit einer Tour in den größten Hallen Europas wollten Muse noch ein paar Superlative drauflegen. Doch lässt sich ein derart ambitioniertes Projekt tatsächlich umsetzen? Tina und Itje berichten von der Muse-Megalomanie in der Münchner Olympiahalle.

Keiner weiß mehr so genau, wann Muse sich selbst uneinholbar überholt haben und plötzlich vom jahrelangen Geheimtipp für anspruchsvolle Musikfans zu Stadion-Ausverkäufern geworden sind. Verglichen mit den Mega-Shows, die Muse in ihrer englischen Heimat spielen, findet der Auftritt in der mit über 12.000 Besuchern ausverkauften Olympiahalle schon fast im kleinen Rahmen statt.

Die angekündigte gigantische Bühnenkonstruktion wirkt auf den ersten Blick eher unspektakulär. Vor drei an Wolkenkratzer erinnernden Türmen mühen sich Biffy Clyro eine halbe Stunde vor dem angekündigten Veranstaltungsbeginn ab, das leider ziemlich desinteressierte Publikum von ihrem neuen Album Only Revolutions zu überzeugen.

Nach über 45 Minuten Umbaupause ist die Spannung in der Arena greifbar, als endlich das Licht ausgeht und das Intro eingespielt wird. Plötzlich verwandeln sich die drei Bühnentürme per Lichtprojektion in Hochhäuser, in denen Menschen ununterbrochen die Treppen nach oben laufen. Zu den ersten Klängen von Uprising teilen sich die Türme plötzlich entzwei, und die Band steht meterhoch über dem Publikum. Während das Publikum bereits völlig ausrastet, lenkt Matt Bellamy amüsiert mit einem Spiegel am Mikroständer grüne Laserstrahlen durch die Halle.

Was in den nächsten 90 Minuten folgt, ist ein Licht- und Effektspektakel, bei dem jedes einzelne Blinken einer LED sekundenbruchteilgenau auf jede Note abgestimmt wird, die auf der Bühne angestimmt wird. Sensationelle Video- und Laserprojektionen sorgen im Publikum immer wieder für ehrfürchtiges Staunen. Mal steht die Band auf den Türmen, mal steht sie unten auf der Bühne, mal dreht sich das Schlagzeug eine Runde im Kreis, um auch den Fans auf den Plätzen hinter der Bühne gute Sicht zu gewähren. Einen kitschigen Höhepunkt bildet United States Of Eurasia, bei dem Matt Bellamy am pink illuminierten Flügel auf dem linken Bühnenturm thront.

Die Band ist genauso exakt durchstrukturiert wie die Bühnenshow. Jeder Ton sitzt vollendet, und Matt Bellamy ist ganz außerordentlich gut bei Stimme. Trotz aller gigantomanischen Perfektion scheinen die drei Herren sogar noch wirklich Spaß an der Show zu haben. Zumindest gibt es mit "Hello Munich, how are you doing?" und "Thank you very much!" gleich doppelt so viele Ansagen wie sonst bei einem Muse-Konzert üblich.

The Resistance hat dieses Jahr die Musikwelt gespalten wie selten ein Album. Fans der Platte kommen an diesem Abend voll auf ihre Kosten, für alle anderen hätte es gern auch ein bisschen weniger sein können. Immerhin 6 von 18 Songs stammen vom aktuellen Album, dazu noch eine Coverversion (Feeling Good) und die beeindruckende Instrumentalnummer Helsinki Jam - da bleibt nur noch Platz für ein vorhersehbares Best-of-Programm. Überraschungen musikalischer Art gibt es an diesem Abend leider keine. Schade, denn die Spielzeit fällt nicht übermäßig lang aus. Da hätte der eine oder andere Song aus der Anfangszeit der Band durchaus noch in die Setlist integriert werden können. Stattdessen verlassen Muse nach Unnatural Selection bereits nach 75 Minuten erstmals die Bühne. Die Olympiahalle bebt unter Applaus und Getrampel, bis die Band zurückkehrt und Exogenesis: Symphony Part I anstimmt. Sie werden doch nicht etwa...?!

Nein, Muse sehen davon ab, die Symphonie von The Resistance in ihrer vollen Länge mit allen drei Teilen zu spielen, sondern beenden das Konzert wenig überraschend mit Stockholm Syndrome und Knights Of Cydonia. Ein besseres Finale für ihre überwältigende Live-Inszenierung hätten Muse aber auch nicht wählen können. Noch einmal breitet sich kollektive Gänsehaut in der Olympiahalle aus, noch einmal starren alle gebannt auf die Bühne, noch einmal liegen sich die Fans glücklich in den Armen. Bleibt nur die Frage: Wie wollen Muse das noch jemals übertreffen? Bettina Koch (Text)/Itje Kleinert (Fotos)


20.11.09




Blind?
Museterknabe 2009-11-23 13:28:26

Sorry, aber bei "United States..." war Matt -wie auch sonst- mitsamt
Flügel (welcher übrigens blau illuminiert war) auf dem linken Turm ansässig.
In der Mitte war immer das Schlagzeug.

Nicht, dass es wirklich
ausschlaggebend ist, aber so könnten Unbedarfte den Eindruck gewinnen, dass der
Autor des Artikels u.U. gar nicht persönlich bei dem Event zugegen war...
Sabbel 2009-11-23 14:09:20

Nenn mich naiv, aber wenn ich die Bilder sehe, denke ich schon, dass die
Autorinnen selbst vor Ort waren... Photoshop in Ehren, aber det glaub ich dann
doch nicht. ;-))

Danke übrigens fürs schöne Stimmung-rüberbringen! Schwebe
seit dem Konzert immernoch in himmlischen Höhen...
Nicht ganz blind :)
bkoch 2009-11-23 19:25:11

Du hast natürlich recht, in der Mitte war das Schlagzeug. Vielen Dank für den
Hinweis - ist schon korrigiert. Die vielen Farbnuancen zwischen pink, lila und
blau werden aber wohl von jedem unterschiedlich wahrgenommen.
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