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Rammstein: Berlin 11
Monday, 28 November 2011 13:29

Rammstein: Berlin 11"Wie heißt eigentlich das aktuelle Rammstein Album?" Erst herrschte Stille im Raum. Dann: "Liebe ist für alle da, oder?" "Echt jetzt? Ist das nicht schon vor fünf Jahren indiziert worden?" Tatsächlich war das 2009. Seit 2010 ist das Album nicht mehr auf dem Index. Und ja, es ist das aktuelle Album.



Eine weitere Diskussion, die dem Abend in der O2 World vorausging, drehte sich darum, ob es nicht richtig gefährlich sei, ein Konzert der Band zu besuchen. Das Abstreiten lohnte sich. Denn eigentlich wurde es richtig kuschelig. Einige dünne Kids mit schwarzgefärbten Haaren, viele ältere Fans mit um die Hüfte gebundem Pulli und Fanshirt. Und: "Ist das nicht die Sängerin von Silbermond hinter uns?" "In der Tat."

Die "Made in Germany"-Tour ist ein Best Of der Bandgeschichte, die ihre Anfänge in 1995 findet. Das dazugehörige Best-Of-Album erscheint allerdings erst Anfang Dezember. Dennoch kein Grund für Rammstein, mit dem Ausverkauf von zwei Abenden in der Heimatstadt Berlin zu warten. Als Vorband für die derzeitige Tour verpflichteten die sechs Herren die schwedischen Deathstars. Die standen dem Headliner in Nichts nach, wenn es darum ging, den eigenen Bandnamen in ihren lautstarken Songs zu verwursten.

Nach rund 35 Minuten beendeten die weiß-schwarz-maskierten Schweden ihr Set, ein schwarzer Vorhang legt sich über die Bühne. Dann, um neun: Ein Steg fährt von der Hallendecke herunter, künstlicher Nebel, Feuer und Funken erhellten das Dunkel. Das lang andauernde Spektakel wurde vom Gekreische der Fans garniert. Und dann betraten Rammstein die O2 World durch den Zuschauerraum. Sie schwenkten ihre Fahne und die der Stadt, trugen eine Feuerfackel voraus. Über die kleinere Bühne in der Mitte und den Steg ging es auf die große Bühne und schon legten sie los mit Sonne.

Wollt ihr das Bett in Flammen sehen? setzte den Funkenregen fort. Nach Asche zu Asche machte Feuer Frei seinem Namen alle Ehre. Die Flammen erhitzten noch die Gesichter der Zuschauer in den hintersten Reihen. Frenetischer Jubel folgte, als Keine Lust erklang, bei Sehnsucht wurde gehüpft. Am meisten Kalorien durfte allerdings wohl Keyboarder Flake verbrennt haben: Er trug einen Ganzkörperanzug aus Glitzer und lief auf einem Laufband. Das obligatorische Schlauchboot fuhr er dann bei Haifisch.

Natürlich kamen zuvor noch Mutter, Mein Teil und Du Hast. Bei Mein Teil packte Till Lindemann auch noch die Kochmütze aus. Doch keine Sorge: Gekochte wurde hier niemand. Es mag ein Best Of sein, doch was aus den skandalträchtigen Szenen während Bück Dich auf der Völkerball-Tour wurde, war ein harmloses vorantreiben der Bandmitglieder von Christoph Schneider in Drag und Till, der mit Wasser aufs Publikum abspritzte.

Das Ganze fand auf der kleineren Bühne statt. Dort gab die Band - mittlerweile umgezogen in schwarzes Leder oder gleich mit freiem Oberkörper - Mann gegen Mann und Ohne Dich und zurück auf der großen Bühne als Zugabe Mein Herz Brennt, Amerika, Ich Will, Du Riechst So Gut, Links 2 3 4, Engel mit brennenden Flügeln und zum Schluss Pussy preis.

Nach einem kurzen "Danke" richteten sie den ersten und letzten Satz an das Publikum: "Zuhause ist es am schönsten." Und die Berliner konnte das nur bestätigen, bevor sie sich die Pullis von der Hüfte schnallten und in die kalte Nacht entfliehen. Simone Bauer




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