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Missent To Denmark: München
Friday, 14 May 2010 14:36
missenttodenmark.jpgVor knapp einem Monat begannen Missent To Denmark ihre Tour in München, heute kehren sie zurück und stehen zum Abschlusskonzert auf der Bühne des Ampere. Auf Konzerten in Frankfurt, Dresden, Leipzig und Nürnberg stellte das Quintett sein neues Album I Am Your Son vor.

Langsam zerreisst Cico ein Blatt Papier, lässt das knisternde Geräusch ins Mikro und schließlich in einen Loop fließen, auf dem er mit Xylosynth, diversenTasteninstrumenten und schließlich E-Gitarre seine entrückten Soundscapes aufschichtet. Was Cico hier mit seinem Soloprojekt joasihno zur Eröffnung des Sets demonstriert, ist auch das Prinzip, das die Band auszeichnet, in der er als Multiinstrumentalist fungiert: Missent To Denmark bauen ihre Songs auf den kleinsten Elementen, winzigsten Geräuschen, fast aus der Stille heraus auf: Aus ein paar trockenen Schlägen auf die Ränder der Drums, einer schrammeligen Ukulele im Dreivierteltakt oder drei stehenden klaren Pianoakkorden enstehen die Songs von I Am Your Son. Und dennoch bekommt jedes Stück Zeit, sich aufzuschaukeln und oft in unerwarteten dynamischen Höhen zu gipfeln.

In Songs wie dem Opener Guide Me & I'll Guide You lassen sich die Fünf hauptsächlich instrumental durch die oft ungeraden Taktmaße und komplexen Strukturen treiben. Die Stimme von Stephan fügt sich dabei ein wie ein weiteres Instrument, sticht aber - vor allem im Falsett - immer wieder klar aus der Vielzahl an Instrumenten hervor. In Songs wie Piece Of Gold, dem ersten Stück des aktuellen Albums, oder I Will Find You liefern seine Mitmusiker den gesanglichen Kontrapunkt, oft zwei- oder dreistimmig, und lassen so neben den rhythmisch schwebenden Stücken wie The Past oft auch klassische, runde Popsongs mit treibenden Achtel-Basslinien entstehen.

Bei Suicide Sunday erinnert sich Gitarrist Marcus an die Inspiration des Songs, ein verregneter Sonntagnachmittag, an dem die Band im Münchner Valentin Stüberl versumpfte, zur melancholischen Musik des DJs. Ob das Frustsaufen war, fragt Marcus. Aber Stephan korrigiert: Es war nur „die Freude, dass nicht immer alles knallen muss". So läufts auch mit der Musik von Missent To Denmark, die ihre Kraft aus einer erfüllten Melancholie und Ruhe zieht, aber trotzdem manchmal auch knallen darf. Wie spätestens zur Zugabe, als die Band zurück vor das Publikum im gut besuchten Ampere tritt - und das obwohl der letzte Auftritt der Band in München nur einen Monat zurückliegt - um ihr zweiteiliges Songepos We Lower Our Heads in allen dynamischen Höhen und Tiefen auszuloten. Und spätestens dann verneigen auch wir uns vor Missent To Denmark. Text: Christian Schober / Fotos: Sara Haußleiter


(13.05.10)





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