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Phonoboy: München
Sunday, 16 December 2007 21:56

Phonoboy attacks - Frenchpop vom Mars
Frauen kommen von der Venus, Franzosen vom Mars. So scheinen das Phonoboy zu sehen, denn auf der Tour zu ihrem neuen Album Pas de Temps kleiden sich die Münchner Wahlfranzosen in futuristisches Chrom-Silber, wie frisch aus dem Ufo gestiegen. Passte beim musikalischen Landeanflug auf das Münchner Atomic Café hervorragend zum sowieso schon glitzernden Background-Vorhang.

 

 

Die Zeiten der Bardotresquen Ringelshirts sind also vorbei. Die Bühne im Atomic: liebevoll handgebasteltes Sixties-Design, ein Traum in Alufolie sozusagen. Der Spaß am Partnerlook ist den vier French-Pop-Spezialisten geblieben und so präsentierten sich die Jungs in hautengen Silbershirts von bester Spandex-Qualität und Frontfrau/ Bassistin Nina in glänzender A-Linie. Den Song zum Outfit findet man natürlich auf der neuen Platte: Weltraumtourist. Doch den Abend im Atomic eröffnete erst einmal ein altes Stück, treffender Weise Ce Soir. Fing gleich heftig ein, dieser Abend, ließ mit zackigen Rhythmen und vibrierenden Verstärkern keine andere Wahl, also schon mal die Tanzmuskeln aufzuwärmen. Die würde man im Laufe der Show nämlich noch brauchen.

 

Hart und getrieben ist der Tenor des zweiten Albums von Phonoboy, ordentlich durchgeknallter Electrorock, der den trendy französischen Sixties-Charme zwar parodiert, aber nie einfach nur imitiert. Ein kokettes Lalala ist schon mal drin, aber wer dachte, dass die Band mit Atomic-DJ Weyssie an den Synthisizern einfach nur auf die fabelhafte Welt der Hitcompilation French Cuts aufbaue, der wird fix eines besseren belehrt. Den neuen Nummern wie Pas de temps und Bleu, Blanc, Rouge hört man die musikalischen Einflüsse aus New Wave und Punk deutlich an. Die französischen Texte, die auf Leadsänger Christian zurückgehen, bilden dazu einen sexy Kontrast.

 

So tobten Phonoboy durch den Abend bis die Deko in Fetzen von der Decke hing, ein wirklich schweißtreibendes Spektakel auf der kleinen Bühne. Extra-Applaus für den strammen Trommler Lauro blieb nicht aus, manövrierte doch sein energetisches Schlagzeug die Band durch die Weiten des Klang-Universums. Ob in gemeinsamer Choreografie oder auf dem Rücken liegend Gitarre spielend - alle Posen der Rockgeschichte wurden augenzwinkernd und in rasantem Tempo durchexerziert. Verständlich, dass es da mal eine Pause brauchte, aus der die Band in einem neuen, nicht weniger exzentrischen Silberfummel wieder auftauchte und ihren großen Hit C'est ma vie abfeierte. Da brauchte es das Cover des französischen Punk-Klassikers Ça plane pour moi kaum noch, um die euphorische Menge auf immer ins Pop-All zu katapultieren. (Petra Schönhöfer)


(15.12.2007)




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