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John Vanderslice: München
Wednesday, 21 September 2011 14:48

John Vanderslice: MünchenÜber die Liebe zu einem unbekannten Sänger. Ein Selbstversuch mit dem Sänger John Vanderslice. Es muss im Sommer 2006 gewesen sein, als mir dieser gewisse Song von John Vanderslice gezeigt wurde. Auch wenn ich die wahre Bedeutung hinter jenen gesungenen Worten erst einige Zeit später verstehen sollte, war ich sofort verliebt. Wie so oft, wenn man besondere Songs von besonderen Männern hört, giert das Ohr schnell nach mehr von ihnen. Und wie oft passiert es, dass man die nächsten drei Songs in der Last.fm Playlist anspielt, diese eher nur für halbgut befindet und enttäuscht das Reinhör-Projekt "Band XY" ad acta legt, so wie ich es mit John Vanderslice getan habe.

Jahre später entdeckt man, dass der weiterhin größtenteils unentdeckte Herr aus Florida in der Stadt spielt, doch mit welchem Ziel geht man auf dieses Konzert? Irgendwie kann man kaum etwas erwarten, keinen bestimmten Musikstil, nicht die typische Art des Interpreten, Weiter- oder Rückentwicklungen zwischen diversen LPs sind nicht erkennbar – und doch hat er diesen einen, unglaublich tollen Song geschrieben und dadurch hofft man auf die große Offenbarung. In Zugzwang mehr Vorarbeit zu leisten, bin ich allerdings nicht geraten und blieb also bei meinem Ein-Song-Wissen.

Niemals hätte ich John Vanderslice auf der Straße erkannt, allein weil er doppelt so alt schien, als in meiner Vorstellung. Seine Texte waren mehr Politik- und Weltkritik als Trennungshymnen. Trotzdem scheint er nicht verbissen, sondern charmant, witzig und sich überdies nicht zu schade, vor diesem kleinen Publikum zu spielen. Im Vergleich zu den ruhigeren Singer-Songwriter Stücken ist seine Stimme bei den progressiven, lauten Passagen, die immer wieder auftreten oder manchmal ganze Songs durchziehen, allerdings etwas fehl am Platz. Obwohl man zugeben muss, dass es einigen Spaß macht, den schnellen Stickläufen seines einzigen Bandkollegen zu beobachten, der imposant hinter dem Schlagzeug trohnte.

Das Konzert hat auf jeden Fall gezeigt, dass dieser Herr einigen Reichtum an Erfahrung und applaudierenswerte musikalische Fähigkeiten besitzt, aber noch deutlicher, dass jedes noch so kleine Vorwissen völlige Unvoreingenommenheit praktisch nicht zulässt. All jene, die aber wirklich frei und offen sind und noch Hoffnung in den Augen haben: besucht seine Konzerte, auch wenn seine Musik oft kantig und schwer zugänglich ist. Und ich werde aufhören mit diesem Selbstversuch und es bei dem einen Song belassen, bevor die Realität meinen Magnolia Boulevard komplett zerstört. Text und Fotos: Florian Tenk

John Vanderslice: München

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