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The Wedding Present: München
Sunday, 23 November 2008 19:31
The Wedding Present live in München

Mit einem Stempel in Form einer Kassette auf dem Handrücken betritt man das Atomic Café, das trotz Wintereinbruchs vollgepackt ist. Eine Kassette war es auch, die vor über 20 Jahren in den Anfangstagen der britischen Band The Wedding Present eine entscheidende Rolle spielte.

 

 

C86 war der Name dieser Kassette, eine 1986 vom New Musical Express zusammengestellte Compilation, die letztendlich einem ganzen Genre seinen Namen gab. The Wedding Present waren in dieser Sammlung britischer Indiepop-Pioniere mit This Boy Can Wait vertreten.

 

Mit einem ganz anderen frühen Juwel, nämlich Kennedy vom 1989er Album Bizarro eröffnen die Briten um Sänger und Gitarrist David Gedge ihre Show: kratzige, klare Gitarren im Intro, ein brachial übersteuerter Bass, kontrolliert schepperndes Schlagzeug, und das gemeinsame Aufschaukeln zu dichtem harmonischen Lärm: eines der ursprünglichsten und immer noch wirkungsvollsten Rezepte des Indiepop wird hier aus erster Hand eindrucksvoll demonstriert. Dazu singt Gedge mit zusammengekniffenen Augen und stets leicht an die rechte Schulter gelegtem Kopf die Zeile „Lost your love of life? Too much apple pie", die Kennedy wie viele seiner anderen Songs zu bitteren Parodien eines Liebeslieds macht.

 

„This song is from 1987", sagt Gedge an, bevor die Band in My Favourite Dress vom Debütalbum George Best einsteigt. Dass das Publikum genau auf diese Songs gewartet hat - wobei es mit Gone, Crawl, Dalliance und Lovenest noch ausreichend auf seine Kosten kommt - ist unüberhörbar. Es sind mehr ältere Gesichter darunter, als sonst im Atomic. Songwünsche werden jedoch diesmal nicht entgegengenommen, und traditionell wird es ebensowenig eine Zugabe geben.

 

„This is the fifth time we're playing this venue", erinnert sich Gedge und fragt nicht nur, wer bei den letzten Malen da war, sondern auch: „So, which songs did we play then?", bevor er sich in You Turn Me On von Cinerama stürzt. Aus der Besetzung dieser von Gedge gegründeten Band entstand 2004 die zweite Wedding-Present-Reinkarnation mit Chris McConville, der an diesem Abend wegen eines verletzten Fußes im Sitzen Gitarre spielt, Terry de Castro am Bass und Graeme Ramsay.

 

Natürlich tut die Band auch das, wofür sie eigentlich gekommen ist. Das aktuelle von Steve Albini produzierte Album El Rey will promotet werden. Santa Ana Winds, Palisades, und Model, Actress, Whatever und sind weitere brillante Liebeslied-Parodien mit spröden, molligen Harmonien, inspiriert durch Gedges Erfahrungen in seiner neuen Wahlheimat Los Angeles. Leider säuft die Hälfte der zynisch-pointierten Texte im Breitwandgitarrenlärm unwiederbringlich ab. „Ist es dir nicht irgendwie zu schrammelig?", fragt einer der Indie-Pop-Veteranen im Publikum. „Ist es dir nicht eher zu laut?", die Gegenfrage. Und in der Tat, es ist verdammt laut. Immer noch. Christian Schober

 

(22.11.2008)

 




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