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I Am Kloot: München 2010
Wednesday, 24 March 2010 14:42
Meister der Melancholie: John Bramwell / I Am KlootI Am Kloot gastierten am Dienstag im Münchner 59:1 und luden ihre Zuhörer auf eine Reise durch die eigene Bandgeschichte und die weitverzweigte Welt emotionaler Abgründe ein. Sara vom LAXMag war mit an Bord.

Vor dem 59:1 prangen die "Ausverkauft"-Schilder und sorgen für einige verdutzte Gesichter. Schließlich spielt hier heute nicht der neueste heiße Scheiß, keine junge und hippe Elektro-Band, sondern I Am Kloot - drei Herren um die 40 und mit über 10 Jahren Bandgeschichte auf dem Buckel. Und die betouren nicht einmal ein reguläres Album, sondern die Compilation B aus dem letzten Jahr, auf der sich eine Sammlung rarer und unveröffentlichter Tracks der Band aus Manchester findet. Trotzdem soll sich der Konzertbesuch für die zahlreichen Zuhörer, die sich erwartungsvoll um die Bühne im 59:1 drängen, mehr als lohnen.

Gegen halb zehn betreten I Am Kloot zu einem pathetisch-selbstironischen Intro die Bühne und eröffnen ihr Set gleich mit dem Klassiker From Your Favourite Sky. Im Publikum ist der eine oder andere selbstverlorene Seufzer zu hören, man sieht andächtig geschlossene Augen und hier und da kullern auch die Tränchen. Kein Wunder - die melancholischen und tiefgründigen Songs von I Am Kloot treffen vom ersten Ton an genau dahin, wo es am meisten wehtut. Darin sind die drei Engländer Meister, das ist ihr Metier, und für nichts anderes sind sie hier. Und als Sänger John Bramwell - wie schon beim letzten Gig - erklären will, dass die meisten Songs sich immer noch um "disaster" drehen, wird ihm das Wort aus dem geneigten Publikum schon entgegengeschleudert. Das ist es eben, was man von I Am Kloot hören will.

Im Mittelpunkt steht stets die eindringliche, emotionsgeladene Stimme John Bramwells, meist getragen von akustischer Gitarre. Doch die beiden anderen Bandmitglieder rücken dagegen nicht in der Hintergrund, sondern beweisen vielmehr, dass I Am Kloot - trotz zahlreicher Soloeskapaden des Sängers - am besten als Band funktionieren. Peter Jobson am Bass, sicher einer der besseren Bassisten dieser Tage, und Andy Hargreaves an den Drums erzeugen mit sicherem Gespür für die wichtigen Details genau den reduzierten und gleichzeitig eindrucksvollen Klangteppich, den die Songs von I Am Kloot benötigen. Live klingt das sogar noch um einiges runder und auch grooviger als auf Platte.

Die Setlist lässt erahnen, dass I Am Kloot bei der Zusammenstellung der Compilation B eine kleine Reise durch die eigene Geschichte unternommen haben. "This is an old song we never played live. We have no idea why, it's fucking brilliant." - so kündigt John Bramwell etwa das in der Tat großartige Sold As Seen an. Auch vom Erstling Natural History finden sich zahlreiche Stücke im Set, wie etwa Storm Warning oder das wirklich zauberhaft schöne und getragene Because. Da hat es sich doch gelohnt, etwas in der eigenen Vergangenheit zu wühlen. Eine große Stärke von I Am Kloot sind außerdem Songs wie Twist und das sehr alte This House Is Haunted, die tatsächlich ziemlich boshaft klingen und ihre ganz eigene, faszinierende Dynamik entfalten. Daneben präsentiert die Band auch ein paar Stücke vom bald erscheinenden Album The Sky At Night, die doch Großes erahnen lassen.

Mit To You als Zugabe beendet die Band schließlich ihre Reise durch die Abgründe menschlicher Emotionen. "This song is dedicated to you, and it's called To You!" - mit dieser charmanten Ansage dürfte John Bramwell auch die letzten noch zu holenden Sympathiepunkte für sich verbucht haben. I Am Kloot sind nicht jung, nicht schön, und schon gar nicht hip. I Am Kloot sind einfach nur ganz fantastische Musiker mit einem Talent für überragend gute und emotionale Songs. Und an diesem Abend haben sie einmal mehr verdeutlicht: Mehr braucht es für ein richtig gutes Konzert tatsächlich nicht. Sara Haußleiter


(23.03.1010)







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