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Gravenhurst: München
Wednesday, 28 November 2007 12:51

Gravenhurst - fucking ridiculous


Bristol ist der Ursprungsort des Dreampop. Bristol ist aber auch die Heimat von Nick Talbot. Mit seinem Projekt Gravenhurst beweist der junge Brite vom kommerziellen Erfolg bislang relativ unbeobachtet, dass diese englische Hafenstadt nicht nur belanglos dahinwogende Gitarrenmusik zu bieten hat. Sein Auftritt im Atomic Café gerät zu einem Festspiel der Schizophrenie - ganz so, wie es angedacht war.


Als Vorband stand Sickcity auf der Bühne. Mit mexikanischen und karibischen Elementen gespickt landen ihre Arrangements zwar doch immer wieder beim Indierock, mit In my head hat diese Münchener Band jedoch einen Song geschrieben, den man gerne auch noch ein zweites Mal hören möchte. Gelegenheit dazu bietet sich am 15. Dezember. Da treten Sickcity im Münchner Babalu auf.

 

Gravenhurst eröffneten ihren Teil des Abends mit The western lands, dem Titelsong ihres neuen Albums, das nach einem Buch von William S. Burroughs benannt ist. Dies kommt nicht von ungefähr, sind die Kompositionen von Nick Talbot doch ebenso durch ein Auf und Ab geprägt wie die durch Drogenwahnsinn gezeichneten Geschichten von Burroughs. Bei Talbot reihen sich melancholische Passagen melodiöser Reinheit an aufbrausendes Gitarrengeschrammel, das klingt wie das letzte Aufbegehren vor dem Erschöpfungstod, das Mobilisieren letzter Kräfte. Dabei werden alle Instrumente bis zur höchste Tonstufe ausgereizt.

 

Live wirkt dieser Kontrast noch um einiges energetischer, als er dies auf Platte tut. Nach einem dieser Ausbrüche, während dem Talbot und seine drei Bandkollegen dem Publikum eine Lärmwand entgegenschmeißen, fragt er: "Did you have fingers in your ears? We do this every night. It's fucking ridiculous!" Doch gerade diese Intensität ist besonders faszinierend. Sieht man Nick Talbot, diesen jungen Mann mit der traurigschöne Stimme, so würde man auch nicht solch abgründige Texte wie "To understand a killer, you must become a killer" erwarten. Diese Zeile ist das Intro von The Velvet Cell, dem Song, der den Höhepunkt des Konzerts darstellt.

 

Zum Abschluss dann der Totalabriss: Black holes in the sand, ein an sich ruhiges Stück endet mit Aggression an den Instrumenten, Bass-Rückkopplungen, kreischenden Boxen. Das ist das Ende. So wird das vom Publikum auch verstanden, keine Zugabe, jeder weitere Pinselstrich an diesem Kunstwerk wäre auch zu viel. (Florian Zick)


(26.11.2007)




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