| Brett Anderson: München |
| Wednesday, 03 February 2010 22:41 | |||
Ganz allein steht Brett Anderson am vordersten Rand der Bühne, ohne Begleitung, ja sogar ohne Mikrofon singt er die ersten Zeilen von Scarecrows And Lilacs. Andächtige Stille herrscht im Atomic Café, und das Publikum hängt gebannt an den Lippen des Sängers, der mit dieser Zugabe einen krönenden Abschluss unter ein Konzert setzt, das bei unserer Redakteurin Tina auch am nächsten Tag noch für einen seltsam verklärten Blick sorgt.
Grau und braun ist das Cover von Brett Andersons aktuellem Album Slow Attack, grau und braun wie der knöcheltiefe Schneematsch, durch den die Fans an diesem Februartag zum Konzert gewatet sind. Fast möchte man meinen, die Tournee wurde absichtlich in eine der scheußlichsten Zeiten des Jahres verlegt, weil die Schwaden der Melancholie, die Andersons Musik durchziehen, sich so wunderbar mit den Nebelschwaden ergänzen, die das Aufstehen im Moment jeden Morgen so unendlich schwer machen. Er wollte die Worte diesmal anders nutzen, Gefühle und Inhalte nur andeuten und der Interpretation der Hörer überlassen, sagte Anderson zur Veröffentlichung seines dritten Solo-Albums. Auf der Bühne jedoch bringt der Sänger eine Bandbreite von Emotionen zum Ausdruck, die man bei jeder noch so talentierten Nachwuchsband vergeblich suchen wird. Schließlich hat Brett Anderson das A-Z des Rockstarseins in den letzten zwanzig Jahren gründlich durchgearbeitet. Mit Suede hat er 1989 eine der prägendsten und erfolgreichsten Bands der Britpop-Ära gegründet. Gegen Ende der Neunziger machten Suede dann vor allem durch Andersons Drogensucht und seine ambivalente Beziehung zu (Ex-)Gitarrist Bernard Butler Schlagzeilen, bis sich die Band 2003 nach dem kommerziellen Flop A New Morning schließlich auflöste. Jetzt steht Brett Anderson auf einer kleinen Club-Bühne, die in einem so drastischen Kontrast zu seinen großen Gesten zu stehen scheint. Das Spiel mit der Androgynität aus Suede-Tagen hat Anderson freilich inzwischen aufgegeben, doch auch mit Anfang 40 zieht der Mann, dem einst Damon Albarn die Freundin ausspannte, das Publikum mühelos in seinen Bann. Brett Anderson bedient sich dabei keiner großen Theatralik - es sind Blicke nur, kurze, präzise Bewegungen und unterstreichende Handbewegungen, die den Zauber seiner Musik ins schier Unendliche potenzieren. Anderson strahlt noch immer die Aura des Rockstars aus, der - stets ein wenig arrogant und distanziert - damit rechnen kann, dass das Publikum ihm selbstverständlich aus der Hand frisst. Dennoch zeigt der Sänger sich in diesem intimen Rahmen erstaunlich nahbar, lächelt, bedankt sich auf Deutsch und reagiert sogar auf Zwischenrufe. Rufe nach Suede-Songs bleiben an diesem Abend überraschenderweise tatsächlich aus. Das Publikum ist gekommen, um Brett Anderson zu sehen, und nicht, um einer längst vergangenen Zeit nachzutrauern. Den Schwerpunkt seiner Setlist hat Anderson auf Songs von Slow Attack gelegt. Sein erstes Solo-Album aus dem Jahre 2007 ist sogar nur mit To The Winter und der Single Love Is Dead vertreten, die erst weit gegen Ende des Konzerts präsentiert wird. Die auf CD mitunter üppig instrumentierten neuen Songs funktionieren erstaunlich gut in der reduzierten Bühnefassung, denn Anderson wird live lediglich von Schlagzeug, Keyboard, Gitarre und Bass unterstützt. Die Bass-Saiten zupft übrigens Didz Hammond, der ansonsten seine Brötchen bei Dirty Pretty Things verdient. Die Songs leben durch Brett Andersons durchdringender Stimme, mit der er innerhalb von zwei Minuten die gesamte Gefühlswelt von tiefer Traurigkeit bis hin zu unbeschwerter Freude hervorrufen kann. Obwohl seine Musik stets von einer sanften Schwermut geprägt ist, schafft es der Sänger, mit seinen Liedern den kleinen Club zu einem Ort der Zuversicht und Geborgenheit zu machen. Er hüllt sein Publikum ein in einen schützenden Kokon aus ehrlichen Gefühlen, menschlicher Wärme und tröstenden Klängen. Und so möchte man am Ende des Abends lieber für immer Brett Anderson auf seinen Frozen Roads folgen, als jemals wieder einen Fuß nach draußen in den graubraunen Schneematsch zu setzen.Text: Bettina Koch/Fotos: Itje Kleinert 02.02.10
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...