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The National Bank: München
Wednesday, 02 April 2008 23:16

The National Bank im Atomic
Schwedische Bands gehören im Atomic Café zu den Stammgästen. Aus dem Nachbarland Norwegen hingegen verirren sich seltener Bands vor den silbernen Vorhang. The National Bank repräsentieren dafür auf knapp 90 Minuten kompromiert von a-ha-Synthie-Pop bis modernem Jazz an einem einzigen Abend alles, was man typischer so mit norwegischer Musik verbindet - Black Metal mal ausgenommen.

 

Als die ersten Akkorde von Home von der Bühne schweben, ist diese noch menschenleer, ein gesampeltes Intro lockt die fünf Musiker erst auf die Bühne. Noch gibt der Song sich täuschend als sanfter Folksong aus, schaltet im nächsten Moment jedoch auf doppeltes Tempo und biegt schließlich auf ein satte Disco-Funk-Endgerade.

Das ist die gängige Route für die meisten National-Bank-Songs: Die Band um den Folk-Songwriter Thomas Dybdahl legt sich dessen einfachen, poppigen Mid-Tempo-Melodien als Grundlage und bewegt sich darauf unberechenbar in jede gewünschte musikalische Richtung. Von einer Sekunde auf die nächste schlagen die Songs komplett in andere Genres um, ausgeschmückt durch eine endlose Palette instrumentaler Farben - wann verirrt sich schon mal eine Bassklarinette ins Atomic - und rausgeschleudert in einer Virtuosität, dass einem schwindelig wird.

Dass diese Burschen sowas drauf haben, verdankt sich natürlich einem soliden Jazzbackground. Drummer Martin Horntveth, Gitarrist Lars Horntveth und Keyboarder Morten Qvenild spielen auch in der Experimental-Nu-Jazz-Band Jaga Jazzist, doch den Vorwurf, dass Jazzer als verkopfte Frickler keinen straighten Pop raushauen können, kann man bei dieser Band stecken lassen. Songs wie der knochentrockene Al-Green-Soul „Family" sind konzentriert und knackig, Let Go und erst recht What Is Left taugen sogar als veritable Indie-Pop-Hymnen von Coldplay-Format.

Nur kann es bei dieser Band eben vorkommen, dass zum Beispiel Morten plötzlich mit einem gnadenlosen Synthiesolo ausreißt und die anderen in einen Improvisationsstrudel mitzieht. Gerade in diesen langen instrumentalen Jams, die viele der Songs beschließen, blüht die Band auf. Von allen Seiten schießen transparente Sounds quer über die Bühne, es funkt und brennt an allen Ecken, bis sich dann doch wieder alles in geregelte Pop-Songbahnen lenkt oder aber in ein apokalyptisches Synthie-Lärm-Gewitter abgleitet.

Wenige Bands wandeln so stilsicher zwischen Folk, Fusion und Pop, beziehen sich unerschrocken und ohne Ironie auf 70s-Legenden wie Steely Dan oder Yes und schaffen es trotzdem, das Publikum zu guter Letzt einen hartnäckigen Ohrwurm (nämlich Come On Over to the Other Side) mit auf den Heimweg zu geben. Christian Schober


(01.04.2008)




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