Die Hochkultur der Subkultur.
Home icon Home»Live»Iglu and Hartly: München
Iglu and Hartly: München
Monday, 22 December 2008 00:40

Iglu&Hartly geben alles!

Stell dir vor, du kommst nach vier krassen Festivaltagen zurück und erinnerst dich nur verschwommen daran, dass du abends noch zur Geburtstagsparty deines besten Freundes erscheinen solltest. Entweder kannst du nun kurz anrufen, absagen und ins Bett gehen oder das nächste Bier öffnen und es noch mal viel derber krachen lassen als die Tage zuvor. Iglu&Hartly jedenfalls sind mit dem letzten Konzert ihrer 6-Monate-Tour den zweiten Weg gegangen. Die überschaubare Bühne des Atomic Cafes hat wohl seit langem keinen solchen Exzess mehr erlebt - und das Publikum zumindest in diesem Jahr wohl auch nicht.

 

Zur Begrüßung gab es an diesem Abend erstmal eine ordentliche Portion von Kafkas Orient Bazar. Immer wieder gut und gern gehört, auch schon bevor die Herren im Roman „Becks letzter Sommer“ des literarischen Newcomers Benedict Wells verewigt wurden. Ihm zu Ehren spielten die Münchner Yazar (zu deutsch „Autor“), einen ihrer besten Songs.

 

Daraufhin ließen sich Iglu&Hartly recht viel Zeit mit ihrem Erscheinen. Recht schnell wurde klar, warum. Stock betrunken traten die fünf aus Kalifornien on stage. Die Themen des Abends, nach Sänger und Keyboarder Jarvis Anderson, waren schnell geklärt: „Who wants to party, who wants to fuck?“ Der Extrem-Partymacher-Ruf ging ihnen zwar schon voraus, aber diesem Auftritt war das zumeist recht junge Publikum kaum gewachsen. Daher auch ein im Atomic ungewöhnlicher Respekt-Abstand zur Bühne, der sich nach den ersten drei Liedern allerdings verlor.

 

Die Show der volltrunkenen Herren kann man kaum wiedergeben, außerhalb des Abends klingt es bei weitem zu absurd. Innerhalb von Minuten hatten die Fünf die Bühne mit Wasser und Alkoholika komplett überzogen (Stört das wegen der Elektrik? Nein?). „Ausrutscher“ gab es daher ständig und gerade Gitarrist Simon Katz und Bassist Michael Boucher landeten des öfteren am Boden oder im Schlagzeug, wo sie meistens auch erstmal liegen blieben. Aber auch inmitten des Publikums hielten sich die Musiker ganz gern mal auf bzw. verschwanden geradezu für einige Zeit. Ansonsten gab es noch den Pineapple-Contest, mit dem nackten Bauch über die Bühne Sliden, ausgelassen tanzende Minderjährige und noch zahlreiche Bier-Duschen. Eben alles was zum letzten Auftritt einer halbjährigen Tour durch 17 Länder so dazu gehört. Total fertig, aber sehr glücklich damit.

 

Trotz dieser Umstände oder gerade daher klappte es mit dem Musikmachen überraschend gut. Zu hören gab es Songs aus ihrem Debut & Then Boom, eine Art Pop-Rap bzw. Linkin’ Park light mit Sonnenschirmchen. Höhepunkte waren natürlich die Ohrwurmsingle In this City und das ähnlich eingängige Dayglo. Alles klang ein bisschen nach den 80ern oder Anfang 90er gerade wegen der Keyboards. Die Kids in Neonfarben, Muskelshirts und Caps wussten scheinbar auch nicht so recht, ob sie sich an MGMT erinnert fühlten oder doch lieber ein bisschen mehr auf coolen Rap machen wollten.

 

Zum Abschluss hatte zum Missmut von Jarvis zwar keiner mehr Sex on stage, dafür stand aber mehr als die Hälfte des Publikums auf der wirklich sehr rutschigen Bühne, ein paar pubertierende Jungs zeigten von oben noch ihre Hintern und quakten sehr höflich ins Mikro: „Danke auch, dass Sie hier waren!“ Das galt dann der Band. Und Sänger Sam Martin: „We love every single one of you!“ Das war für die Anwesenden. Ein grandios lustiger Boy-Band-Abend, wen interessiert da schon Professionalität? Mirjam Miethe

 

(21.12.2008)




Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 

Kommentare