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Danko Jones: München
Sunday, 13 April 2008 23:48

Danko Jones live in München
So viel rohe Energie, so viel primitives Sexappeal, so viel kompromissloser Rock'n'Roll! Jedes Wort, das bisher über die fantastischen Live-Acts der Hardrocker Danko Jones geschrieben wurde, stimmt. Wer nur ansatzweise etwas mit ihrer Musik, einem mehr oder weniger zeitlosem Rock nach Art von Thin Lizzy, Kiss oder AC/DC, anfangen kann, darf sich ein Konzert der Kanadier nicht entgehen lassen. Das bewies ein weiteres Mal ihr Auftritt im Münchner Club Backstage.

Zum Reinhören: First Date

 

Never too loud heißt das mittlerweile vierte Album der drei Rüpelrocker aus Toronto, und selbstverständlich ist der Titel Programm. Aber alle Lautstärke der Welt wäre nichts wert ohne das wüste Gebahren des charismatischen Frontmanns Danko Jones, der seinen animalischen Trieben auf der Bühne stiernackig und schwitzend freien Lauf lässt. Auch in München hat sich nichts daran geändert. Wie immer trägt Danko sein edles schwarzes Bühnenoutfit, das einen reizvollen Kontrast zu dem kahlrasierten Schädel und den groben Gesichtszügen bildet.

 

Breitbeinig drischt er auf seine Gitarre ein und lässt derart obszön die lange Zunge kreisen, dass Kiss-Sänger Gene Simmons blass vor Neid würde. Dankos Fans, die ihn anbeten, hat er fest im Griff. Eine klassische Danko Jones-Aufforderung zum Mitsingen klingt in etwa so: „The next fucking song is fucking easy so each fucking baby can sing along with me." Sein spezielles Willkommen gilt allen „hot ladies" im Saal, und gerne nimmt er die ersten Reihen vor der Rampe der Bühne auf den Arm. Lässt sie Songwünsche schreien, nur um darauf zu antworten: „We do it in the old punkrock way and play none of these songs." Dann lacht er diabolisch, greift sich in den Schritt und legt mit der nächsten Classic-Rock-Nummer los.

 

In Spoken Word-Performances predigt Danko zur Begleitung von Drummer Dan Cornelius und Bassisten John Calabrese von dem Tag, als er auf einen Berg stieg und gemeinsam mit Johnny Cash und James Brown auf die Welt hinab sah. Unbarmherzig rau und schonungslos vulgär singt er vom Rummachen auf dem Rücksitz und dem Mädchen, das er im White Cadillac vernascht, während ihr Freund in seinem Truck eingesperrt ist. In Interviews verkündet er übrigens, das man schließlich nur von Sachen singen könnte, die man schon erlebt habe. Gut gebrüllt, Löwe!

 

Rückblende: Wenige Stunden zuvor, beim Interviewtermin, backstage im Backstage sozusagen. Warten auf Danko Jones im Aufenthaltsraum. Vielbeschäftigte Leute gehen ein und aus. Und endlich, der Türspalt zur Garderobe gibt einen kurzen Blick frei auf den charismatischen Leadsänger. Das ungezogene Bühnenkraftpaket steht wenig glamourös mit Zahnseide vor dem Spiegel! Kurz darauf betritt Danko Jones mit Waschbeutel den Interviewraum, doch bevor es eine Gelegenheit gibt, seine Aftershave-Marke zu erspähen, steckt er die Tasche zurück in seinen Rucksack. Seine Stimme ist heiser, oder ist er verschnupft? Er ist kleiner und schmaler als erwartet. Seine Ohrringe sind wesentlich kleiner als die martialischen Dinger, die er bei den Konzerten trägt. Statt im schwarzem Nobelzwirn stecken seine Beine in verwaschenen Röhrenjeans. Im Gespräch ist Danko ganz routinierte Aufmerksamkeit, sagt Bitte und Danke und schüttelt verständnislos den Kopf über unhöfliche Menschen, die immer wieder die Tür zum Aufenthaltsraum offen stehen lassen. Doch hundertprozentig wohl scheint er sich nicht zu fühlen, wie er sich so in den Stuhl kauert und den Sweater enger um sich zieht.

 

Wer hätte gedacht, dass derselbe Mann am Ende des Tages explodieren würde wie eine Mischung aus Testosteron und Dynamit! Es scheint, als sammle Danko Jones seine gesamte Energie, um abends auf die Bühne zu stürmen und mit geschwollener Halsschlagader „Are you rock'n'rollish?" in die aufgeputschte Menge zu brüllen. Wer dazu noch nein sagt, ist selber schuld. Petra Schönhöfer


(12.04.2008)

 

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