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Marc Almond: München
Tuesday, 09 March 2010 00:36
marcalmond_muffat.jpgOhne silbernen Bühnenvorhang scheint in München einfach nichts mehr zu gehen. Das Glitzermodell aus dem Atomic Café ist längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, eine etwas elegantere Version bietet heute den Rahmen für die Bühne in der bestuhlten Muffathalle. Vor dem Vorhang: Ein Konzertflügel, ein Schlagzeug, ein Barhocker, eine Tasse Tee - und Marc Almond.

Zu seinem 30jährigen Bühnenjubiläum belohnt der englische Ausnahmekünstler sich selbst und sein Publikum mit einer fulminanten Varieté-Show. Die Bühnendeko erinnert tatsächlich an ein französisches Cabaret - einschließlich Samtlampenschirm mit Perlenfransen. Marc Almond gibt charmant im dunklen Anzug den Conferencier, wobei das lässige Satinhemd den Bauchansatz nicht ganz verdecken kann. Doch nicht nur der Sänger ist in den letzten drei Jahrzehnten älter geworden, auch das Publikum würde man zu großen Teilen eher beim Elternabend als in einer Konzerthalle erwarten.

Aber auch mit über fünfzig Jahren kann Marc Almond noch immer mühelos zeigen, warum er zu den ganz großen Künstlern des glamouröse Pop gehört. In knapp zwei Stunden nimmt er sein Publikum mit auf eine Zeitreise durch seine persönlichen Highlights aus dreißig Jahren Marc Almond. Neben altbekannten Hits wie Tears Run Rings und natürlich Something's Gotten Hold Of My Heart gibt es auch einige Titel von seinem im Juni erscheinenden neuen Album zu hören. Vor allem das melancholisch-sehnsüchtige Sandboy hinterlässt einen bleibenden Eindruck und lässt hoffen, dass der Sommer bald kommen möge.

Passend zum Bühnenkonzept trägt Marc Almond seine Songs in einer reduzierten Fassung vor. Die poppige Opulenz und kühle Ästhetik weicht sanften Ausflügen in Richtung Swing und Chanson, doch die neuen Kleider stehen den alten Klassikern ganz ausgezeichnet. Ohne große Worte, aber mit ausladenden Gesten und genug Charisma, um ein Stadion zu füllen, führt Marc Almond durch das Programm. Einen dramatischen Höhepunkt findet die Show mit der theatralischen Darbietung von The Devil OK, bei dem Almond das Publikum nahezu ausschließlich durch seine Mimik an die Geschichte fesselt und immer wieder zu atemlosen Staunen führt, bis der Song schließlich in einem furiosen Finale gipfelt.

„Ihr müsst nicht die ganze Zeit auf euren Sitzen kleben. Ihr dürft auch aufstehen und tanzen!", ermuntert Marc Almond die Zuhörer in der zweiten Hälfte der Show. Zunächst leisten die Fans der Aufforderung nur zögerlich Folge, doch nach einigen Minuten wird unter der Discokugel in der Muffathalle ausgelassen getanzt. Der Sound wird lauter, die Beats schneller und elektronischer, und zuguterletzt endet die Marc Almond-Revue dann doch mit dem wohl unvermeidlichen Tainted Love. Und selbst wenn diesen Song eigentlich keiner mehr hören kann - am allerwenigsten vermutlich Marc Almond selbst - bildet er doch einen krönenden Abschluss für ein außergewöhnliches Konzert, das hoffentlich nicht erst zum 60jährigen Bühnenjubiläum wiederholt werden wird. Bettina Koch


08.03.10




Marc Almond
Thomas 2010-03-09 13:09:59

Hübscher Artikel. Nur: "The Days Of Pearly Spencer" hab ich nicht
gehört. Bist Du sicher, dass er das gespielt hat??
Man sollte vielleicht noch
erwähnen, dass die Begleitband grandios war..........ob Cabaret/Vaudeville,
Synthie Pop oder Rock. Die Begleitung war klasse. Notiz am Rande. Almond hat
hier einige Persönlichkeiten der Brit-Szene zusammengeführt: u.a. Neal X an
der Gitarre (einst bei Sigue Sigue Sputnik) und den Drummwr der alten
Punk-Legende Ruts.
Insgesamt hat Almond, finde ich, die richtige Mischung aus
Hits und unbekannteren Songs gefunden
Days of Pearly Spencer
bkoch 2010-03-09 14:50:34

