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Shout Out Louds: Potsdam
Sunday, 03 February 2008 14:56

Shout out louds in Potsdam
„This is our biggest indoor concert ever! Thanks so much for coming out!“ Was Shout-Out-Louds-Sänger Adam hier in Worte fast, während er seine am Vortag gekaufte Kamera vom Verstärker nimmt, um begeistert das Publikum im Waschhaus in Potsdam zu fotografieren, bezeugt einen wichtigen Schritt in der Karriere der Band: Die fünf Schweden werden gerade zu populär, um in kleine Clubs zu passen. Unser Redakteur Christian beschreibt warum.

 

Zum Reinhören: Tonight I have to leave it

 

Zu wirbelnden Tom-Rhythmen betreten die fünf Musiker die Bühne. Anfangs noch in Wollpulli und Strickmütze, steuern sie auf ihre Instrumente zu, als würden sie gerade zum ersten Mal zusammen ihren Proberaum betreten und erst noch herausfinden, wer welches Instrument spielt. Sänger Adam - an diesem letzten Tag der Tour unrasierter als sonst - schnappt sich eine Cowbell, klackert den Eröffnungsgroove des Albums Our Ill Wills. Spätestens beim Einsetzen des Synthie-Riffs von Tonight I Have To Leave It ist klar, dass hier den Rest des Abends nichts mehr schiefgehen kann.



Mit ihrem extrem tanzbaren Indie-Pop haben es sich Shout Out Louds irgendwo auf halber Strecke zwischen The Shins und Kings Of Leon gemütlich gemacht. Überwiegender Einfluss sind jedoch 80er-Bands allen voran The Cure. Und diese Referenzen kommen live noch klarer zum Tragen: Drummer Eric schleudert von seinem Podest auf der rechten Bühnenseite aus unermüdlich abgehackte New-Wave-Beats herunter, Tastenfee Bebban schwebt im weißen Kleid ebenfalls erhöht über der linken Seite und entsendet sirenengleich ihre Moog-Schwaden, sanften Gesang und vor allem ihre extrem infektiösen Synthie-Hooklines, die so direkt auf Herz und Bauch zielen und den Kern der besten Songs bilden.

 

Gitarrist Carl trägt die engsten schwarzen Jeans der Welt und federt trotzdem so geschmeidig und elegant bei jedem Gitarrenanschlag in die dünnen Knie, während er seiner Fender in bester The-Smiths-Manier die glasklarsten Klänge entlockt. Adams Stimme klingt live noch mehr nach Robert Smith von The Cure und liefert mit seinem klagenden Timbre das Gegengewicht zu den gutgelaunten Frühlingsmelodien der Keyboards.

 

Gut gelaunt ist an diesem Abend auch die Band. Eric schmeisst zwar anfangs noch - nach einer kleinen Unzufriedenheit über den Bühnensound - angepisst sein Handtuch in die Ecke, von den unprofessionellen Launen, mit denen die Schweden jedoch schon ihr Publikum nervten, bleibt man an diesem Abend verschont. Stattdessen werden die Fans mit all den wunderbaren Hymnen wie The Comeback, Please Please Please und Very Loud bedient. Adam widmet einen Song Scott und Brianna, who came all the way from Los Angeles to see us tonight. Bei Impossible kommen die Musiker der Vorband Dag För Dag auf die Bühne, liefern im Geigen-Duett die Streicherparts oder schnappen sich Percussioninstrumente. Den letzten Song zelebrieren alle acht Musiker zusammen, fegen tanzend, scheppernd und lachend über die Bühne, noch immer mit all der Euphorie, als hätten sie eben zum ersten Mal zusammen den Proberaum betreten. (Christian Schober)


(02.02.2008)




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