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The Weakerthans: München
Friday, 07 December 2007 20:03

The Weakerthans - hätten sich ruhig rasieren können

 

„You are kind", sagt John K. Samson leise, "I wish I could embrace you all". Der Sänger der Weakerthans zeigt sein feines, wissendes Lächeln, während er ganz ruhig der feiernden Halle des Münchner Backstage gegenüber steht. Er trinkt abwechselnd Mineralwasser und eine schwarze Brühe (Cola plus?) und lässt sich mit der Ausgeglichenheit eines Zen-Buddhisten feiern.

 

 

Die Euphorie nach der langen Abwesenheit der kanadischen Indie-Band ist nämlich groß. Das neue Album Reunion Tour ließ immerhin vier Jahre lang auf sich warten. Die Jungs aus Winnipeg überstürzen halt nichts. Nachdem ihnen mit Left and Leaving im Jahr 2000 der internationale Durchbruch gelang, folgte das Hit-Album Reconstruction Site auch erst 2003.

 

Gut Ding will also Weile. Vier Jahre gehen aber auch oder gerade nicht an Rockmusikern vorbei, recht gesetzt sehen drei der vier Weakerthans auf ihrer von drei Monden beleuchteten Bühne aus. Nur Frontmann Samson ist unverändert drahtig und unrasiert. Während er Gitarre spielt, zieht er seine kantigen Schultern hoch und kriecht in sich hinein, als wolle er sich in die Geborgenheit seiner Songs einwickeln. Was ohne weiteres möglich wäre, denn der Sound von The Weakerthans ist bis auf einige fröhliche College-Rock-Nummern unverändert warm und melancholisch. Hier stimmen alle Bilder, die der Durchschnittseuropäer von Kanada im Kopf hat, zum Beispiel ein Spaziergang durch herbstlich bunte Wälder mit anschließender Ahornsirup-auf-Pfannkuchen-Gemütlichkeit. Oder ein Lager aus karierten Wollplaids an einem Kaminfeuer, das in langen Winternächten die Eisblumen am Fenster zum Schmelzen bringt. Die Weakerthans haben mit diesen Klischees scheinbar keine Probleme, denn auch die neue Platte ziert ein Meer aus brechenden Eisschollen, die Website zeigt kleine Comic-Blockhütten. Viele ihrer Songs sind eng mit der Heimat Winnipeg verbunden, so zum Beispiel One Great City, das in München als Zugabe für großes Hallo sorgte.

 

In Singer/Songwriter -Tradition überwiegt an diesem Abend in München der melodiöse Gitarrenklang, manchmal unterstützt von einer folkigen E-Zither. Der Schwerpunkt liegt bei vielen Stücken auf den Texten. Es gibt da beispielsweise ein Wiedersehen mit Virtute, der Katze, die sich bereits auf „Reconstruction Site" über ihr Herrchen beschwerte. In Virtute the Cat explains her departure erklärt dieselbe Katze, warum sie ihr Herrchen verlassen hat: Weil ihr der Halbmond ein „Geh!" zugeflüstert habe. Das ist Poesie! Und im neuen Relative surplus value wünscht sich ein völlig erschlagener Mensch nur noch, von einer vertrauten Person am Flughafen abgeholt zu werden. Nach ellenlangen Überlegungen endet das Lied mit dem Fazit: „So what I'm trying to say, I mean what I'm asking is, I know we haven't talked in a while, but could you come get me?" Das sitzt, im Backstage herrscht gerührte Begeisterung. Denn jeder, der schon mal von einer anstrengenden Reise zurück gekehrt ist, kann nachvollziehen, was diese Worte bedeuten.

 

Während also die post-punkigen Uptempos von The Weakerthans besserer Party-Durchschnitt sind, sorgen ihre ruhigen Titel für Gänsehaut und Glückseligkeit. Niemand leistet dagegen Widerstand und bald lächelt die ganze Halle des Backstage sanft wie John K. Samson. Niemand möchte ihn so recht gehen lassen und allein in die regnerische Wirklichkeit zurück taumeln. Mit den sechs oder sieben Zugaben hatte allerdings niemand gerechnet. Nach so einer hinreißenden Performance müsste die Band eigentlich ihren Namen ändern - in The Strongerthans. (Petra Schönhöfer)


(06.12.2007)




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