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Jens Friebe: München
Monday, 10 December 2007 13:22
Frauenversteher: Jens Friebe Auf eine Party mit einem Frauenanteil von etwa 90 Prozent zu gehen, ist für den männlichen Durchschnitts-Großstädter ein seltenes Glück. Für Jens Friebe hingegen gehört das scheinbar zum Tour-Alltag, zumindest wenn man vom Konzert im Münchner Ampere auf die anderen Auftritte seiner Tournee schließen darf. Fast ausschließlich weibliche Hände sind es, die dem Dandy aus Berlin aus den vordersten Reihen zuklatschen. Unser Alex mittendrin.

Ist ja auch verständlich. Der Mann da oben ist gut gekleidet, schreibt flotte Pop-Songs mit intelligenten deutschen Texten und führt charmant durch den Abend. In seinen Ansagen, die fast vor jedem Song kommen, präsentiert er sich ebenso eloquent wie in seinen Texten. Zu den leichten Schwierigkeiten mit dem Sound erklärt er schon bald, dass der eigentliche Mischer kurzfristig abgesagt habe, um „endlich mal richtig Geld zu verdienen“ - und eine fremde Band zu mischen sei eben „wie ein fremdes Kind zu stillen“. Jens Friebe weiß , mit welchen Metaphern er sein Publikum erreicht.


Das Programm besteht aus einem Mix aus allen Phasen des „Friebe-Oeuvre“, wie er es selbst nennt. Unter anderem Körper und Dann sagst du Auf Wiedersehen gibt es vom ersten Album, dazu „Lawinenhund“ und das großartige Still von Album Nummer zwei. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Liedern aus dem neuen Werk, das mit dem auch als T-Shirt-Slogan verwendeten Satz Das mit dem Auto ist egal Hauptsache dir ist nichts passiert betitelt ist.

Dargeboten wird das Ganze teils solo mit Gitarre, teils als Karaoke, aber größtenteils mit Band. Die besteht aus Bassistin Julia, die hin und wieder auch zur Gitarre greift, und Schlagzeuger Chris Imler, der früher unter anderem für Maximilian Hecker oder bei Peaches getrommelt hat. Im Ampere glänzt er neben seinem druckvollen Schlagzeugspiel vor allem durch sein Outfit: Mit Schnauzer, weißem Hemd und schwarzer Schleife samt Silberbrosche ähnelt er einem jungen Burt Reynolds. Dazu trägt er eine schwarze Freizeithose mit dünnen weißen Seitenstreifen und glänzende Lackschuhe. Ach, diese Berliner.

Es war ein schöner Abend mit Jens Friebe, unterhaltsam und gut gelaunt. Stagediver und ein wilder Moshpit waren natürlich nicht zu erwarten, doch ein wenig mehr Ausgelassenheit im Publikum wäre durchaus wünschenswert gewesen. Es war auffällig still in den Pausen zwischen den Songs. Wer lauthals an der Bar ein Getränk bestellte, konnte sicher sein, neben der Bedienung auch sämtliche andere Anwesende darüber informiert zu haben, dass er gerne ein Helles und zwei Gin Tonic hätte.

Ein wenig lauter wurde es erst zum Schluss. Als Zugabe gab es den wohl bekanntesten Song aus Friebes Repertoire: Gespenster. Ein Elektropop-Kleinod mit dem er sich 2004 über die SPEX-CD ins Bewusstsein der Indiegemeinde sang. Auch in abgespeckter Version, solo auf der Gitarre funktioniert der Song hervorragend und leitete einen Schlussspurt ein, der mit Feedback und viel Geschepper endete. Da wippten dann endlich auch mal die Jungs in der letzten Reihe mit. Alex Neumann


(08.12.2007)




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