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The Temper Trap: München
Wednesday, 03 March 2010 13:34

Dougy Mandagi von The Temper TrapThe Temper Trap sind wohl der heißeste Musik-Export, den Australien in den letzten Jahren zu bieten hatte. Die junge Band um den einstigen Straßenmusiker Dougy Mandagi erobert derzeit mit ihrem atmosphärischen und kraftvollen Gitarrensound im Höllentempo Europa und die USA. Am Dienstagabend gastierte sie im Münchner Atomic Café - und musste dabei einen Gang zurückschalten. Sara vom LAXMag weiß, warum.

Dougy Mandagi ist müde: "I'm so tired I can't even speak English!" witzelt der Frontmann, nachdem er sich bei einer Ansage ein wenig verhaspelt hat. Dabei klammert er sich ans Mikrofon, als fürchte er, gleich vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Das verwundert nicht, ist doch seine Band The Temper Trap seit Monaten schier ununterbrochen auf Tour durch Australien und Europa unterwegs. Es könnte kaum besser laufen für das Quartett aus Melbourne, das im letzten Jahr der Karriere willen nach London zog: Der Gig in München wurde wegen eines Auftritts bei den australischen ARIA-Awards vom November auf den März verschoben, die Clubs und Hallen sind allerorts ausverkauft - so auch das Atomic Café an diesem Abend - und die Songs finden sich auf Filmsoundtracks, in Werbespots und Computerspielen.

Das kostet natürlich Kraft, und so präsentieren The Temper Trap ihre energiegeladenen, ja mitreißenden, oft sphärischen Songs nicht so druckvoll, wie man es eigentlich erwartet hätte - und etwa beim Haldern Pop Festival im August letzten Jahres auch schon erlebt hat. Dies tut der Qualität ihrer Musik allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil, die vier Jungs - die sich für die Tour noch einen weiteren Gitarristen zur Unterstützung geholt haben - sind schon viel zu sehr Profis, um ein schlechtes Konzert zu spielen. Sie wissen lediglich mit ihren Kräften hauszuhalten. Und die Stücke des Debütalbums Conditions, von denen jedes einzelne einen Platz auf der Setlist hat, sind einfach viel zu gut, um nicht dennoch durch Mark und Bein zu gehen. Auch wenn es keine großen Überraschungen gibt: Fast jeder Ton klingt exakt wie auf Platte. Hierzu tragen auch die zahlreichen Streicher-Samples bei, die The Temper Trap für einen richtig guten Live-Sound eigentlich überhaupt nicht nötig hätten.

Ihr Können beweist die Band insbesondere beim fabelhaften Resurrection, das am Ende mit Drum Song in einen euphorischen Instrumental-Teil mündet. Hier drehen die Musiker - mit Frontmann Dougy an der Trommel - tatsächlich ein wenig auf und man merkt ihnen trotz aller Routine deutlich an, welche Freude sie an ihrem Tun haben. Die Single Sweet Disposition, die vom Publikum begeistert aufgenommen wird, wirkt dagegen fast etwas blass. Beeindruckend ist natürlich zu jeder Zeit die eindringliche und vielseitige Stimme von Dougy Mandagi, die sich in bemerkenswerte Höhen schrauben und jeder nur denkbaren Emotion Ausdruck verleihen kann. Überdeutlich wird dies beim ruhigen Soldier On, wo der ganze Raum gebannt an den Lippen des Sängers zu hängen scheint, der auf seinen Stimmbändern spielt wie andere auf einem Saxophon. Trotz Müdigkeit merkt man Dougy Mandagi an, wie sehr ihm seine Musik am Herzen liegt. Nach jedem Song gibt er Anweisungen ans Mischpult, stimmt seine Gitarre nach und bedankt sich immer wieder höflich und professionell beim Publikum fürs Kommen.

Beim letzten und besten Stück Science Of Fear passiert schließlich das, was man kaum noch für möglich gehalten hätte: Als hätten sie all ihre Kräfte für diesen Moment aufgespart, legen The Temper Trap plötzlich los, wie wenn es kein Morgen gäbe. Nun kommt die Band zum Vorschein, auf die man das ganze Konzert lang gewartet hat: Ekstatisch, euphorisch und energetisch verlieren sich die fünf völlig in ihrer grandiosen Musik. Sänger Dougie bewegt sich zuckend, schlangenartig und wie in Trance über die Bühne, wirft den Mikroständer um und singt sich schier die Seele aus dem Leib. Einen Song lang ist alles so, wie es eigentlich sein sollte. Viel zu schnell verabschiedet sich die Band. Allen voran der Frontmann: Völlig verschwitzt und sichtlich am Rande der Erschöpfung wandelt er wie ein Zombie von der Bühne - um vermutlich direkt in seine Schlafkoje zu fallen.

Dass sich dieses Tempo nicht über monatelange Mammut-Touren hinweg halten lässt, ist allzu verständlich. Deshalb kann man von The Temper Trap nicht mehr verlangen, als das, was sie abgeliefert haben: Ein sehr gutes Konzert von sehr guten Musikern mit sehr guten Songs. In den kommenden Monaten werden die Jungs um Dougy Mandagi erst die USA, dann England ausgiebig bespielen. Man kann nur hoffen, dass der jungen Band nicht vorzeitig die Luft ausgeht. Sara Haußleiter


(02.03.2010)




yay
tng 2010-03-03 22:34:47

großartig war's. freu mich auf ein wiedersehen und -hören.
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