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Eels: München
Thursday, 13 March 2008 11:36

One-Man-Two-Man-Hammer-Show in München
Wenn ein Musikkonzert bereits einige Woche nach dem Vorverkaufsstart ausverkauft ist und man über Auktionshäuser im Internet für Tickets weit mehr als das Doppelte des ursprünglich festgelegten Preises zahlen muss, dann kann es hierfür im Normalfall zwei Gründe geben: Dass eine Band gehypt wird und immense Summen für Marketingzwecke ausgegeben werden. Oder dass sich eine Band über Jahre hinweg durch Kontinuität und Qualität eine feste Fangemeinde aufgebaut hat und das ohne die hilfreiche Unterstützung von Funk und Fernsehen. Bei den eels ist definitiv Letzteres der Fall, da die Musik der Band größtenteils unter dem Radar der weiten medialen Öffentlichkeit an die Hörerschaft gelangt. Jetzt waren die eels in München.

 

 

Zum Reinhören: Bus Stop Boxer

 

Wer mit einem gewöhnlichen Rockkonzert gerechnet hatte, wurde gleich beim Eintritt in die Halle enttäuscht, denn die Veranstaltungsstätte war komplett bestuhlt. Man blickte in verblüffte Gesichter.

 

Das Publikum in der restlos ausverkauften Halle machte es sich also auf den Sitzgelegenheiten bequem, eine Leinwand verdeckte die Bühne. Nach zirka einer Stunde Wartezeit wurde es plötzlich dunkel und auf die Leinwand wurde eine 56!-minütige Dokumentation projeziert, die das Leben des 1982 verstorbenen Quantenphysikers Hugh Everett protokolliert. Dieser ist der Vater von Marc Oliver Everett aka. „A man called E“, seines Zeichens Gründer und kreativer Kopf von den eels. So konnte man erst mal sein Wissen über Photone und Atome auffrischen. Für Anhänger, die schon des Öfteren ein Konzert der Band besuchen durften, war solch eine Einlage keine Überraschung mehr, ersetzte doch vor einigen Jahren ein russischer Trickfilm die Vorband.

 

Dann war es endlich soweit. Nach einer kurzen Pause betrat Mister E bestens gelaunt die Bühne, mit ihm sein an diesem Abend kongenialer Begleiter „the chet“, welcher von Lied zu Lied sein Instrument wechselte und Everett musikalisch grandios unterstützte. Die Songs wurden minimalistisch dargeboten. Bei Liedern wie Climbing to the moon oder I need some sleep schien das Publikum fast schon elektrisiert vom Auftritt der 2-Mann-Band. E sang mit seiner rauen unverwechselbaren Stimme vom alles erdrückenden Weltschmerz und gleichzeitig von der Schönheit all der kleinen Momente im Alltag, die einem Sinn und Hoffnung spenden.

 

Ein Höhepunkt stellte die Darbietung von Flyswater dar, welches in den letzten drei Minuten zu einem Freestyle-Schlagzeug-Battle der zwei Hauptakteure avancierte. Als Mr. E I like birds und I want to protect you anstimmte, wippte das Publikum wild mit und man hatte in einigen Momenten den Eindruck, dass viele der Anwesenden ihre Sitzgelegenheit am liebsten in die Ecke der Muffathalle geschmissen und sich tanzend vor die Bühne geworfen hätten.

 

Mr. E nahm sich zwischenzeitlich immer wieder Pausen und schickte „the chet“ ans Mikrophon, um aus dem Everett´schen Buch „things the grandchildren should know“ vorzulesen. Nach fantastischen 90 Minuten „melancholischer Heiterkeit“ beendeten die eels unter frenetischem Beifall des Publikums mit der zweiten Zugabe P.S.you rock my world das Konzert.

 

Wenn man beim Verlassen der Muffathalle in die Gesichter der Konzertbesucher blickte, konnte man feststellen, dass die Leute selten so ein skurriles, intensives und gleichzeitig wunderschönes Konzert gesehen haben. Diese Freundschaft wird ewig halten. (Frank Münschke)


(11.03.2008)




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