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Yann Tiersen: München
Monday, 10 May 2010 18:02

Yann TiersenSonst kennt man ihn eher von etwas größeren Bühnen, doch am Sonntagabend hat sich Yann Tiersen mit Band im Atomic Café in München eingefunden. Den Auftakt zu diesen besonderen Abend machte die Band Lonski & Classen. Die beiden Berliner haben dem, was noch kommen sollte, perfekt den Weg geebnet. Mit ihren emotionalen Postrock-Melodien hatten sie den Großteil des Publikums schnell auf ihrer Seite.

Möglicherweise aber nur den Teil, der darauf gefasst war, dass Yann Tiersen keine Live-Darbietung des Amelie Soundtracks auf einer bunten Bühne aus einer Kinderzimmerwelt zum Besten geben würde. Schon beim Aufbau konnte man ein wenig erahnen was kommen könnte: Kein frankophiles, verschnörkeltes Dekor, sondern Totenköpfe, ein Schrein und Marienbilder.

Der französiche Komponist und Musiker, der vielen nur von berühmten Soundtracks, wie eben aus Die Zauberhaften Welt der Amelie oder Goodbye Lenin bekannt ist, hat in Wahrheit Rockwurzeln, zu denen er nun auch zurückgefunden hat.

Während vor dem Club die Wolken bedrohlich aufzogen, stürzte auch ein Klanggewitter auf das Publikum herab. Die Musik hat dort eine sehr intensive und dramatische Wand erzeugt, bei der von lieblichen Klaviermelodien keine Spur mehr war.

Über allem schwebte trotzdem wie gewohnt das zu Weilen sogar majästetische Melodiengewand Yann Tiersens, der trotz aller lauter Töne auch immer wieder die leisen Stellen richtig setzt. Mit wehmütigen Violinenklängen oder zartem Gitarrenspiel. Dadurch hat er ein wunderbares Gefühl des Mittreibens entstehen lassen.

Vielleicht lag es tatsächlich daran, dass die Dust Lane Tour eben nicht seiner Tätigkeit als Soundtrackgenie widerspiegelt und viele unvorbereitet auf das Konzert gingen, denn irgendwann meinte Yann Tiersen, dass das Publikum das leiseste Europas sei. Darauf bekam er eine Antwort eines französischen Fans, dass er nur mit "Fuck French" spaßeshalber beantwortet hat. Damit entlockte er den gespannten Zuhörern sogar den ein oder anderen Lacher. Ob der ganzen Theatralik vielleicht auch ein wenig notwendig. Mit diesem Auftritt hat der Franzose ein weiteres Mal bewiesen, wie facettenreich er ist und allen, die sich auch mit der etwas düsteren Seite von ihm anfreunden konnten, ein tolles Konzert gegeben. Florian Tenk




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