Hallo Thomas,

da hast du selbstverständlich recht: Days of Pearly Spencer hat
Marc nicht gespielt. Der Song lief, als ich gestern den Text geschrieben habe,
und prompt hat sich der Titel auch in meine Setlist geschlichen. :) Vielen Dank
für den Hinweis, ich hab's natürlich gleich korrigiert.
Tja...
IH 2010-03-09 14:04:16

Ich bin mir fast nicht sicher, ob wir auf demselben Konzert waren. Denn so
grandios konnte ich es leider nicht finden, schon gar nicht im Vergleich zum
letzten Soft-Cell-Revivalkonzert vor einigen Jahren, LEIDER!
Ich bin totaler
Fan, aber irgendwie sprang der Funke diesmal nicht so über... Die Technik war
nicht optimal, die Arrangements mittelmäßig, und seine Stimme in den Höhen
schwach. Auch die Reaktionen des Publikums fand ich insgesamt eher verhalten und
von ausgelassenem Tanzen keine Spur. Trotz allem bin ich sehr froh, auf dem
Konzert gewesen zu sein und bewundere seine Kraft und Begeisterung. Und dass man
ihm trotz allem, was war, sein Alter noch immer nicht ansieht!
Der
"Bauchansatz" war meiner Meinung nach übrigens ein Stützkorsett wegen
des schweren Unfalls!
Marc Almond
Loisi 2010-03-09 14:37:25

Ehrlich gesagt habe ich mir mehr erwartet - zumal Marc selbst letztes Jahr sein
30jähriges Bühnenjubiläum speziell angekündigt hat und die Zeitungen von
einer aufwendigen Jubiläumsshow schrieben, ging ich davon aus, es wäre eine
Darbietung im Cabaret-Stil mit Duettpartner/n und oder Tänzern. Als der
Auftritt dem im letzten Jahr ziemlich nahe kam (nämlich mit seiner bekannten
Band ohne irgendwelche Extras - dafür bestuhlt und teuerer) war ich etwas
enttäuscht, auch weil Marc im Vergleich zu sonst nicht sonderlich kommunikativ
war. Das Medley am Schluss klang total übersteuert - zumindest war es in den
vorderen Reihen für die Ohren nicht besonders angenehm. Traurig fand ich auch,
dass sich Marc nicht mal kurz Zeit genommen hat für seine Fans, welche
stattdessen von seinem Drummer abgewimmelt wurden (von wegen Marc wäre schon im
Taxi weggefahren). Das ist schlechter Stil!
30 Jahre in jeder Hinsicht!
Melancholy rose 2010-03-09 20:08:47

Hallo Loisi,

Nur so eine Frage, bist Du zufällig aus Ingolstadt und auf
Platz 20 in der ersten Reihe gesessen ? Dann haben wir mein Gatte und ich (
Österreich! ) eure Platznachbarn gemimt, würden uns riesig freuen von Dir zu
hören!
Zum Thema Marc Almond-Concert: Nach 30 Jahren Fanschaft kennt man
seinen " Helden" recht gut, hab keineswegs " nur " mit einem
bombastischen Jubiläumskonzert gerechnet, allerdings auch nicht damit, daß im
Vergleich zum letzten Münchenkonzert 2009, das wirklich sehr intim, herzlich
und großartig war, eine derartige Diskrepanz herrschte, was vor allem auf eines
zurückzuführen ist, daß Marc dieses Jahr fast zur Gänze auf Publikumskontakt
verzichten mußte(sowohl verbal, also keine netten Scherzchen und Plauderstunden
- als auch vor allem körperlichen, auf shakehands hat man leider vergeblich
gewartet)Den Grund dafür kann man fürchte ich dem Sänger nicht anlasten,
Fortsetzung 30 Jahre in jeder Hinsicht
Melancholy rose 2010-03-09 20:16:02

... Den Grund dafür kann man dem Sänger nicht anlasten, da er bestimmt nicht
umsonst die Bühne kurz verlassen hat(körperliche?psychische? Probleme).In
diesem Sinne würde ich sagen, hat er wahre Größe bewiesen,das Konzert dennoch
zu Ende zu bringen.Einige Hightlights waren in jedem Fall dabei-leider nicht
Marcs herzlicher Charme und Witz.(walter.klement@aon.at)
Komplette Band
Lona 2010-03-11 10:24:04

Wir waren gestern in Berlin bei Marc Almond. Kann eventuell jemand das line up
komplett benennen? Neal X an der Gitarre ist klar, aber wer noch
namentlich?

Besten Dank im voraus und Grüße aus Berlin. Das Konzert war
super1
Beyond Belief 2010-03-31 23:55:18

... das Line-up: Carl Holt am Bass, Dave Ruffy an den Drums, Martin Watkins am
Piano und wie erwähnt Neal X an der Gitarre :)
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