 Sie gehören momentan zum Common Sense im aktuellen Independent-Musikdiskurs, das sieht man allein schon an der hohen Dichte an modischen Indie-Accessoires: Schachbrettmuster, Röhrenjeans und Haarspangen. Da, wo Leggins auf Lederjacken treffen, ist Vampire Weekend. Die vier New Yorker Jungs sind mit ihre Mischung aus kongolesischen Rumba-Klängen, College-Gitarren, 60er Jahre-Beats und flegelhaftem Pop-Habitus momentan vielleicht das größte Musikphänomen abseits sowohl des Mainstreams, als auch des gängigen Szene-Geschrammels. Vergangenen Freitag gastierten Vampire Weekend mit ihrem gleichnamigen Debütalbum in München.
Das Publikum, eine Mischung aus Philosophen-Kolloquium und „Süddeutschland sucht die Superindiefrisur“. Die Jungen tragen die Haare sorgsam in die Stirn gestrichen, die Mädchen einen asymmetrischen Fransenschnitt. Urbane Hipster sind Vampire Weekend aus New York bestimmt zur Genüge gewöhnt. Ezra Koenig, Rostam Batmanglij, Chris Tomson und Chris Baio wirken jedoch wie eine Antithese zu diesem Metropol-Gehabe. Man gibt sich so wenig lässig wie möglich: Getragen werden ausgeleiherte Lacoste-Polos und auch sonst verströmen Vampire Weekend nur ganz wenig von dem großen Rock’n’Roll Glamour. Sänger Ezra Koenig wirkt wie ein Golfer, der unrasiert und in Schabberklamotten zu einem Tunier erscheint, weil er sich der Bewunderung aller ohnehin sicher sein kann. Sein Auftreten hat eher etwas von dem Konzert in einer Verbindungs-Villa auf einem Uni-Campus.
In den Songs von Vampire Weekend, die sich an der Columbia University kennengelernt haben und seit 2006 zusammen spielen, dreht sich viel um Massachusetts und New York. So haben sie etwa der Buslinie M79 eine Hommage geschrieben. Und bekämen nicht nur Fußball-EM und Oktoberfest eine Hymne, sondern auch der Sommer, Vampire Weekend hätten gleich ein halbes Dutzend davon in ihrem Repertoire.
Ihr Konzert ist aus dem schnuckeligen Klub Atomic Café in die Kleine Elserhalle verlegt worden. Trotzdem erinnert das Gequetsche im Publikum an ein Spiel, das man als Kind in der Badewanne öfters wiederholt hat: Kleinere Seifenblasen werden zu einer großen zusammengeführt, bis sie letztlich platzt. Immer wieder drängen Menschen von den Rändern in die Mitte. Kurz vor „A-Punk“ steht die Menschenmenge dann vor dem Kollaps. Zu diesem Song haben Münchner Klubbesucher vor Monaten als erste getanzt, in dieser Stadt wurde A-Punk als erstes zu einem Tanzflächenfüller. „Twist, Polka oder casual Headnut“ schlägt Koenig als den probaten Stil vor. Dann landet aus Zuschauerhänden eine Kappe mit rotem Plastikschirm auf der Bühne. Koenig setzt sie sich schräg auf und fängt an zu kreischen: Springbreak 2004, ein paar Sekunden Indie-Ballermann.
Mit Einflüssen aus Merengue und Reggae sorgen Vampire Weekend aber auch für andere Absurditäten: Ein Mädchen, das gerade noch extatisch in der Luft die Elastizität ihrer Armgelenke überprüft hat, steckt sich nun eine Zigarette an. Viele um sie herum ziehen den blauen Rauch dem Dunst in der Halle vor. Schnell geht der Glimmstängel im Kreis herum, als würde man mit Bob Marley bei einer Runde Marihuana sitzen. So sieht Zigaretten-Sozialismus in Zeiten allgemeines Rauchverbots also aus.
Mit Drogen haben die vier Jungs von Vampire Weekend jedoch nichts zu tun, das muss man schwer annehmen bei einer Band, die mit Oxford Comma auch Lieder über Zeichensetzung macht. Ezra Koenig traut man eher ein Lachsschnittchen zu, vielleicht noch einen guten Weißwein. Mit Cape Cod Kwassa Kwassa hat er in Anlehnung an einen afrikansichen Tanz einen Titel geschrieben den der Rolling Stone für eine Liste der besten Songs 2007 ausgewählt hat, und das einige Zeit, bevor das Debütalbum von Vampire Weekend überhaupt erschienen war. Zu verdanken war dies dem gewaltigen Internethype um die Band, jedes einzelne der Stücke bei Myspace ist mittlerweile weit über eine Million Mal gespielt worden. Mal sehen, wie lange dieses Hoch anhält, denn in der Musikbranche wandeln sich Geschmackslinien sehr schnell. Der einzige stabile Trend in der Indie-Szene sind Schachbrettmuster, Röhrenjeans und Haarspangen. (Florian Zick)
(23.05.2008)

|
Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...