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Me First And The Gimme Gimmes: Wiesbaden
Saturday, 21 July 2007 22:58

me-first-and-the-gimme-gimmDie Grenzgänger des Punk - Me First and the Gimme Gimmes rocken beim Wiesbadener Juni-Konzert. Mirjam Miethe vom LAXMag war mit dabei.

 

Ein Cover hat grundsätzlich immer etwas von einer Collage: verschiedene Elemente werden zusammengefügt und erhalten im besten Fall einen neuen und spannenden Zusammenhang. Bei einem Song bringt jeder Interpret seinen zeitlichen und musikalischen Kontext in die Neuaufnahme mit ein. Und krasser als bei Me First and the Gimme Gimmes geht dies wohl kaum noch.

 

Bereits seit 1995 treffen sich Spike Slawson (Swingin’ Utters), Fat Mike (NOFX), Chris Shiflett (Foo Fighters), Joey Cape (Lagwagon) und Dave Raun (ebenfalls Lagwagon) für wildes Punk-Covern von All-American-Classics wie Neil Diamond, Elvis und diversen Musicals. Schnell folgen Singles und überraschend erfolgreiche Alben wie Have a Ball 1997 (mit Showtunes Titeln), Blow in the Wind 2001 (inclusive „Summertime“) und Take a Break 2003 (R’n’B). Die Fans sprechen schnell vom Kult und sind wohl in Bezug auf die Beharrlichkeit, mit der diese Coverband ihren Stil auf immer neue Musik-Genres ausweitet, nicht ganz unwichtig.

 

Dieses Jahr gab es die Gimme Gimmes gleich zweimal für deutsches Publikum, neben dem Auftritt beim Hurricane Festival auch im Wiesbadener Schlachthof, ganz nobel in der großen Halle und mit Vorgruppe (TAT). Egal ob Festival oder indoors - die Jungs aus San Fransisco machen Spaß, grundsätzlich und durchgängig. Das aktuelle und sechste Album Love Their Country widmet sich eingehend der Countrymusic a la Johnny Cash und Dixie Chicks und dem entsprach dann auch das Bühnenoutfit (Cowboyhüte und türkise Hemden).


Zurück zu der Wirkung von Covern: Ganz fehl am Platz ist jede Scheu vor anerkannten Klassikern aber auch vor Liedern, die vielleicht zu „low“ erscheinen. Erst wo die Gimme Gimmes wirklich kurz entschlossen Stairway to Heaven neben I Believe I Can Fly stellen, entwickelt sich ihr eigentliches Potential. So wird schnell klar: Punk-Rock kann sich letztendlich allem bemächtigen (so ähnlich wie Pop Art). Zu Don’t Cry for Me Argentina und Joleen von Dolly Parton wollten wir doch eigentlich alle schon mal so richtig abgehen, anstatt bemüht traurig zu werden. Und da war es dann auch niemandem mehr peinlich, den Text von Mandy (Barry Manilow/Westlife) auswendig mitgrölen zu können.


Die (zum Teil wirklich von weit angereisten) überzeugten Gimme-Anhänger ließen sich ebenso wenig bitten wie die Band selbst. Dem hohen „Fun-Factor“ hat die Band dann wohl auch die Bezeichnung Pop-Punk zu verdanken. Ohne Vorspiel oder Zwischenpausen war in Wiesbaden lange nicht klar, ob die wirkliche Party auf der Bühne oder unterhalb stieg. Bei andauernder Dynamik und der leider ziemlich schlechten Luft kam es ganz recht, dass kaum länger als eine Stunde gerockt wurde. Schade allerdings trotzdem, weil aus dem Gimmes-Fundus natürlich so mancher Lieblingssong nicht mehr ausgepackt wurde.


Das verschwitzte Fazit: Auch wenn die Alben sich gut hören lassen, sind die Gimme Gimmes eine absolute Konzert-Band. Trotz der gewagten Kombinationen wirkten die Songs nie beliebig ausgewählt und immer mit vollem Einsatz gespielt. Letztendlich ist das wohl der essentielle Anteil, der darüber entscheidet, ob das Cover-Konzept auch Erfolg hat, vgl. The Boss Hoss oder in umgekehrter musikalischer Richtung „The King“, der Nirvana im Elvis-Style covert. (Mirjam Miethe)


(Juni 2007)




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