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Lapko: München
Wednesday, 17 December 2008 01:18

Lapko in München, festgehalten von Hendrik BallhausenWährend ganz München bei starkem Nebel auf diversen Weihnachtsmärkten Glühwein schlürfte, verpasste es einen gelungenen skandinavischen Konzertabend im Backstage-Stüberl. Zum Glück ließen sich weder Downstairs noch Lapko von der Abwesenheit der Menge so wirklich beeindrucken und spielten auch im ganz exklusiven Rahmen wüst und steinerweichend.

 

Für eine kurze Schrecksekunde sah es danach aus, als ob an diesem Dienstagabend die überschaubar kleine Bühne vielleicht doch unbeseelt bleiben würde. Verdenken können hätte man es wohl nicht. Selten erleben wohl auch die Mitglieder der finnischen Bands Downstairs und Lapko Gigs, bei denen auf einen Musiker zwei Zuhörer kommen. Ein bisschen hat man es beim Start von Asmo, Otto, Eemeli und Topi dann auch gemerkt: Downstairs rocken besser mit deutlicher Publikumsunterstützung. Doch von so viel Exklusivität verschüchtert, blieben die Anwesenden lieber in den hinteren Reihen, die allerdings aus Mangel an Leuten die vorderen Reihen waren. Was wiederum hieß, dass die Jungs viel Platz hatten, um immer mal wieder vor die Bühne zu spucken, ohne jemanden zu treffen.

 

Musikalisch ging es aber doch ziemlich zur Sache. Mit ihrem Debüt-Album Oh Father haben die vier eine wilde Mischung zusammengestellt, die vor allem dann überzeugt, wenn die Elektro-Elemente überhand nehmen, Synthie sei Dank. Aber auch der Punk-Anteil ist gerade live gar nicht schlecht. Songs wie Peephole City oder Pale Cannibals handeln vom Sterben oder auch mal von "space travel". Auf der Bühne legt dann vor allem Sänger Asmo eine Show hin, die schon fast an eine Performance erinnert. Perfekte Einheizer für ein Festival!

 

Nach schnellem Umbau wird es dann ebenso neblig im deutlich unterkühlten Raum wie draußen. Und kurz darauf auch ebenso laut wie vorher bei Downstairs. Lapko steigen mit This is Aggressive Melancholy aus ihrem neuen Album Young Desire gut ein. Scheinbar gelassener (oder professioneller?) nahmen die Herren die Gegebenheiten hin als ihre Kollegen zuvor, was zum Beispiel durch das anfängliche Geplauder von Sänger Malia deutlich wird. Neben weiteren aktuellen Liedern wie Young Desire und Killer Whales gab es auch ein paar ältere Titel wie das sehr eindringliche All the Best Girls.

 

Lapko zeichnen sich auch live deutlich durch ihren Hang zu Kontrasten aus. Die grelle Lichtshow, die Bunteffekte quasi ausschließt, verstärkt den Schwarz-Weiß-Look extrem, den die drei Finnen noch durch blasse Haut und schwarze Kleidung (sowie Cover- und Merchandise-Design) kultivieren. Auch in ihrer Musik treffen sich die Extreme, wenn auf Malias klare und melodische Stimme harte Gitarreneinlagen und ein preschendes Schlagzeug folgen. Trotz der härteren Gangart zwischendrin überwogen an diesem Abend im Gesamteindruck die emotional-melancholischen Anteile, was wirklich eine schöne Sache ist.

 

Auf dem Heimweg war es dann noch kälter, noch nebliger, die Stimmung aber etwas versöhnlicher. Schlaf raubend blieb jedoch die drängende Frage, ob München tatsächlich keine (Nu-)Metal-mäßigen Freunde von nordischem Alternativrock beherrbergt? Mirjam Miethe

 

(16.12.08)

 

 




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