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Sportfreunde Stiller: München
Tuesday, 02 October 2007 01:25
Sportfreunde Stiller liveWas passiert, wenn die sportlichste Band Deutschlands in der nördlichsten Stadt Italiens Auftritt? Ganz klar, der Abend dreht sich um Fußball, Komplimente, Wellenreiten und das Heimatlied, das gerade in München eine besondere Bedeutung für Fans und Musiker hat. Und bei all den Schlachtrufen auf die beiden Stadtvereinen darf natürlich einer nicht fehlen: Mehmet Scholl - auch wenn er nur auf der Tribüne sitzt.

 

 

Die Sportfreunde Stiller. Am 1. Oktober gab´s ein Heimspiel in der Olympiahalle in München mit den Iren Ash als Support – wie schon bei der Tour vor drei Jahren. Wer schon mal auf einem Sporti-Konzert war, mag verstehen, weswegen aus einem üblichen Konzertbericht beinahe ein Tagebucheintrag wird. Es ist die plötzliche, freundschaftliche Bindung, die sich innerhalb von Sekunden zwischen Band und Publikum aufbaut. Alles Roger eben in einer fast ausverkauften Halle, in der zweieinhalb Stunden gesprungen wird, egal auf welchen Plätzen.

 

Vorausgesetzt die Jungs wollen es so, denn heute hört das Publikum auf ihr Kommando. Selbst wenn die Sportfreunde zu ihren ruhigeren Songs Weihnachtsstimmung wollen: 3... 2... 1... Früher waren es Feuerzeuge, heute zeichnen sich Handybildschirme und Kamerablitzen über den Köpfen einer von Deutschrock-Balladen berührten Masse hinweg. Ist es das, was die Sportfreunde Stiller von anderen Bands unterscheidet? Sie spielen den Abend über hauptsächlich Liebeslieder und dennoch werden Fussballhymnen gegröhlt, als wäre das Konzert die etwas andere After-Show-Party des Oktoberfestes.

 

„Flo, ich hab Angst“, meint Peter nach den ersten vier Liedern. Das ist verständlich, denn vor ihm türmt sich ein stetig wallender und bewegender Fleischberg auf, der zu 7 Tage, 7 Nächte und Heimatlied applaudiert, jubelt – nein, ausflippt. Zu beneiden ist die hüpfende Menge vor der Bühne um ihre eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Doch auch Sitzplätze sind heute Stehplätze und unter einer Moschus-Note, die vermeintlich von Mehmet Scholl auf dem Sitz direkt neben mir stammt, kann ich mich benebelt von der bayerischen Energie hinreißen lassen. Und von all dem Blödsinn, der während des Gigs abgefeuert wird. „Schlag bitte nicht mehr so stark zu, denn deine Muskeln fügen mir blaue Flecken zu und ich hasse die Farbe blau...“ Mit diesen Worten und einer zarten Melodie stichelt Frontmann Peter Schlagzeuger Flo zum üblichen Gefecht heraus: Bayern gegen 1860. Das zieht sich ab jetzt durch den Abend, soviel ist sicher. Aber das Spiel war zu erwarten, erst recht in Bayerns Hauptstadt.

 

Doch macht Blödelei am Arbeitsplatz auch unaufmerksam, weswegen Peter das 995er Tief über Island direkt mit der zweiten Strophe beginnt. Doch über das schaut man hinweg, fast wie von allein, fast wie von selbst. Die Stimmung bleibt. Für immer möchte man meinen und hört es auch von Peter singen in Mo(nu)ment. Zwei Lieder hintereinander, die beide an Immerwährendes appellieren. Ist das etwa die Angst davor, dass das Konzert auch irgendwann vorüber geht? Was fehlt denn noch?

 

Ein Kompliment, das Christoph von den Emil Bulls den Sportis macht, als er im Superman-Kostüm auf die Bühne stürmt. Er singt den Refrain, huldigt mit tiefen Verbeugungen den drei Hauptakteuren und schmeißt sich daraufhin ins Volk. Doch weine nicht, wenn der Regen fällt, denn ällabätsch, jetzt kommt Ich roque. Damit schließt sich der Kreis, die Sportfreunde gehen von der Bühne. Aber nicht, um sich zu verabschieden. Nach längerem Warten auf die Zugabe, weil „Rüde noch austreten musste“ (Peter), langen die Sportis in die Vollen.

 

Zusammengepfercht auf einem der beiden Bühnenpodeste wagen sie sich an Bob Marleys Redemption Song, von dem sie Wellen reitend auf die Gute Seite wechseln. Die Fussball-Seite nämlich mal wieder. Zu Ehren des frisch erworbenen Weltmeistertitel der deutschen Frauen gibt’s ´54, ´74, ´90 ... 2007. Allerdings instrumental, gesungen von den Menschen vor der Bühne. „Ich finde eure Stimmen viel schöner als meine. Danke!“ Gerne, Peter. Und Schluss zum Zweiten.


Was folgt sind zwei weitere Zugaben, prall gefüllt mit Stücken, die man eben auch noch hören will. Sieben Werke später das endgültige Finale: „Wir hoffen, es geht euch gut / Wir sind bei euch / Und singen für euch“. Mit Legenden setzen einem die Sportfreunde Stiller den nötigen Ohrwurm für den Heimweg in den Kopf. Wir haben zusammen geweint und gelacht, dumme Sachen gemacht, schön war´s. Danke, wir freuen uns auf´s nächste Mal. (Nina-Carissima Schönrock)


(01.10.2007)


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