Ohne silbernen Bühnenvorhang scheint in München einfach nichts mehr zu gehen. Das Glitzermodell aus dem Atomic Café ist längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, eine etwas elegantere Version bietet heute den Rahmen für die Bühne in der bestuhlten Muffathalle. Vor dem Vorhang: Ein Konzertflügel, ein Schlagzeug, ein Barhocker, eine Tasse Tee - und Marc Almond.
Zu seinem 30jährigen Bühnenjubiläum belohnt der englische Ausnahmekünstler sich selbst und sein Publikum mit einer fulminanten Varieté-Show. Die Bühnendeko erinnert tatsächlich an ein französisches Cabaret - einschließlich Samtlampenschirm mit Perlenfransen. Marc Almond gibt charmant im dunklen Anzug den Conferencier, wobei das lässige Satinhemd den Bauchansatz nicht ganz verdecken kann. Doch nicht nur der Sänger ist in den letzten drei Jahrzehnten älter geworden, auch das Publikum würde man zu großen Teilen eher beim Elternabend als in einer Konzerthalle erwarten.
Aber auch mit über fünfzig Jahren kann Marc Almond noch immer mühelos zeigen, warum er zu den ganz großen Künstlern des glamouröse Pop gehört. In knapp zwei Stunden nimmt er sein Publikum mit auf eine Zeitreise durch seine persönlichen Highlights aus dreißig Jahren Marc Almond. Neben altbekannten Hits wie Tears Run Rings und natürlich Something's Gotten Hold Of My Heart gibt es auch einige Titel von seinem im Juni erscheinenden neuen Album zu hören. Vor allem das melancholisch-sehnsüchtige Sandboy hinterlässt einen bleibenden Eindruck und lässt hoffen, dass der Sommer bald kommen möge.
Passend zum Bühnenkonzept trägt Marc Almond seine Songs in einer reduzierten Fassung vor. Die poppige Opulenz und kühle Ästhetik weicht sanften Ausflügen in Richtung Swing und Chanson, doch die neuen Kleider stehen den alten Klassikern ganz ausgezeichnet. Ohne große Worte, aber mit ausladenden Gesten und genug Charisma, um ein Stadion zu füllen, führt Marc Almond durch das Programm. Einen dramatischen Höhepunkt findet die Show mit der theatralischen Darbietung von The Devil OK, bei dem Almond das Publikum nahezu ausschließlich durch seine Mimik an die Geschichte fesselt und immer wieder zu atemlosen Staunen führt, bis der Song schließlich in einem furiosen Finale gipfelt.
„Ihr müsst nicht die ganze Zeit auf euren Sitzen kleben. Ihr dürft auch aufstehen und tanzen!", ermuntert Marc Almond die Zuhörer in der zweiten Hälfte der Show. Zunächst leisten die Fans der Aufforderung nur zögerlich Folge, doch nach einigen Minuten wird unter der Discokugel in der Muffathalle ausgelassen getanzt. Der Sound wird lauter, die Beats schneller und elektronischer, und zuguterletzt endet die Marc Almond-Revue dann doch mit dem wohl unvermeidlichen Tainted Love. Und selbst wenn diesen Song eigentlich keiner mehr hören kann - am allerwenigsten vermutlich Marc Almond selbst - bildet er doch einen krönenden Abschluss für ein außergewöhnliches Konzert, das hoffentlich nicht erst zum 60jährigen Bühnenjubiläum wiederholt werden wird. Bettina Koch
08.03.10
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...