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CALLmeKAT: München
Wednesday, 19 May 2010 10:59

CALLmeCAT live in MünchenSeit einer Woche ist die Dänin Katrine Ottosen, oder einfach nur Kat, nun in Österreich, der Schweiz und Deutschland unterwegs. Heute Abend ist sie zum ersten Mal in München, doch da sich in der Roten Sonne nur etwa zwei Dutzend Zuschauer einfinden, imaginiert Kat das Konzert augenzwinkernd als eine Secret Show, für die nur wenige Gäste geladen sind.

Während die Songs auf ihren Alben bis ins Detail wunderschön ausgearbeitet sind und eine Vielzahl von akustischen und elektronischen Instrumenten enthalten, steht sie heute ganz allein auf der Bühne. Vor ihr ein paar schrullige Keyboards, großteils aus vergangenen Dekaden, sowie ein kleiner Plastikkasten, der bei etwa jedem zweiten Song einen holprigen Beat ausspucken darf.

Vom ersten Song an ist klar, dass CALLmeKat mit ihrer Instrumentenauswahl eine trashig verspielte Klangästhetik verfolgt, wie man sie bereits von CocoRosie und der Norwegerin Hanne Hukkelberg kennt. Besonders hoch ist ihr dabei anzurechnen, dass nichts vom Band kommt. Die begleitenden Basslinien spielt sie mühelos mit der linken Hand, während die rechte sprunghaft zwischen den übrigen Keyboards wechselt und auf jenen mal mit Akkorden brav begleitet, die Gesangsmelodie aufgreift oder sie gar flegelhaft auf die schiefe Bahn bringt. Ähnlich launisch und kalkuliert setzt Kat - nicht gerade zufällig das dänische Wort für Katze - ihre Stimme ein. Mal klingt sie divenhaft, als spiele sie in einem ausverkauften Konzertsaal, mal haucht sie kokett, stößt spitze Schreie aus, pfeift ins Mikro oder singt durch eine Plastiktröte; die Akzente oft pikiert wie Katzenpfoten gesetzt, denen die nasskalte Frühlingserde nicht behagt!

Im Widerspruch zur trashigen Klangästhetik, gibt es neben skizzenhaften Liedern, die fast schon am kindlichen Kimya Dawson-Charme kratzen, auch solche, die weit erhabener und bis ins Letzte harmonisch durchdacht sind. Diese musikalische Reife, sehr deutlich z.B. im ersten Song Bug In A Web, stellt sie mit ihrer Interpretation von Britney Spears Toxic noch weiter unter Beweis. Wer hätte gedacht, dass dieser Song, als "tribute to a very particular person" angekündigt, so großartig klingen kann?

Inhaltlich geht es in Kats Songs um Flughafenstimmung, das Gefühl, im eigenen Bewusstsein eingesperrt zu sein und natürlich auch mal um die Liebe. Nächtliche Aufnahmen von Ast- und Laubwerk, die hinter ihr an die Wand projeziert werden, untermalen ihre Performance visuell.

Obwohl die Reduzierung auf so wenige Sounds innerhalb des Live-Sets mit der Zeit etwas ermüdend erscheint und man sich für das nächste Konzert ein paar begleitende Instrumentalisten wünschen würde, hat sich Kat den Katzen-Titel an diesem Abend doch redlich verdient. Florian Gebhard




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