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The Paddingtons: München
Saturday, 28 November 2009 17:58

thepaddingtons.jpgSeltsam deplatziert wirkt der legendäre Glitzervorhang auf der Bühne des Münchner Atomic Café an diesem Abend. Stehen heute doch ausnahmsweise mal keine aufstrebenden Indie- oder Elektro-Kids vor den wohl berühmtesten Silberfäden der alternativen Musikwelt, sondern The Paddingtons.

Drei Jahre ist es her, seit die Jungs aus Hull zum letzten Mal in München zu Gast waren. Heute steht die Band, die fast genauso oft Flüge verpasst wie ihr guter Kumpel Pete Doherty, sogar mal komplett auf der Bühne. Ebenso offensichtlich wie die Vollständigkeit der Bandmitglieder ist die Tatsache, dass die Herren vor ihrem Auftritt bereits reichlich von stimmungsfördernden Mitteln unbekannter Art Gebrauch gemacht haben. Die Band ist in der Tat schon etwas Worse For Wear.

Allerdings wäre Punk nicht Punk, wenn es um exakt gespielte Noten ginge. The Paddingtons sind nach München gekommen, um daran zu erinnern, dass England uns nicht nur Oasis und die Arctic Monkeys beschert hat, sondern auch die Sex Pistols und The Clash. Hier wird nicht imagefördernd auf die Schuhe gestarrt, hier werden keine sorgsam gewählten Designerklamotten als Teil eines modisch-musikalischen Gesamtkonzepts zur Schau getragen.

Stattdessen fetzen The Paddingtons ohne Rücksicht auf Verluste über die kleine Bühne und bereiten dem Roadie, der ständig damit beschäftigt ist, Mikrofone und Kabel wieder auszurichten und einzusammeln, sicher keine leichte Zeit.  Die unbändige Energie der Band überträgt sich sofort auf das Publikum, das zu altbekannten Titeln wie Some Old Girl oder First Comes First tobt, als gäbe es kein Morgen. Doch auch die vorgestellten Songs der Anfang 2010 erscheinenden neuen EP saugen die Fans nach langer Paddingtons-Abstinenz so gierig auf wie ein Blumengarten das erste Regenwasser nach Monaten der Dürre.

Gelegentlich übertreiben es The Paddingtons mit dem betont lässigen Punk-Gestus jedoch. Die Verbeugung in Richtung Johnny Rotten und Sid Vicious ist mitunter so tief, dass die Show leicht aufgesetzt wirkt. Auch Punkrocker sind wohl nicht ganz frei vom Wunsch nach einem ordentlich gepflegten Image.

Natürlich bleibt da auch die klassische Bühnen-Invasion beim letzten Song nicht aus. Die Luft hängt voll Schweiß, Bier und Testosteron, und Sänger Tom Atkin wird schließlich über den Köpfen seiner Fans von der Bühne getragen. That's Rock'n'Roll! Text: Bettina Koch/Fotos: Itje Kleinert

27.11.09

 

Bilder: The Paddingtons

 

 

Bilder: Johann van der Smut




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