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Jane Hurricane and The Fonxionaires: München
Tuesday, 13 May 2008 12:05

Gehen ab wie Alkopops:Jane Hurricane and The Fonxionaires
Der Shingaling, der Boogaloo und der Philly sind keine neuen Alkopops. Es sind Modetänze, die zur Soulmusik der sechziger Jahre getanzt wurden. Dabei ging es heiß her, denn Paartanz war gestern und auf dem Floor wurde nach Leibeskräften geshaket, getwistet, gebumpt und geboogiet. Tanzkurs gefällig? Jane Hurricane and The Fonxionaires luden ins Münchner Atomic Café, um zum schwarzen Originalsound mobil zu machen. Ladies and Gentlemen: Shake your tail feathers!

 

 

Dieses Line-up sprengt nahezu den Rahmen der kleinen Bühne im Atomic. Denn wie es sich für eine ordentliche Soul-Combo gehört, reisen The Fonxionaires mit nicht weniger als acht Musikern an. Saxophon, Trompete und Orgel ergänzen den üblichen Aufbau einer Rockband. Markenzeichen der Retro-Schweizer: die unterschiedlichsten Kopfbedeckungen zum ansonsten offiziell schwarzen Abendanzug. Wie es sich außerdem für den Soul gehört, haben die Bandmitglieder alle funky Künstlernamen wie Schlagzeuger Brooklyn Bitch etwa, Gitarrist Hard Workin' Mista Dynamite oder Saxophonist Stu Stiffler. Wie sie so beieinander stehen, fallen einem gleich die Commitments ein, jene beseelten Chaoten aus dem Film von Alan Parker, die den Soul in die 1990er retteten.

 

Mit den für den Soul typischen Instrumentals in Big Band-Manier eröffnen The Fonxionaires dann auch den Abend: Jazzig, swingig, bluesig, mit Orgel und schrillem Bläsereinsatz sorgen sie für das Warm-up mit authenischem Sixties-Feeling. Dann betritt Frontmann Smokey Brooks mit großer Sonnenbrille und Schiebermütze die Bühne. Einem Enkel von James Brown gleich hat er sein Publikum schnell im Griff. Andere Hautfarbe? Kein Problem! Mit musikalisch untermaltem Sprechgesang feuert er die tanzende Menge vor der Bühne an und gibt selbst ein paar Kostproben seines Könnens.

 

Doch noch ist die Crew nicht komplett, wir warten auf Jane Hurricane, die ihren Namen nicht umsonst trägt. Als schwarze Sängerin hat sie genau das raue Stimmorgan, das den Fonxionaires noch fehlt. Ihre Lieder handeln, wie soll es für den Soul anders sein, von enttäuschter Liebe, aber auch von purer Lebensfreude: Tell Mama, Gimme Gimme, Do you love me. Entsprechend legt Jane Hurricane souliges Gefühl oder puren Rock in ihre Stimme, in ihre ganze Performance. Sie fegt tatsächlich wie eine Naturgewalt über die Bühne. Beherrscht die notwendigen Tanzstile, schwingt ihr Hinterteil, segelt mit den Armen und besser: Sie lehrt das alles ihren Fans. Schon mal den Frog oder den Monkey Slide ausprobiert? Niemand verlässt das Atomic an diesem Abend, ohne neue Moves gelernt zu haben.

 

Ein paar Cover aus der guten alten Zeit fehlen nicht, doch The Fonxionaires machen nicht den Fehler, sich an den erst besten Hits von Diana Ross zu vergreifen. Stattdessen interpretieren sie den psychodelischen Hippie-Hit von Kenny Rogers My condition neu oder lassen das Publikum zu Cool Jerk von The Capitols gröhlen. Die Beine stehen nicht still bei dieser „Garage-Variante einer Ghettochurch-Afterhour in den Sechzigern", wie es die Frontfrau Jane Hurricane ausdrückt. Und Amen, wir sagen es Euch: Der Soul war zurück in der Gemeinde an diesem Abend - und er forderte von seinen Jüngern alles. (Petra Schönhöfer)


(10.05.2008)




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