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Five! Fast!! Hits!!!: München
Saturday, 11 October 2008 22:00

Münchner Indie-Urgesteine: Five!Fast!!Hits!!!Five! Fast!! Hits!!! haben zwei Neue. Wieder mal. Wenn die 2005 gegründete Münchner Indie-Sensation so weiter macht, verbraucht das Quartett bald mehr Drummer als Spinal Tap. Auf einem ihrer ersten Gigs in der neuen Besetzung mit Nick am Bass und Alex am Schlagzeug beweisen die Jungs im Bandwohnzimmer Atomic Café jedoch, dass sich der Umbau so was von gelohnt hat.

 

Zu Jump von Kriss Kross betreten die vier Musiker die Bühne. Sänger Raffi, in schwarzem Polohemd, schwarzen Röhrenjeans, schwarzen Hosenträgern, legt sich eine seiner altmodischen Beat-Gitarren vor den Bauch. Die ersten drei Songs - ohne Ansagen aneinander gereiht - sind ein Statement. Der Sound ist fantastisch. Druckvoll und kompakt sitzt bei diesem neuen Line-Up jeder Schlag und das auch bei den typisch rhythmisch komplexen Songs wie Do That Thing, in denen die Takte auf schwindelerregende Weise gedehnt, verschleppt, gekürzt und zerhackt werden.

 

Mit Sänger Raffi, Gitarrist Gregor und Bassist Nick verfügt die Band jetzt quasi über eine Drei-Frontmann-Besetzung in Beatles-Manier; die beinahe gleichstarken Sänger legen fette Harmonien und Frage-und-Antwort-Stimmen und können sich dabei erlauben, von Mikro zu Mikro durchzuwandern. Die Vier spielen sich zügig durch die Songs ihrer bisherigen Veröffentlichungen For A Fiver und Brothers From Different Mothers, so als könnten sie es gar nicht erwarten zum frischen Material vorzustoßen, lassen aber auch Favoriten wie Station, Primal Scream Therapy und Mr. Marone in altem Glanz und mit neuem Dreh erklingen.

 

Dabei glaubt man kaum, dass die vier Musiker erst seit knapp drei Monaten zusammenspielen, so tight und eingespielt klingt die Formation. Im Juni verließen Bassist Lucas und Drummer Flo die Band. In Freundschaft, wie beteuert wird. Frank, der einige Monate vorher die Drumsticks weiterreichte und mit Gregor noch in Elektrik Kezy Mezy aktiv ist, verfolgt die Show von den ersten Reihen aus, und manchmal sieht es so als würde er noch für einen Song einsteigen. „Kannst du's noch?", fragt Raffi, der zusammmen mit Gregor als einziges Mitglied seit der Bandgründung 2005 dabei ist.

 

Vielleicht um den Neuanfang zu unterstreichen, hat sich Gregor von seiner endlos irritierenden Ein-Auge-Frisur getrennt und eine blaue Noel-Gallagher-Gitarre geleistet. Nun steht er mit halblangem Haar, schwarzem Hemd, gelber Krawatte, weißen Schuhen und einer monströsen Schlaghose, die roter nicht sein könnte, auf der Bühne und wirkt und spielt frischer den je. Der Typ ist wahrscheinlich die unterhaltsamste Bühnenpersönlichkeit der Stadt: Wie Dirigent und Bandclown in Personalunion beherrscht er die Bühne, wild gestikulierend und Grimassen schneidend. Saitenzupfen sieht in diesem Fall zweifellos wie verdammte Schwerstarbeit aus, scheint aber auch Spaß zu machen wie nichts anderes - außer vielleicht ihm zuzusehen.

 

„Habt ihr gewusst, dass wir spielen?", fragt Raffi ins ordentlich gefüllte Atomic. Dass bei Five! Fast!! Hits!!! in verlässlicher Weise die hübschesten Mädchen in der ersten Reihe tanzen, dürfte sich bereits rumgesprochen haben. Auch als Stage-Hand beschäftigt die Band eine Frau. Hannah bringt gerne mal eine Runde Jägermeister auf die Bühne. On top bietet das Publikum ein paar griabige Burschen in Lederhosen, die sauber abgehen. Es wird fleißig von der Bühne geprostet, auch mit den Neuen. Trinksprüche inklusive.

 

Die neuen Songs wie Conundrum gehen ebenfalls sauber ab und zeugen davon, wie langsam die alten stilistischen Grenzen fallen. In diesem Song lässt Gregor sein Gitarrensolo mithilfe eines Whammy-Pedals, das typischerweise den Sound von Bands wie Rage Against The Machine prägt, aufjaulen und durch die Oktaven schießen. Nur ein Beispiel, wie sich die Band mehr und mehr aus dem Korsett der Indie-Klischees emanzipiert.

 

Für die Verschnaufpause von Bad Bargain ist man dankbar, freut sich dann aber vor allem auf die restlichen neuen Songs. Einer davon ist der absolute Wahnsinn: „Das wird unsere nächste Single", meint Raffi bevor ein Riff für die Ewigkeit in den Raum knallt. Der genaue Titel des Songs verhallt allerdings an unseren Ohren vorbei in den Weiten des Clubs. Der Stil dieser Nummer geht in eine geradlinige The-Strokes-Richtung, wie man sie so von der Band noch nicht kannte. Dagegen wirkt die letzte Zugabe Got Any Mantras geradezu wie ein antiquiertes Relikt, an das man sich zwar gern zurückerinnert, doch vielmehr auf das freut, was die Zukunft bereit hält. (Christian Schober)


(12.09.2008)




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