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The Long Blondes: München
Thursday, 08 May 2008 02:38

The Long Blondes
„Look at us, we used to rip of The Fall, we rip of Eno now", bekennen The Long Blondes auf ihrer MySpace-Seite, und tatsächlich ist auf dem aktuellen Album der Band aus Sheffield nicht mehr so viel vom punkigen Wave-Rock ihres Debüts übrig. Stattdessen werden statisch-fragile Synthesizer in minimalistischen Songs auf dem im April erschienenen Couples groß geschrieben. Wie das Ganze live klingt, hörte unser Redakteur Christian im Atomic Café.

 

 

Mit ultrakurzen Hotpants und schwarz-weiß-geringelten Shirt sieht Sängerin Kate Jackson aus wie ein lebendiges 50er-Jahre-Pinup-Model. Beim ersten Song, Round the Hairpin, dreht sie ihre Runden zwischen Mikro, Snare-Drum und Synthesizer. Umringt von ihrer Band steht sie in der Bühnenmitte, affektiert gestikulierend, in eine unnahbare Aura gehüllt, den Blick immer halb verschleiert über die Köpfe des Publikums im ordentlich gefüllten Atomic hinweg gerichtet.

 

Ihre geschliffene, wie perfekt durchchoreographiert wirkende Bühnenshow erscheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich zum zackigen, leicht schluddrig herausgeschleuderten New-Wave-Indie-Rock der Band. Vor allem die neuen Songs der Band wie Century und I Liked the Boys sind in ihrem Minimalismus gleichzeitig vielschichtig und elegant, mit ungewöhnlichen Harmonien und Sounds. Auch wenn dem Refrain manchmal nur eine einzige Gesangsnote genügt, brodelt es darunter mit dreckig verzerrten Synthie-Linien und den die Songs steif voranpeitschenden New-Wave-Beats von Drummer Screech Louder

 

Gitarrist Dorian Cox liefert als perfekter Prototyp des unterkühlt-empfindsamen Neo-60er-Jahre-Dandys à la Jarvis Cocker im knallengen Blümchenhemd den perfekten Kontrapunkt zu Kate. Der Mann tänzelt filigran wie ein 17-jähriger chinesischer Kunstturner über die Bühne und verbindet sogar das Treten der Effektpedale mit rhythmisch perfekten Einlagen auf Zehenspitzen. Als Linkshänder hat er sich angewöhnt - typisch Autodidakt - seine Gitarre einfach umzudrehen und mit falsch herum aufgespannten Saiten zu spielen. Bei jedem Anschlag erklingen so die hohen Saiten zuerst, was genau den typischen klirrig-scharfen Sound der Band produziert.

 

Bassistin Reenie Hollis wedelt dazu nonchalant über ihre Bass-Saiten, eigentlich fast lustlos, leicht genervt, so als müsste sie auf der Party nüchtern bleiben, um ihre Freunde später nach Hause zu fahren. Doch so schnell kommt sie hier nicht weg. Mit Songs ihres Debüts wie Once and Never Again und Never To Be Repeated föhnt die Band nochmal ordentlich rein, bevor sich The Long Blondes mit diesem letzten Konzert ihrer Tour vorerst von deutschen Bühnen verabschieden. (Christian Schober)


(07.05.2008)




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