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Elbow: München
Tuesday, 04 November 2008 17:42

Elbow live in MünchenGuy Garvey ist im Wahlkampf. Er steigt von der Bühne, schüttelt Hände, wirft Küsse ins Publikum und zeigt mit dem Daumen nach oben. Einen Tag vor der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl gastierte er mit seiner Band Elbow im Münchner Backstage Werk. Die Fans strömten zur Wahlparty. Wohl auch, weil Garvey keine Ausführungen zur Sozialpolitik, sondern das neue Album The Seldom Seen Kid im Gepäck hatte. Zudem ein paar Geschichten aus dem Band-Alltag - auch wenn diese nicht immer an der richtigen Stelle plaziert waren.

 

Auf dem vierten Elbow-Album finden sich einige Passagen mit klassischen Saiteninstrumenten. Wie das wohl live funktioniert, fragt man sich, und bekommt die Antwort in Form dreier, weiß gekleiderter Musikerinnen in der Bühnenmitte. Dort: Zwei Geigen, ein Cello. Garvey degegen trägt schwarz, passend zu seiner Heimat, der schmutzigen Industriestadt Manchester, und passend auch zum Auftrittsort. Im heutigen Backstage Werk wurden früher Gasflaschen abgefüllt, er habe sich erkundigt, sagt Garvey und fügt halb nostalgischen, halb ironischen hinzu: „Amazing."

 

Den Auftakt des Konzerts bilden die Trompeten aus Starlings, dem Stück, das auch The Seldom Seen Kid einleitet. Es folgt Leaders of the Free World, das titelgebende Stück des dritten Albums. Garvey steht mit melodramatischer Geste auf der Bühne, in Band-Shirts gekleidete Mädchen schwingen dazu ihr Haar im Publikum. „The next song is about a marriage in a bus. A marriage, so secret, even the bride didn't know about", mit diesen Worten führt Garvey Great Expectations ein, ein Stück über die Möglichkeit, sich während einer Busfahrt in eine Fremde zu verlieben.

 

Die Situation kenne ja jeder, wenn man abends weggeht, sagt Garvey: Man brezelt sich auf, hat große Hoffnungen, betrinkt sich, kommt wieder alleine heim „and you feel like shit." Keyborder Craig Potter säuselt im Hintergrund bereits „Mondays is for drinking", da stoppt Garvey. „Oh, is that one next?! Okay, let's do this song. It's good anyway." Es folgt Grounds for Divorce, ein Beweis dafür, dass sich Garvey in seinem Lyrikuniversum doch am besten auskennt.

 

Insgesamt sind Elbow lauter und intensiver als auf Platte. Kein Wunder, es ist Rockmusik. Oder etwa nicht? Garvey erzählt von den Wunden, die er auf Tour davon getragen hat: Ein vestauchter Knöchel. Bassist Pete Turner habe sich ebefalls weh getan, als er sich versehentlich in einen Hotelkeller eingeschlossen und versucht habe „to Karate-kick his way out." Schlagzeuger Richard Jupp habe es im Rücken, aber nicht weil er sich beim Liebesspiel verausgabt habe, sondern weil er alleine auf einem Kaffeetisch übernachtet habe. „R-o-c-k-'n'-R-o-l-l", kommentiert Garvey höhnisch. Aber es sind wohl Verschleißerscheinungen, die bei einer Band nach 18 Jahren normal sind.

 

Präsident muss Garvey also gar nicht mehr werden. Er steht bereits eine Kompanie gezeichneter Rockmusiker vor und führt eine Band an, die leider auch nach vier Alben noch nicht die Aufmerksamkeit erfährt, die sie verdient. Florian Zick


(03.11.2008)




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