Die Hochkultur der Subkultur.
Home icon Home»Live»Dinosaur Jr.: München
Dinosaur Jr.: München
Saturday, 24 May 2008 12:58

Alt geworden: Dinosaur Jr. in München
Woran merkt man, dass ein Band fast zwanzig Jahre nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stand? Daran, dass man nicht weiß, was man auf ihr Konzert anziehen soll. Okay, vielleicht ist das ein typisch weibliches Problem, aber woher bekommt frau jetzt so schnell noch eine zerrissene Jeans und ein Holzfällerhemd? Das war nämlich der angesagte Look, damals Ende der achtziger Jahre, als Dinosaur Jr. sich im Noise Rock noch einig waren. Ihre Reunion in der Münchner Muffathalle war nicht nur aus modischen Aspekten ein Ereignis.

 

Zunächst einmal war es aber einer der seltenen Abende, an denen der Support ein mindestens genauso großes Hallo produzierte wie der Top-Act. Awesome Color aus Michigan musizieren vielleicht so, als seien sie gar vierzig Jahre nicht mehr gemeinsam auf der Bühne gestanden, doch für das bevorstehende Jubiläum des Sommers der Liebe gibt es keinen besseren Soundtrack. Gerade erschien ihr Debütalbum Electric Aborigines voll psychodelischer Garagerock-Nummern im Stil der frühen Stooges um Iggy Pop. Mit ihrer knabenhaften Schlagzeugerin Allison Busch, die gnadenlos auf ihre Trommel eindrischt und nur zum Bier trinken Luft holt, und dem Hendrix-Jünger Derek Stanton an der Gitarre sind Awesome Color ein Live-Geheimtipp.


Doch zurück zu J. Mascis, dem Chef von Dinosaur Jr., der die letzten beiden Jahrzehnte damit beschäftigt war, seine Bandkollegen Lou Barlow und Murph in beliebiger Reihenfolge zu feuern und wieder einzustellen. Ach ja, und 2007, als sich dann alle wieder zusammen gerauft hatten, produzierte er außerdem die viel beachtete Comeback-Platte Beyond, das erste gemeinsame Album nach dem ebenso viel beachteten Bug von 1988.


Wenn man den extrem introvertierten Musiknerd mit seiner blondsträhnigen Loreley-Frisur auf der Bühne beobachtet, sieht man in ihm eher die amerikanische Antwort auf Gildo Horn und kann man kaum glauben, was für ein Bandtyrann in ihm stecken soll. Musikalisch agierte er jedenfalls ganz friedlich mit seinen Kollegen, wenn es ansonsten auch so aussah, als sei jeder in seiner eigenen Welt unterwegs. Ansagen an die Fans? Mangelware. Einzig das hellgrün-glitzernde Schlagzeug von Murph wirkte ein bisschen extrovertiert.


Aber so sind Dinosaur Jr.: Statt Worte lassen sie eben Gitarren sprechen, und das satt. Wer den Turm von Marshall-Amps auf der Bühne nur sah, kramte bereits hektisch nach seinem Oropax. Das hat sich übrigens in den letzten zwanzig Jahren geändert. Ungeachtet dessen boten Dinosaur Jr. all das, was sie vor zwei Jahrzehnten schon am besten konnten: Krach-Riffs von fragwürdig gestimmten oder schwer schleppenden Gitarren wie in It's Me, bisweilen zersetzt von absurd langen Soli. Düstere Balladen nach Art des neuen We're Not Alone, Uptempos wie das ungewöhnlich heitere Almost ready und natürlich beliebte Klassiker wie das The Cure-Cover Just like heaven.


Wenn man das Publikum so betrachtete, lag das Fazit nahe, Dinosaur Jr. mache vor allem Musik für Männer. Na, wenigstens haben die nicht das Problem mit den Klamotten. (Petra Schönhöfer)


(23.05.2008)




Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 

Kommentare