| Arctic Monkeys: München |
| Tuesday, 09 February 2010 01:07 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vieles ist bei den Arctic Monkeys gewachsen seit ihrem letzten Besuch in München: die Fanzahlen, die Hallen, und nicht zuletzt die Haare. Nur die Band ist bei all dem Trubel zwischen Brit Awards, Grammy-Nominierungen und riesigen Festivalshows nicht so richtig mitgewachsen. Auf der großen Bühne des nicht ganz ausverkauften Zenith bewegen sich die Vier wie im heimischen Proberaum und scheinen froh zu sein, dass sie sich hinter ihren Instrumenten, Haaren und blendenden Scheinwerfern verstecken können.
Denn außer sehr viel buntem Licht gibt es bei den Arctic Monkeys heute nicht viel zu sehen. Vier Musiker stehen wie festgenagelt auf der Bühne und spielen unmotiviert ihre Songs. So lässt sich das wenig spektakuläre Geschehen in einem Satz zusammenfassen. Dabei wirken Alex, Jamie, Nick und Matt vor allem während der ersten Hälfte des Sets tatsächlich wie vier einzelne Musiker und kaum wie eine Band. Jeder steht auf seinem Fleck und spielt seinen Teil. Blickkontakt oder sonstige Interaktion gibt es weder untereinander noch mit dem Publikum. Jeder in der Band scheint einzig daran interessiert zu sein, innerhalb der nächsten knapp 90 Minuten sein Programm möglichst fehlerfrei und emotionslos abzuspulen. Dass das Konzert trotzdem keine langweilige Enttäuschung wird, ist vor allem den Fans zu verdanken, die trotz der distanzierten Darbietung jeden Ton abfeiern und von der ersten bis zur letzten Sekunde im Gegensatz zur Band alles geben. I Bet You Look Good On The Dancefloor hätte die Halle vermutlich ebenso zum Beben gebracht, wenn es in der Umbaupause als CD gelaufen wäre. Von der Energie des Publikums überträgt sich nur leider kein Quäntchen auf die Band, die die meiste Zeit des Abends auf ihre Schuhe starrt. Leider wirken sie damit jedoch überhaupt nicht cool, sondern immer noch wie ein Haufen verschüchterter Teenager, die man auf eine viel zu große Bühne geschickt hat. Lediglich Gitarrist Jamie Cook agiert streckenweise wie ein Musiker, der es gewohnt ist, regelmäßige Zehntausende Zuschauer in Begeisterungsstürme zu versetzen. Begeistern können die Arctic Monkeys heute Abend allein durch ihre Songs. Fakt ist nun mal, dass die Jungs einfach verdammt gute Songwriter sind, auch wenn sie sich jetzt in eine Richtung entwickelt haben, mit der nicht alle alten Fans glücklich sind. Mit ihrem aktuellen Album Humbug haben die Arctic Monkeys es letztes Jahr geschafft, bei diversen Polls sowohl in der Kategorie Bestes Album als auch Enttäuschendstes Album die vorderen Plätze zu belegen. Zugegebenermaßen sind es an diesem Abend jedoch vor allem die Songs des neuen Albums, die die dröge Performance der Band retten und ansatzweise für Spannung auf der Bühne sorgen. Man merkt der Band an, dass sie einen Weg eingeschlagen hat, den sie nun konsequent weiterverfolgen möchte. Zusammen in der Wüste mit Josh Homme haben die vier Jungs aus Sheffield die Abkehr von der Teenieband hin zu ernstzunehmenden Musikern geschafft. Die Arctic Monkeys haben sich neu definiert und präsentieren sich nun mit einem vielschichtigeren, schwereren Sound, der deutlich die Handschrift des QOTSA-Kopfes trägt. Live überzeugen Songs wie Crying Lightning oder Cornerstone durch atmosphärische Dichte. Doch auch hier wird durch das scheinbare Desinteresse der Band viel Potenzial verschenkt. Die Band schafft es einfach nicht, ihren Songs auf der Bühne neues Leben einzuhauchen. Zwar geht Alex Turner ab und zu mal einen Schritt auf Jamie Cook zu und lächelt ihn beim Gitarrespielen an, doch das ist allerdings auch schon das Höchstmaß an Emotion, das an diesem Abend geboten wird. Schade, denn auch wenn die Arctic Monkeys auf einen reichen Schatz an Songjuwelen schöpfen können, gehört zu einem guten Konzert eben doch ein bisschen mehr, als die eigenen Lieder mit starrem Blick exakt nachzuspielen. Während das Publikum im Zenith altes wie neues Material gleichermaßen enthusiastisch aufnimmt, scheint die Band selbst sich von Stücken ihres ersten Albums Whatever People Say I Am That's What I'm Not nahezu distanzieren zu wollen. Lieblos eingestreut wirken die Titel in der Setlist und wollen sich nicht so recht einfügen zwischen den vielen neuen Songs. Ebenso lieblos werden die Lieder dann dargeboten, wobei man sich vor allem bei Still Take You Home fragt, warum sie den Song denn überhaupt spielen, wenn sie doch so offensichtlich gar keine Lust darauf haben. Lediglich When The Sun Goes Down bildet hier eine positive Ausnahme, da Alex Turner hier erstmals wirklich Gefühl in seine so unverwechselbare Stimme legt und erahnen lässt, was die Arctic Monkeys aus ihren wunderbaren Songs live machen könnten, wenn sie sich doch ein bisschen mehr Mühe geben und etwas mehr Mut zeigen würden. So bleibt am Ende aber nur die Erinnerung an ein Konzert, das man sich als Live-DVD zum gemütlichen Einschlafen anschauen würde: Tolle Musik, aber wenn man nicht hinschaut, verpasst man auch nicht viel. Text: Bettina Koch/Fotos: Eva Deinert
08.02.10 Arctic Monkeys
Mystery Jets
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...