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Five!Fast!!Hits!!!: München
Saturday, 21 March 2009 18:17

Zum Abschied noch mal die Faust in die Luft: Five!Fast!!Hits!!!Five!Fast!!Hits!!! sind Geschichte. Fraglich bleibt, wer künftig all die Support-Slots im Atomic Café spielt? Zu den besten Zeiten heizte das Münchner Quartett hier regelmäßig für die neuesten internationalen Indie-Hypes vor, was zur Folge hatte, dass bald jeder in München die Band kannte, ob er nun wollte oder nicht.

 

Ob die Dauerpräsenz im Atomic etwas damit zu tun hatte, dass Clubbetreiber Christian Heine auch als Bandmanager der Hits fungierte? Könnte sein. Lag's vielleicht auch daran, dass Five! Fast!! Hits!!! eine verdammt gute Liveband waren? Mit Sicherheit.


Seit 2005 wurde über wahrscheinlich keine andere Münchner Formation so viel geredet, gegrantelt und gehypt wir über Raffi, Gregor, Frank, Lucas, Alex, Nick und die paar anderen in Vergessenheit geratenen Temporärmitglieder. Eigentlich nur aus einem Grund: Weil sich diese Band einfach nie was geschissen hat. Exzessive Albernheit, exaltierte Bühnenshow, exzentrisches Outfit. Die Bandmitglieder kamen mit den überheblichsten Künstlernamen, die Frisuren waren hart an der Grenze, dazu wurden noch die engsten und gleichzeitig weitesten Hosen auf einer Bühne vereint. Und dann die Hybris, mit englischsprachigem, eindeutig britisch eingefärbtem Rock ‚N‘ Roll wiederholt in London einzufallen. All das mit einer im deutschen Indie-Rock manchmal leider recht verpönten Tugend: Humor.

 

Dort, wo vor fast vier Jahren alles begann, versammelt sich die aktuelle Besetzung zum Abschiedskonzert. Das Atomic erweist prallgefühlt seinen Respekt; die Band würdigt den Anlass fein gekleidet: Jackets, schwarze Krawatte, weiße Hemden. Sinnigerweise mit Reload beginnt das Schlusskapitel der Bandgeschichte, danach schreit man sich erstmals mit einer Primal Scream Therapy frei. Als Songs „aus unserer Frühphase" kündigt Raffi Station und Mr. Marone an, Stücke, die wahrscheinlich auch beim ersten Gig im Atomic Anfang 2005 zu hören waren. Zwischen den Songs ihrer Veröffentlichungen - der EP For A Fiver von 2006, dem Album Brothers From Different Mothers von 2007 und der Single Keep My Name Out Of Your Mouth von 2008 - gibt es rührende Worte des Dankes.

 

Dann entern die ehemaligen Mitglieder Lucas und Frank die Bühne, um die Band durch Dandy In The Din und eine originalgetreue Version des Abwärts-Klassikers Computerstaat zu treiben. Frank macht beim Verlassen der Bühne noch mal klar, dass nun wirklich, „die fünf bis zehn letzten Songs, die es von dieser Band jemals live zu hören gibt", kommen. Das Publikum reagiert entsprechend und gibt noch mal alles, bis Gregor in One Man Riot mit seiner innerhalb der vergangenen vier Jahre erstaunlich abgewetzten Gitarre mitten im Publikum steht und dem Instrument mit gefühlvollen Schlägen gegen die Decke das finale Feedbackjaulen entlockt.

 

Und dann war's das: Übrig bleiben zwei feine Platten, mit stilistisch breitgefächerten Songs, in denen neben der klaren Verwurzelung im Indie-Rock-Zeitgeist viel vom klassischen britischen Songwriting à la früher Beatles und The Kinks steckt und die Erinnerung an ungezählte leidenschaftliche Konzerte - so viele, wie vielleicht keine andere Müncher Band in dieser Zeit spielte. Und was hätte auch sonst noch passieren soll? Mit einer „britischen" Band aus Deutschland, in Zeiten, in der die Insel selbst im Monatsrhythmus neue Modekapellen ausspeit und keiner mehr englischsprachige deutsche Rock-Bands zu brauchen scheint? Die letzte Band, die so gescheitert ist, waren die Kilians - trotz Thees-Uhlmann-Backing und Majorveröffentlichung eine Woche auf Platz 75 und raus. Vielleicht sind Five! Fast!! Hits!!! über solche düstere Perspektive ins Grübeln gekommen, als sie mit dieser Band auf Tour waren.

 

Die Hits lösen sich auf, „weil der erwartete Erfolg ausblieb" verkünden nun Münchner Pressestimme. Offizielle Äußerungen zum Trennungsgrund gibt es keine. Ob es tatsächlich die unerfüllten Erfolgserwartungen, die Stagnation der immer gleichen Clubgigs war, bleibt unklar. In jedem Fall ist schwer vorstellbar, dass in den vergangenen vier Jahren irgendjemand irgendwo mehr Spaß gehabt haben könnte, als die Five! Fast!! Hits!!! bei ihren Konzerten auf der Bühne des Atomic Cafés. (Christian Schober)


(20.03.09)




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