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Death Cab For Cutie: München
Monday, 27 June 2011 17:34

Death Cab For CutieNach dem vor kurzem das neue Album Codes And Keys veröffentlicht wurde, welches noch stärker als die letzte Veröffentlichung die Abkehr von dem alten Stil der Band markieren sollte, gebot es nicht nur die Neugier, Death Cab For Cutie mit neuem Material im Gepäck einmal mehr genauer unter die Lupe zu nehmen. Florian und Edyta haben das für das LAXMag getan.

Beim Betreten der Location hatte man zuallererst den Eindruck Death Cab For Cutie hätten ihre Konzertplakate möglicherweise mit Pheromonen eingesprüht, derart übertrieben fühlte man sich konfrontiert mit Menschen, die Arm in Arm oder Mund an Mund vor der Bühne standen. Man kam aber nicht umhin das ganze Schauspiel irgendwie doch abzunicken, dass man sich auf einen Abend mit einer als romantisch-melancholisch bekannten Band eingelassen hat, wusste man ja vorher.

Bei der Auswahl der Vorband hat man ein gutes Händchen bewiesen, mit ihrem traurigen Klavier, dem episch angehauchten Songaufbau und dem mehrstimmigen Gesang hat diese sehr gut in die Vorstellung des Abends gepasst. Das Einzige was man The Head And The Heart vorwerfen könnte, wäre nur, dass sie mit ihrer manchmal aufkommenden Fröhlichkeit die des Hauptacts wohl überschritten haben und in diesem Punkt keine glatte Anschlussnaht gegeben war.

Zumindest dafür, wie man Death Cab For Cutie in Erinnerung hatte.

Die traurige Realität war leider, dass nach frühestens einer Stunde mit I Will Follow You Into The Dark der erste feinfühligere Song angestimmt wurde, der Rest war bis dahin nur graue Masse. Irgendwann zu Beginn hatte man noch das Gefühl, Summer Skin wurde möglicherweise gespielt. Doch die klare Klavierbegleitung und das punktiert eingesetzte Schlagzeug mussten auch bei diesem Song der Rampensau-Attitüde des Abends weichen und ging dabei unter.

Auch das Publikum schien die musikalische Darbietung eher verhalten anzunehmen. Bei den älteren, typischen Death Cab For Cutie Songs war der Applaus ungleich stärker, als wenn Songs aus dem letzten Album Codes And Keys (Ausnahme: You Are A Tourist) angekündigt wurden. Auch hatte man den subjektiven Eindruck, dass man ab der zweiten Hälfte des Konzerts plötzlich in den hinteren Reihen viel mehr gemütliche Beinfreiheit zum Stehen hätte.

Ganz zum Schluss hat es die Band wieder mehr geschafft so zu klingen, wie man es gewohnt war. Besonders mit der Großartigkeit des finalen Songs Transatlanticism konnte man sich immerhin ein kleines Trostpflaster auf’s Herz kleben, doch da im Gesamten sogar die Vorband als eindeutig facettenreicher im Gedächtnis geblieben ist, war das auch nur ein kleiner Trost für das Gefühl der Leere auf dem Nachhauseweg. Florian Tenk


Der Druck steigt, wenn eine Band seit zwölf Jahren Musik macht und bereits sieben vielfältige Alben veröffentlichte. Fans schrauben die Erwartungen hoch, wenn Musiker sich in ihrer Lebensspanne permanent weiterentwickeln, Höhen und Tiefen durchmachen und dies in ihren Werken wiedergeben. Es ist eine Band, welche sich vom wahren Independent zu einem der prominentesten Vertreter des modernen Indie herausbildete - es ist Death Cab For Cutie.

Ihre Lieder erzählen so viele Geschichten über die Liebe, ebenso wie solche, die keine Liebesgeschichten sind. Vollgestopft mit Emotionen machen sie es einem schwer, sich beim Hören nicht mitreißen zu lassen, sich nicht hineinzuversetzen, nicht mitzufühlen. Eine derart enge Beziehung zur Musik, die Frontman Ben Gibbard und seine Bandkollegen schaffen, erweckt Hoffnungen. Hoffnungen, die mit jeder Neuveröffentlichung zerstört werden, weil die Musiker sich weiter entfalten, neue Beziehungen eingehen, persönliche Erfahrungen in ihre Werke einarbeiten und ihren Stil verändern.

In der Muffathalle kam der ernüchternde Zeitpunkt, an dem man Death Cab endlich auf der Bühne sah und ihrer Live-Performance lauschte. Plötzlich wirkte das alles gar nicht mehr so spektakulär, diesmal fühlte man den Text von Bixby Canyon Bridge mit: I cursed myself for being surprised / That this didn't play like it did in my mind. Enttäuschend ist, dass Death Cab for Cutie im großen und ganzen nur durchschnittlich sind  - und Ben Gibbard wohl doch kein Gott der Musik ist.
Sie sind einfach nur eine Band, die bei günstigen Ticketpreisen zweistündige Shows spielt und manchmal auch das aktuellste Album für nur fünf Dollar bei Amazon vertickt, und das macht sie immerhin ziemlich sympathisch.

Live klingen einige Stücke trotzdem gut. Vom Chorus aus dem Publikum begleitet klang I Will Follow You Into The Dark besonders eindrucksvoll, während das Instrumental-Intro zu I Will Possess Your Heart lieber bezaubert im Schweigen genossen wurde - ganze acht Minuten lang. Auch Transatlanticism, Summer Skin oder Soul Meets Body animierten wieder dazu, sich in die Musik hinein zu fühlen. Vielleicht ist es nun doch gerechtfertigt, sich ein bisschen in Ben Gibbard zu verlieben ... Text und Fotos: Edyta Sikorska

Setlist:

Title Track
The New Year
We Laugh Indoors
Crooked Teeth
Photobooth
Some Boys
Company Calls
Long Division
Grapevine Fires
Summer Skin
Codes and Keys
I Will Possess Your Heart
I Will Follow You into the Dark
You Are a Tourist
Underneath the Sycamore
President of What?
Title and Registration
A Movie Script Ending
Doors Unlocked and Open
Soul Meets Body
Cath...
The Sound of Settling

-------

Stay Young, Go Dancing
Expo '86
Marching Bands of Manhattan
Transatlanticism

 

(26.06.11)

Pop-Up




Oje :(
Annabelle 2011-06-28 00:58:43

"Gefühl der Leere" klingt ja nicht gut ...
Sara 2011-06-28 08:49:26

Da kann ich Dir schon ein bisschen zustimmen. Ich hätte zwar angesichts des
neuen Albums noch geringere Erwartungen und war ganz froh über die doch
zahlreichen alten Songs. Trotzdem sind Death Cab seit ich sie zum ersten Mal
gesehen habe, kontunuierlich schlechter geworden. "Rampensau-Attitüde"
trifft es ziemlich gut. Ben Gibbard hat sich wirklich zum Negativen verändert.
Schlagzeug und Bass haben außerdem alles andere totgespielt. Ganz schlimm war
es bei "Marching Bands Of Manhattan", das tat in der Seele weh. :(
Insgesamt fand ichs trotzdem noch ein schönes Konzert, dank The Head an The
Heart, der vielseitigen Setlist und der Tatsache, dass Death Cab zwar nicht mehr
großartig, aber schon noch eine tolle Band sind. Und wegen
"Transatlanticism". ;)
M. 2011-06-28 08:52:36

kann dem gar nicht zustimmen.... es war wirklich großartiges Konzert!!!
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