Die Hochkultur der Subkultur.
Home icon Home»Live»Joshua Radin: München
Joshua Radin: München
Wednesday, 25 March 2009 09:48

Gefühlvoller Typ: Joshua RadinWinter heißt der wohl bekannteste Song von Joshua Radin - was für ein Zufall, dass genau an diesem Dienstag der Winter in München noch mal so richtig zugeschlagen hat. Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - fanden zahlreiche Gäste den Weg ins 59:1, und ließen sich von den Liedern des Songwriters aus New York die Gemüter erwärmen. So auch Sara vom LAXMag.

 

Joshua Radin hat sich bisher rar gemacht in Deutschland - bis auf ein paar Auftritte als Support von Tori Amos im Jahr 2007 ließ er sich hierzulande noch nie blicken. Entsprechend groß ist der Andrang: Die Schilder vor dem 59:1 vermelden "ausverkauft", in andern Städten gab es schon Wochen vorher keine Tickets. Joshua selbst zeigt sich beim Konzert verblüfft: "I don't even know how you guys know my music. You can't buy my record in stores here." Vielleicht ja doch aus den Fernsehserien "Greys Anatomy" oder "Scrubs", wo der 34-jährige dank seiner Freundschaft mit Zach Braff den einen oder anderen Song platzieren konnte?

 

Aber der Reihe nach: Als Support und Teil seiner Band hat Joshua Radin keine Geringere als Maria Taylor mitgebracht, deren Stimme dem aufmerksamen Hörer schon von den älteren Bright Eyes - Alben bekannt vorkommen dürfte. Mit ihren verträumten und dezent instrumentierten Songs verzaubert die Dame, teils mit Unterstützung der anderen Bandmitglieder, die allermeisten Zuhörer. Die anderen werden für das sehr andächtige My Favorite Love auch mal eben um Ruhe gebeten.

 

Joshua Radin, der seine Musik gerne als whisper rock bezeichnet, muss das Publikum zum Glück nicht mehr zur Ordnung rufen. Unter großem Applaus betritt er die Bühne, und die Menschen scheinen selbst hinten an der Bar ab dem ersten Ton an seinen Lippen zu hängen. Kein Wunder, denn Joshua ist mit einer dieser angenehmen Stimmen gesegnet, von denen man sich am liebsten an einem lauschigen Kaminfeuer Märchen vorlesen lassen möchte. Mit dieser Stimme trägt er seine teils melancholischen, teils heiteren Songs vor und erzählt zwischendurch kleine Geschichten aus seinem Leben.

 

Da gab es etwa diese Frau, mit der er befreundet war, aber: "I wanted to be more than friends. So I wrote her this song. In fact, I wrote her four songs before, and she said, no, let's stay friends. Well, this one finally worked." - Unter kollektivem Schmunzeln stimmt er dann The Fear You Won't Fall von seiner ersten EP an. Überhaupt wird schnell klar, dass das hier kein Promo-Auftritt für sein aktuelles Album Simple Times, sondern vielmehr ein Querschnitt durch Joshua Radins vierjähriges Schaffen ist. Von sehr alten, aktuellen und noch unveröffentlichten Songs bis hin zu zwei Coverversionen ist alles geboten. Dabei betont er immer wieder, wie sehr er sich freut, hier zu sein - besonders, da man sich als Amerikaner jetzt ja nicht mehr für seinen Präsidenten schämen müsse.

 

Man hat das Gefühl, hier ist ein alter Freund zu Besuch, um in heimeliger Runde ein wenig von sich zu erzählen. Auch Joshua fühlt sich wie in seinem Wohnzimmer, wie er sagt, um gleich darauf seine Gitarre auszustöpseln und Bob Dylans Don't Think Twice, It's Alright völlig unverstärkt zum Besten zu geben. Spätestens jetzt wird deutlich, dass dieser Mann eigentlich nur eine Gitarre und ein paar Zuhörer braucht, um ein wenig Magie zu verbreiten. Nichtsdestotrotz sind auch die von der Band vorgetragenen Arrangements mit Kontrabass und Maria Taylors Stimme im Background ganz wunderbar anzuhören.

 

Joshua Radin entlässt die Zuhörer schließlich mit dem Sam Cooke - Cover Bring It On Home To Me in die kalte Nacht - ein perfekter Abschluss für einen der hoffentlich vorerst letzten besinnlichen Winterabende. Ein wenig von diesem Kaminfeuer-Gefühl wird wohl jeder mit nach Hause genommen haben. Damit halten wir uns noch ein bisschen warm - bis dann der Frühling kommt. Sara Haußleiter

(24.03.09)




Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 

Kommentare