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Bernd Begemann: München
Wednesday, 19 September 2007 14:45

berndbegemann

„Macht Lärm, macht Lärm!“, so ging es wieder los. So geht es immer los, wenn Bernd Begemann nach München kommt. Der Export aus Bad Salzuflen bewies seine Entertainer-Qualitäten, dass sein Liedgut originell ist und er wie ein überdrehtes Stofftier über die Bühne rauschen kann.

 

 

Die anwesenden Indie-Kids ab 1987 erlebten im Atomic Café einen Abend in zwei Akten. Konzerte mit Bernd Begemann sind nämlich nicht nur Konzerte. Seine Auftritte dauern selten kürzer als drei Stunden. In der viertelstündigen Unterbrechung wechselte er diesmal nicht nur die verschwitzte Oberbekleidung, sondern auch das Programm.

 

Eingangs spielten Bernd Begemann & Die Befreiung Solange die Rasenmäher singen, eine Platte aus dem Jahr 1994. Ein Amuse-Gueule, das auf den Unterhaltungsteil hinleitete, den Teil eben, den der bierseelige Mob, den der BWLer in uns erwartet. Ein Album am Stück: Warum wir das tun? Weil wir es können. Zusammen mit den Rasenmähern geht man auf einen aufreibenden Weg von einem Jüngling zu einem jungen Mann, einem Weg, auf dem es einiges an Liebesweh und gebrochenen Herzen zu verschmerzen gilt. Los geht es in der Zeit, als sie, das Mädchen, niemals stehen blieb. Station wird dort gemacht, wo ein Kumpel kaum mehr Zeit hat, weil er jetzt ein Mächen hat, das ihn zwar nicht glücklich macht, ihn aber nie wegstößt. Zum Abschluss das glückliche Ende: „Und unser ganzes Leben lang werden wir tanzen".

 

Der Rest des Abends wechselte auf eine andere Spur. Bernd Begemann: Zotenreißer, Clown, sowie Mädchenliedermacher. „Wollt ihr eure Lieblingslieder eurer Lieblingsband hören? Dann gehen wir jetzt." Und er sang sie doch. Miss Juni fragte er, was sie wohl im Dezember vor habe und forderte Judith auf, ihren Abschluss zu machen. Denn: Sicher ist sicher. Dazwischen immer wieder launiges Geplänkel unter Bandkollegen: „Ich hätte gerne eine Orangina, was nimmst du Kai?" „Ich nehme eine Apfelschorle." „Kannst du nicht einmal nehmen, was ich nehme?!"

 

Aus dem Publikum wird immer wird lauthals gefordert, Bernd Begemann solle sich ausziehen. „Das mache ich nicht mehr, ich verkaufe meinen Körper nicht mehr so schnell an junge Männer. Man bekommt dafür auch heute weniger als früher." In München bekommt man noch mehr, heißt es aus dem Publikum. „Sagen wir es so, ich bin ja auch mehr" antwortet er und man weiß sofort, was er damit meint: Seine nicht unbeachtliche Plautze, die ihn schon zu einer neuen Form der Begrüßung hat kommen lassen, zwei aneinander reibende Bäuche, dem Baucheln. Vielleicht ja bald mal wieder baucheln mit Bernd Begemann - wäre nett. (Florian Zick)


(17.09.2007)




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