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Molotov Jive: München
Wednesday, 19 March 2008 03:10

Take That auf Schwedisch: Molotov Jive
In München gibt es ein paar sehr hübsche, 16-jährige Mädchen und sie alle waren am 18.03. im Atomic Cafe, um dem Schweden-Export Molotov Jive zu huldigen. Hier ließ sich ganz exemplarisch die neue Generation des Indie-Rocks studieren. Ein Grund für unsere Redakteurinnen Mirjam Miethe und Eva Deinert diesem Phänomen nachzugehen.

 

 

Es sah von Anfang an alles ein bisschen nach Klischee aus. Die Liebhaber schwedischen Rocks a la Mando Diao und Sugarplum Fairy waren eindeutig an ihren tief ins Gesicht fallenden Ponys, dem entsprechenden Schuhwerk mit weißen Schnürsenkeln und dem lässigen Blick zu erkennen. Die überzeugten Fans hingegen waren alle noch ein bisschen jünger und noch ein bisschen besser im Trend gestylt. Auch die Mainzer Vorband Auletta machte da keine Ausnahme: ganz in Schwarz und eng anliegend gekleidet, kokettierten die vier Jungs mit weißen Halstüchern, dynamischen Frisuren und auch schon mit etwas Brustbehaarung. Musikalisch gab es einen ganz harmonischen Mix aus Wir sind Helden, Revolverheld und Echt (falls die noch ein Begriff sind). Offener und ehrlicher Enthusiasmus konnte das Publikum durchaus anstecken, wie es sich eben für eine Vorgruppe gehören sollte. Das Repertoir, das die Rheinlandpfälzer aufweisen konnten, war jedenfalls beachtlich. Eine Band zum Vormerken, denn man läuft ihnen sicher noch über den Weg.

 

Der Auftritt des Hauptacts, Molotov Jive, wurde eingeleitet mit einem hohen Kreischfaktor sowie durch ein Handy- und Digicam-Blitzlichtgewitter. Die vier Jungs mit den schönen schwedischen Namen Anton, Anders, Oskar und Johan lassen sich ganz offensichtlich gern feiern. Die richtige Einstellung bringt vor allem Sänger Anton Annersand mit: nachlässig gewaschenes, schulterlanges Haar, Silberohrring, Uniformjacke und die typischen ruckartigen Kopfbewegungen. Die Band, die sich 2003 gründete und seit der Veröffentlichung ihres Debüts When it’s all over, I’ll come back again 2006 ihren Bekanntheitsgrad stetig über die Ländergrenzen hinweg ausbreiten konnte, lebt scheinbar für den Moment. Gleich mit dem ersten Lied und dann so richtig mit Weight (Off My Shoulder) powerten sie ohne Rücksicht auf Publikum und Puste drauf los. Einem solchen offensiv musikalischen Selbstbewusstsein kann man sich, selbst bei aller Skepsis, kaum entziehen.

 

Zwischen typisch nach Schwedenrock klingenden Liedern wie Rich Girls Game und Here Comes the Flood erzählteAußer Rand und Band: Warum schützt niemand unsere Kinder vor den schwedischen Rattenfängern? Anton gern und viel, von Anekdoten bis zu auswendig gelernten deutschen Floskeln, und suchte immer wieder den direkten (Körper-)Kontakt zum Publikum. Das Bild war sehr eindrücklich, eine feste erste Front von eingefleischten weiblichen Fans, die gerne Groupies sein wollten und zwei Stufen höher, zum Greifen nahe, die Jungmusiker, die gerne Rockstars sein möchten. Ab Mitte des Konzertes kam das vorher noch recht gesittete weibliche Publikum, das zuvor noch die Ausweise am Eingang abgeben musste, dann aus sich heraus. Zu Valentines Day war jede Hemmschwelle überwunden und so schwappte die Mädchenwelle immer bedrohlicher in Richtung Bühne, nur um schließlich bei Made in Spain das ein oder andere Mädel auf Boxen bzw. zu Füßen der Band zu spülen. Ein paar Mal konnte Sänger Anton nicht widerstehen und tauchte sogar selbst in die Fluten ein.

 

Ein kurzer Gedanke, ob sich eine solche Band vielleicht nicht ernst genommen fühlen mag, angesichts der vielen kreischenden Girls, verschwand sofort. Diese Schweden lieben ihr Leben als Musiker und alle Annehmlichkeiten, die es so offensichtlich bringen mag.


Der Traummann ist zum Greifen nah - zwei weibliche Fans beim Dahinschmelzen
Aber zurück zur temporeichen Musik, welche solide, aber nicht inspiriert genug war, um aus den vielen Auftritten von New-Comer-Konzerten heraus zustechen, die dieses Jahr auf der Atomic-Bühne statt fanden und noch finden werden. Bezeichnend dafür mag auch sein, dass eine der besten Performances „nur“ ein Cover war: Friday I’m in Love spielten die Schweden in ihrer Zugabe unglaublich beeindruckend, für eine neue Generation eben. Viel falsch machen können Molotov Jive mit ihrer Herkunft und ihrem Stil sicherlich nicht. Und im Endeffekt wird sich auch keiner über den Abend beschweren, weder die Kids, die ihre Idole feierten, noch die anderen, die die Show ein bisschen distanzierter betrachteten und schon gar nicht die gefeierten Idole selbst. Man sieht sich wieder bei The Wombats oder im Sommer bei Rooney. (Mirjam Miethe)


(18.03.2008)




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