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Fertig, Los!: München
Tuesday, 01 June 2010 23:30
fertiglos_bs.jpg„Ist es etwas Neues, fährt bald jeder darauf ab?" fragten Fertig, Los! auf ihrer ersten Single Ein Geheimnis. Drei Jahre später schmiedet die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band Pläne für die Zukunft und tourt mit dem gleichnamigen Album durch ganz Deutschland. Unsere Redakteurin Tina hat versucht, beim Konzert im Münchner Backstage Club dem Geheimnis Fertig, Los! auf die Spur zu kommen.

Eine Bassistin, die gerade einer Topshop-Reklame entsprungen sein könnte. Ein Sänger, der mehr Lidschatten trägt als Brian Molko anno '92. Ein Schlagzeuger mit verstrubbelten Haaren und verschmitztem Lächeln als Gegenpol zum durchgestylten Frontmann. In einer Casting-Show hätte man die drei nicht besser zusammensuchen können. Dazu eingängige Melodien, deutsche Texte über Herz und Schmerz - das sieht auf den ersten Blick nach einer Band aus, die zwar Erfolge bei Teenie-Mädchen feiert, die man aber nicht ernst nehmen kann.

Doch live zeigen Fertig, Los!, dass es unter der glatten Oberfläche brodelt. Der polierte Sound der Alben wird genussvoll aufgerissen und wirkt plötzlich rauer, kantiger, reifer. Selbst die auf Platte fast unerträglich kitschige Ballade Der Moment kann auf der Bühne überraschenderweise durchaus überzeugen. Mit Mut zum Synthesizer verwandelt die Band rockigere Nummern wie Ein neuer Gott und Elektrisches Licht in NDW-Kracher, zu denen wir auch in den 80ern schon gern unsere Jugend verschwendet hätten.

Die stonewashed-Jeans und das dunkle Augen-Make-up von Sänger Philipp passen da natürlich ganz hervorragend ins Konzept. Dem perfekten Styling zum Trotz präsentiert sich der 27jährige aber mit einer erfrischenden Natürlichkeit auf der Bühne, die es in letzter Zeit leider bei anderen Bands viel zu selten zu sehen gibt. Fertig, Los! versuchen gar nicht erst, den ganzen Abend auf ihre Schuhe zu schauen und cool zu wirken. Die Ansagen sind herzlich und unpeinlich, zwischendurch wird ein Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne geholt, das gern mal Philipps Theremin ausprobieren möchte, und es kann auch passieren, dass die Band beim Spielen einfach mal kurz über sich selbst lachen muss.

Genau diese Ungezwungenheit sorgt aber dafür, dass das Publikum den dreien schon fast vom ersten Ton an aus der Hand frisst. Und weil Fertig, Los! so wunderbare, genial-simple Mitsingtitel schreiben können, stimmt der ganze Club bei nahezu jedem Lied lautstark mit ein. Kein Wunder, denn Songs wie die aktuelle Single Wenn du mich brauchst oder Augen zu würden auch wunderbar aus Tausend Kehlen gesungen im Stadion funktionieren.

Den Höhepunkt erreicht das kurzweilige Konzert schließlich mit der Zugabe Ein Geheimnis, bei der Philipp den Refrain schließlich ganz dem Publikum überlässt. Nach dem Titelsong des neuen Albums, der zusammen mit der Vorband This Is The Arrival vorgetragen wird, heißt es dann aber endgültig „Wir sind fertig, und ihr müsst jetzt los!". Vielleicht schmieden Philipp, Flo und Julia jetzt ja gleich Pläne für eine Tour durch größere Clubs. Das Live-Talent von Fertig, Los! ist jedenfalls spätestens seit heute kein Geheimnis mehr. Bettina Koch

31.05.10




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