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Moddi: München
Saturday, 05 March 2011 09:36

ModdiWer hat nicht schon einmal über den Wunsch nachgedacht, einer privaten Musikaudienz lauschen zu dürfen? Ein Konzert ganz für sich, gemeinsam mit den Musikanten, einer Menge organischer Instrumente, einem Glas Wein und dem passenden Wohnzimmer? Mit Moddi wurde dieser Wunsch im Ampere unverhofft Wirklichkeit.


Sänger, Multiinstrumentalist und Kopf der Band Pål Moddi Knutsen, ein norwegischer Michel aus Lönneberga, begrüßte die etwa 100 Besucher mit der schüchternen Bitte, dem Konzert einen würdigen Rahmen zu schenken und die kommenden Momente im Sitzen zu erleben. Auf einem alten Holzstuhl nahm er Platz, bekleidet mit einem für sein Heimatland typischen Norwegerpulli. Auch seine Kollegen am Bass, Cello und Schlagzeug fügten sich diesem Klischee und spielten die Songs in unverkennbar nordischer Kluft.

All jenen Zuhörern im Publikum, die sich nur aufgrund erfolgreicher Mundpropaganda im Club eingefunden hatten, ohne auch nur einen Ton Moddis im Vorfeld gekannt zu haben, dürfte bereits nach wenigen Augenblicken klar geworden sein, dass dem passenden Rahmen entsprechend nun auch atemberaubend schöne Musik folgen sollte.

Schon mit dem zweiten Song des Abends, dem Opener Rubbles des gerade in Deutschland erschienenen Albums Floriography, verführten die vom Akkordeon und Cello dominierten Klänge die Besucher in die Weiten des hohen Nordens. Ein Hauch Irland, eine große Portion Island versprühte sich durch das kleine Rund. Moddi, der während der Darbietungen unruhig auf seinem Stuhl auf- und abrutschte, sich voller Leidenschaft seinen detailverliebten Kompositionen hingab, überzeugte in jedem Moment mit björk´schem Gesang, nicht ohne ihm seinen eigenen Taint zu verpassen. Mal schüchtern leise, mal ausufernd zornig wie im beeindruckenden Revoluzzer-Song Stuck in the Waltz, das in jeder Sekunde an Damien Rice erinnerte, harmonierte er mit seinen Bandkollegen, die ihrerseits voller Leidenschaft und Liebe ihren Beitrag zu den vielschichtigen und atmosphärischen Werken beitrugen.

Schüchtern, freundlich und spitzbübisch zugleich, erzählte Moddi im Laufe des Abends zwischen den Stücken in erstaunlich gutem Deutsch von seiner kurzen Erfahrung als Städter, in der er neben der Erkenntnis, in dieser Welt nicht zuhause zu sein auch feststellen musste, die Muse verloren zu haben und so nur ein einziges Lied zu Papier brachte. Auch in späteren Momenten gewinnt der strohblonde Lockenkopf das Herz der Zuhörer mit seinen kleinen Geschichten über das Leben, den Norden und die Musik. Der Kritik eines Rezensenten, seine Lieder seien gespickt mit depressiven Stimmungen, entgegnete er auf einem Berliner Konzert mit einem Dance-Track, den er schließlich abbrechen musste, weil das lauschende Volk plötzlich zu tanzen begann.

Und so kehrte auch in München am Ende eines jeden Songs verlässlich die Ruhe wieder, nachdem Moddi und seine Band verschiedenste Stimmungsbilder wirken ließen. 7!, dem vorerst letzten Stück des Abends folgten nach mehr als einer Stunde Spielzeit und den lautstarken Forderungen des Publikums noch zwei weitere Songs. Zurück auf der Bühne erklärte Moddi, er leide an einem Syndrom, das ihn dazu zwinge, nach einem neu geschriebenen Stück gleich ein Weiteres komponieren zu müssen. Deshalb gäbe es nun auch eine doppelte Zugabe, die mit dem Song Magpie Eggs einen der absoluten Höhepunkte des Abends und in einem neu geschriebenen Stück sein rühmliches Ende fand.

Und so hinterließ die Band nach knapp 80 Minuten ein ebenso ergriffenes wie erstauntes Lächeln in den Gesichtern des Publikums, das nach diesem einzigartigen Auftritt vermutlich auf weitere private Wohnzimmermomente mit den Norwegern verzichten muss. Text: Bastian Keck / Fotos: Rebekka Schwarz

 




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