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Royseven: Berlin
Sunday, 18 November 2007 19:31

Royseven in Berlin

Über sein Bier lässt der Deutsche nichts kommen. Irischer Bier-Import kann ihm gestohlen bleiben. Irische Musik findet da traditionell schon mehr Anklang. Wie perfekt wäre dann wohl eine irische Band in Deutschland, der irisches Bier genauso gestohlen bleiben kann wie den Deutschen? Unser Redakteur Christian kennt einen Kandidaten.

 

Guinness hat einen schweren Stand in Deutschland. Um das irische Schwarzgebräu besser an den Mann zu bringen, bevölkert der Konzern zur „Your Guinness Night" das Berliner E-Werk mit blutjungen durstigen Zielgruppenauserwählten, füllt diese gratis ab und hofft auf den Imagewandel. Die passende Musik von der Insel soll helfen.

 

Royseven, die an diesem Abend die Promotion-Helfer geben, haben solche Anbiederungsversuche nicht nötig. Die irische Band hat überhaupt keinen schweren Stand in Deutschland. Nach einem Deal mit der Plattenfirma Universal, einer ordentliche Portion Format-Radio-Airplay und einer Tour als Support von Reamonn läuft es für die junge irische Band gerade wie geschmiert. Der Abend im E-Werk ist das erste Konzert einer Headliner-Tour durch Deutschland.

 

Die Songs des Debüts The Art of Insincerity in all ihrer epischen Breite auf die Bühne zu bringen, gelingt der Band von Anfang an ohne Probleme. Die komplexen Arrangements kommen so klar und zwingend wie auf Platte, oben drauf der Extra-Schuss Live-Energie. Die klaren Piano-Kaskaden im Intro von In Your Bedroom verschmelzen mit den doppelten Gitarren-Breitseiten und erheben sich zum großen Pathos-Rock à la Muse. Happy Ever Afters erinnert melodisch an britische Breitwand-Popbands ab Coldplay. Herzstück des Sets ist die Monster-Hymne Aberdeen, die sich vom A-Cappella-Intro über Piano- und Gitarrenriffs bis hin zur riesigen Mitsing-Klimax hangelt, dabei unglaublich intelligent Spannung aufbaut, immer wieder Luft lässt, um sich dann wieder aufzuschaukeln.

 

Inmitten dieser instrumentalen Schichten erhebt sich die Stimme von Paul Walsh wie eine mächtige Sound-Säule, um die sich die Musik rankt. In bester Tradition kraftvoller irischer Sänger von Van Morrison über Bono bis Damien Dempsey zieht er die Silben endlos durch die Takte. Voll und schnörkellos, ohne nervendes Falsettgewimmer. Er stilisierst sich dabei zu seinen Songs, die fast ausschließlich von verlorener Liebe handeln, perfekt als introvertierte und doch impulsive Bühnennatur. Musikalisch mag von seinem Idol Jim Morrison nicht viel durchscheinen, doch seine Bühnenshow erinnert stark an den Sänger der Doors. Mit geschlossenen Augen, hochgezogenen Schultern und über dem Mikro verschränkten Händen steht er verloren am Bühnenrand, sinkt einen Moment später auf die Knie, bäumt sich wieder auf und rast wirbelnd quer über die Bühne. Wie Morrison, Jimi Hendrix oder auch David Bowie ist Walsh ein Virtuose dieser Art der Bühnenshow, exaltiert und expressiv, ohne dabei direkt mit dem Publikum zu kommunizieren. Schon nach zwei Songs zieht es ihn von der Bühne, er balanciert singend über die Absperrung, durchquert mit geschlossenen Augen die Halle, kommt auf einer der Bars zum stehen, wo ihn ein rotbackiger Witzbold mit vom Guinness verdrehten Augen ausgiebig Hintern und Bauch betatscht. Walsh stört das nicht, er singt gerade seinen Song.

 

Leider klatschen die bombastischen Klanglandschaften der Band an diesem späten Abend recht schlaff von den kalt-gefliesten Wänden des halbleeren E-Werks und stoßen auf weitgehend dumpfalkoholisierte Ohren, die zudem noch vom unsäglichen Schlager-Rock des Supports Stanfour verklebt sind. In den ersten Reihen singen einige Mädchen schüchtern jede Song-Zeile mit, den Blick gesenkt, fast flüsternd. Frisch gescheitelte Jungs mit Krawatten im V-Auschnitt starren gebannt auf Walsh, während dieser sich über die Bühne windet. Am Ende gesteht der Sänger: „Ich muss zugeben, ich habe noch nie in meinem Leben Guinness probiert, ich hab ein paar mal daran gerochen, das hat mir gereicht." Nichts könnte klarer illustrieren, dass Royseven auf der „Your Guinness Night" wohl doch etwas fehl am Platz sind. Und das spricht für die Band. (Christian Schober)


(07.11.2007)




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