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Amy MacDonald: München
Sunday, 09 March 2008 14:21

Amy MacDonald in Aktion
Sie könne immer noch nicht glauben, dass Leute dafür bezahlen, sie singen zu hören. Sagte Newcomerin Amy MacDonald kürzlich in einem Interview. Wie fassungslos muss die zwanzigjährige Singer/Songwriterin aus Glasgow angesichts der ausverkauften Clubs ihrer derzeitigen Tour sein? Bei nur vier Konzerten in Deutschland ist es kein Wunder, dass auch das Ampère in München ausverkauft war bis auf den letzten Stehplatz.

 

 

Wenn Amy die Titel ihres Debütalbums This is life mit mädchenhafter Stimme ansagt, glaubt man nicht, was für eine Stimme in diesem Persönchen steckt. Ihr kehliger Klang, sanft und schwer wie Samt zugleich, ist einer der Erfolgsgaranten, die bereits dafür sorgten, dass ihre Single This is life Anfang 2008 mit Platz 1 in die UK-Charts einstieg.

 

Das andere Erfolgsrezept sind die zauberhaften Melodien und eingängigen Rhythmen, die die Autodidaktin MacDonald ihrer Gitarren entlockt. Melancholische Balladen wie die aktuelle Single Run sind dabei Pflicht, aber vor allem die Uptempos wie Mr Rock'n'Roll oder Poison Prince fahren direkt in den Solar Plexus: Klassische Gitarrensongs, die nach Abenteuer klingen und nach einer ziellosen Fahrt auf der Landstraßen, das Gesicht der Abendsonne zugewandt.

 

Beim Singen schließt Amy die Augen und zieht die Brauen zusammen, so dass eine tiefe, ernste Falte über der Nase entsteht. Die Fußspitzen dreht sie zueinander und wiegt ihr Instrument mit der Hüfte. Die meisten von Amys Songs erzählen von jungen Menschen in der Nacht, vom Tanzen und Trinken und von der Musik. Und von den einsamen Schattenseiten der ach so coolen Rock'n'Roll-Branche. Wie viele Schotten ist auch Amy eine große Patriotin und schwört ihrer Heimat in Caledonia die Treue.

 

Sie lästert über Fußballerfrauen in The Footballer's Wife - Ähnlichkeiten mit lebenden Persönlichkeiten nicht ausgeschlossen - und verehrt die glamourösen Stars der Vergangenheit: Ginger Rogers, Fred Astaire: „Won't you dance for me cos' I just don't care what's going on today." Solche Lyrics sind vielleicht der Weisheit letzter Schluss, bisweilen sogar naiv, aber sie klingen spontan, ehrlich und sprechen vielen Menschen auch jenseits ihrer Generation aus der Seele. Das ist mehr, als man von den meisten zwanzigjährigen Popsternchen erwarten kann.

 

Nach dem letzten Song, dem aufgekratzten Barrowland Ballroom, applaudiert das Publikum in München noch minutenlang vor leerer Bühne, fassungslos, dass es das bereits gewesen sein soll für den Moment. Und Amy, die Ungläubige, wird sich daran gewöhnen müssen, aus ausverkauften Clubs in ausverkaufte Hallen umzuziehen. Denn eine Menge Menschen werden sich in Zukunft darum reißen, für ihre Show bezahlen zu dürfen. (Petra Schönhöfer)


(08.03.2008)




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